Die Achse des Guten hat Gysis Rede vom 14.4.2008 online gestellt. Sollte sich jeder selbst durchlesen. Mit einer vollständigen Bewertung halte ich mich zurück, bis ich sie mehrmals gründlich durchgesehen habe. Gysi ist kein Stammtischredner sondern gewiefter Jurist, stramm geschulter kommunistischer Kader und Theoretiker mit einem Faible für das Überdachen zerstrittener Parteiflügel. Die andernorts geäußerte Begeisterung teile ich jedenfalls nicht so ganz.
Merke: Für den deutschen “Israelkritiker” ist nur ein toter Jude ein guter Jude. Europäischer Antizionismus ist eben nichts anderes als ein modischer besonders feiger Antisemitismus, der das Vergasen an die Araber outsourcen will.
Ich bin kein Fan von Harnaschs Videos und schaue daher nur selten mal rein. Seine Entertainerqualitäten sind, ähem, verbesserungsfähig. Die Themen waren mir bisher eher wurscht. Diesmal gibt es eine Ausnahme. Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Und das schöne - oder je nach Sichtweise deprimierende - daran: er muss nur das offensichtliche präsentieren. Er hätte nicht mal kommentieren müssen. Das Material spricht für sich selbst. Irrenhaus.
Denn das Öl des Irak war unter Saddam ebenso auf dem Weltmarkt zu dessen Preisen zu haben, wie das heute unter der Regierung Maliki der Fall ist. Daß Saddam, der auf die Öleinkünfte dringend angewiesen war, sich weigern würde, es zu verkaufen, war damals ebenso abwegig, wie daß Hugo Chávez das heute tun würde.
Die Vorstellung, daß Kriege mit dem Ziel der “Kontrolle über Ölfelder” geführt werden, stammt aus dem Zwanzigsten Jahrhundert und paßt ins Zeitalter der Globalisierung ungefähr so gut wie der Glaube, der Reichtum einer Volkswirtschaft hänge davon ab, wieviel Ackerland der betreffende Staat hat.
Wieso Lautstärke 10, wenn es um einen Kurzfilm geht der nicht zum Mord aufruft und lediglich „provoziert“ was ja - solange die Scharia nicht unsere Gesetze ersetzt - hier garantiert ist und fast totales Schweigen, wenn schon Kleinkinder indoktriniert werden, dass Juden keine Menschen sind und man sie als gottgefälliges Werk töten soll?
Ahmadinedschads Phantasien bezüglich einer Großmacht Iran und der Vernichtung Israels sind umstritten. Der eine meint, Ahmadi wolle ja nur spielen, der nächste findet sie ganz toll, weil dann den bösen Imperialisten mal so richtig eines übermassakriert würde. Andere glauben nur, was sie wollen und behelfen sich mit Verschwörungstheorien über amerikanisch-zionistische Kriegshetzer, und wieder andere nehmen ihn beim Wort und sind besorgt. Etwas ruhiger und unparteiischer, dafür sachlicher und ohne das sonst meist beim Thema dominierende Verschwörungsgeschwafel kommt jetzt Mariella Ourghi in der Süddeutschen zu Wort.
Peter Scholl-Latour wird gerne zitiert. Am liebsten mit einer Praxis, die man im USENET Quotemardern nennt. Am liebsten wird er zitiert, um zu “beweisen”, man müsse nur einfach auf jede Form von Gewalt verzichten, ganz feste gegen die USA und Israel sein, und ansonsten beide Augen fest vor allen Problemen verschließen, und schon werde alles gut. Damit verbiegt man gern seine Ansichten und Forderungen bis zum kompletten Gegenteil dessen, was er sagt und schreibt. Der Wikipedia-Artikel über ihn ist geradezu wohltuend informativ im Vergleich zu dem, was man ihm so alles zuschreibt, wenn es um den “War on Terror” und globale Sicherheit geht. Ich hab jetzt mal seinen Cicero-Artikel nachgegoogelt, weil mir normalerweise niemand glaubt, wofür Scholl-Latour wirklich eintritt:
…feixt Broder auf der Achse des Guten, weil ausgerechnet der Teheraner Polizeichef nackig mit sechs Nutten erwischt wurde. Wäre das in New York passiert, wäre’s ja auch toll. Aber im Iran kriegen garantiert die Nutten den eigentlichen Ärger. Wegen irgendeiner perversen religiösen Ansicht zum außerehelichen Sex und der teuflischen Natur des Weibes. In diesem Land mit seiner Willkürjustiz, den brutalen Prügelstrafen für Nichtigkeiten, den Steinigungen und dem öffentlich zelebrierten, extra langsam und grausam vollzogenen Tod am Galgen wird das keine gute Nachricht.
Libanon, Gaza, Iran, Syrien. Israel wird sich wieder gegen eine Übermacht an verschiedenen Fronten verteidigen müssen. Es steht wieder einmal nicht weniger auf dem Spiel als die Existenz der Republik und das nackte Leben ihrer Einwohner. Die Frage ist: wie lange bleibt es noch beim Schwelbrand? Wann kommt der nächste Feuersturm?
So schön kann man komplizierte Politik aufbereiten, wenn man nur mal auf die übliche Phrasendrescherei verzichtet und Fakten bringt. Deutsche Journalisten sind mit sowas überfordert.
Plakate und Transparente machten dem Anspruch, bei der Zusammenrottung würde es sich um eine “Friedensdemonstration” handeln, alle “Ehre”: “Blutsauger Israel” oder “Israel’s Holocaust in Palästina” war ebenso zu lesen, wie die Forderung, unsere demokratische Gesellschaft zu zerschlagen und an ihrer Stelle eine islamistische Diktatur zu errichten: “Gründet das Kalifat!” gehörte auch zu den marktschreierisch dargebotenen Parolen. Den Rest des Beitrags lesen »