Ich schwanke immer noch zwischen Gelächter und Entsetzen.
Der Deutsche Judobund will dem rapiden Mitgliederschwund und dem Bedeutungsverlust des Judo entgegenwirken, indem er wieder Atemi (Schläge und Tritte) sowie Selbstverteidigung einführt.
Beides gab es schonmal. Tatsächlich waren wirksame, knallharte Atemi mal die Grundlage des Judo. Und Selbstverteidigung in wilden Kneipenschlägereien mit und ohne Waffen ganz normaler Judoalltag.
Aber was man ausgegraben hat, sind nicht etwa die sehr, sehr guten Atemi des Judo, die sich nahtlos in das Gesamtsystem mit seinen Würfen und Hebeln einpassen – denn die kann im DJB inzwischen keiner mehr – sondern die albernen und gefährlich dummen Phantasien eines Leichtkontaktwettkämpfers.
Das Machwerk, welches die künftige Selbstverteidigungsausbildung im Judo des DJB vorgibt, muß man selbst gelesen haben, um das Ausmaß des Wahnsinns zu glauben. Wer sich mit dieser Ausbildung in eine gewalttätige Konfrontation wagt (Zivilcourage!), endet mindestens mit zertretenen Kniegelenk im Krankenhaus und unter Umständen auf dem Friedhof, während die Aggressoren nur verwirrt sind, wie jemand so unfaßbar dumm agieren kann. Man muß das selbst gelesen haben: