The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Archiv für Dezember 2009

Bildschärfe militärischer Luftaufnahmen

Geschrieben von califax am Montag, 7. Dezember 2009

Im Zusammenhang mit den Kämpfen im Iraq und in Afghanistan stellt sich immer wieder die Frage, was die Soldaten eigentlich auf ihren Bildschirmen erkennen können, wenn sie anhand von Videos Ziele identifizieren, Angriffe erwägen und identifizierte Ziele bekämpfen.

Hinter diesem Link steckt ein Video, auf dem man einen guten Einblick in die Fähigkeiten des AH64 Apache bekommt. Sehr sehenswert. Bei diesem Gefecht wurden zwei Pickup-Trucks aufgeklärt und vernichtet, die ursprünglich der Afghan National Army gehörten und von Rebellen mit leichter Flak, bzw. überschweren MG augerüstet und gegen die Apache eingesetzt wurden.

Hier ist eine Kopie auf Youtube:

Hier noch ein älteres Video aus dem Iraq. Bei der hohen Auflösung am Anfang des Videos kann man Details sehr gut erkennen.

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Deutsche Außenpolitik? Ein Desaster in einem Absatz.

Geschrieben von califax am Montag, 7. Dezember 2009

Wir haben den Eindruck, dass es in der aktuellen Diskussion über die eventuelle Verlegung zusätzlicher deutscher Kräfte nach Afghanistan fast nur darum geht, ob ein Drittstaat diese anfordert oder nicht. Selbst die vorläufige Zurückweisung amerikanischer Forderungen kommt nicht weiter, als auf den bevorstehenden Afghanistan-Gipfel zu verweisen. Eigenen Gestaltungswillen der Regierung oder Ansätze zu einer Strategie können wir weiterhin nicht erkennen. Auch die Opposition bringt keine strategische Kritik vor, sondern bedient nur die üblichen antimilitärischen Reflexe.

(Quelle: Sipol)

(Hervorhebung von mir)

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Neues zum Kundusbombardement

Geschrieben von califax am Samstag, 5. Dezember 2009

Die Hannoversche Allgemeine bedient sich aus dem geheimen Feldjägerbericht. Und das, was da ausgegraben wird, klingt nach Schlamperei. Unbedingt lesenswert!

Das „Operative Koordinierungszentrum“ konnte er [d.i. Klein] telefonisch nicht erreichen, obwohl es als das Gehirn der Truppe im Feldlager Kundus gilt. Dieses „OCC-P“ steht nur wenige Hundert Meter von dem Befehlshaber entfernt.

Damit geht es los. Die Informationskette nach ganz oben funktioniert auch nicht.  Es gibt einen Stabsoffizier speziell für Rechtsberatung. Dieser müßte zwingend in die Entscheidung eingebunden werden. Wird er aber nicht. Aus dem Feldjägerbericht geht kein Kontakt eigener Bodenkräfte mit den Taliban hervor. Daraus schließt man, daß die Piloten von Klein falsch informiert wurden. Aber die Gerüchte über KSK-Beteiligung stellt man im Text gleich daneben.

Auf dem Schlachtfeld bot sich ein überraschendes Bild. „Ein geradezu klinisch gesäuberter Platz“, heißt es bei den Feldjägern. Zahlreiche Dorfbewohner aus der Nähe und afghanische Soldaten tummelten sich bei guter Stimmung an den Granattrichtern. Den Deutschen wurde zu diesem „Erfolg“ gratuliert – laut Feldjägerbericht wurden ihnen sogar Geschenke überreicht. Aber es gab keine Spur von den Toten. Die Feldjäger benutzten dazu folgende Formulierung: „Es sind nur noch minimalste Spuren von Humanmaterial zu finden, weder Tote noch Verletzte sind vor Ort.“ Sämtliche Spuren des vielfachen Sterbens waren beseitigt.

Bei den anschließenden Nachforschungen ergab sich kein klares Bild. Die Dorfältesten aus der Umgebung sprachen von einem wirkungsvollen Schlag, der längst überfällig gewesen sei. Einige meinten, dass es keine zivilen Opfer gegeben haben könnte. Ihre Begründung: Zu nachtschlafender Zeit halte sich kein ordentlicher Mann bei Taliban-Kämpfern auf. Bemerkungen, denen die Feldjäger nicht weiter nachgingen – zumal die Gespräche mühsam übersetzt werden mussten.

Und noch etwas am Schluß des Artikels:

Der vorgesetzte Brigadegeneral von Oberst Klein schickte dem Einsatzführungskommando in Potsdam einen ungewöhnlichen Bericht. In einem zweiseitigen Papier, das ebenfalls dieser Zeitung vorliegt, beschrieb General Jörg Vollmer die Details des Luftschlags. Gleich im Anschreiben bat er seine Kameraden: „Nach jetzigem Stand wird eine Weitergabe an den Einsatzführungsstab nicht empfohlen.“ Das Wort „nicht“ ist dick unterstrichen.

Nachtrag:

Bei Geopower.net findet sich in den Kommentaren eine sehr interessante Analyse der vorliegenden Informationen.

Die erwähnten KSK-Kräfte passen zu dem in einer Pressekonferenz erwähnten “dritten Aufklärungsstrang”. Das diese dort noch operieren, sowie das sie mit Unterstützung des afghanischen Geheimdienstes arbeiten dürfte nicht verwunderlich sein, somit betrachte ich diese Quelle als zuverlässig.

Auch das die Technik des KSK genutzt wurde scheint nicht verwunderlich.

OMF wurden dabei beobachtet wie sie eine Strassensperre errichteten und dabei zwei LKW mit Sprit erbeutet. Mindestens ein Fahrer wurde dabei getötet. Nach den vorliegenden Informationen über Anzahl und Absicht wurde CAS angefordert. Dieser wurde zunächst durch einen Bomber ausgeführt, der erste Bilder lieferte, anhand der Bilder wurden die vor Ort befindlichen Personen als bewaffnet und somit als OMF identifiziert.
Anzahl und verhalten passten zur vorherigen Meldung.
Der Bomber mußte wegen Spritmangel den Einsatz abbrechen und wurde durch zwei andere (F15/F16) ersetzt. Diese lieferten wiederum Bilder vom Ort des Geschehens, die keine wesentliche Veränderung der Lage anzeigten.
Inzwischen sind jedoch weitere offensichtliche OMF eingetroffen, angeblich abgehörte Gespräche der OMF sollen dies belegen. Es kommt der Trecker ins Spiel der die LKW freischleppen kann, sowie, zumindest für mich, die Frage wie lange die Überwachung aus der Luft noch realisierbar gewesen wäre, bis die F15 / F16 ebenfalls wegen Spritmangel den Einsatz abbrechen müssten.

Weiter geht es dann so knapp zum politischen Nachspiel.

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Minarettverbot aus sozialdemokratischer Perspektive

Geschrieben von califax am Freitag, 4. Dezember 2009

Mehrheitlich für ein Verbot der Gebetstürme seien Befragte über 65 Jahren, Bürger mit Volksschulabschluss sowie die Anhänger der SPD.

(Tagesspiegel)

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Kommentar aus der Truppe zum Fall Klein

Geschrieben von califax am Freitag, 4. Dezember 2009

Da bin ich mal gespannt wie viele “Befehlshaber” des deutschen Kontingents ihre militärische Führungsaufgabe noch wahrnehmen werden, bzw. nicht mit einer derartigen Situation “überfordert” sind.

Was im Endeffekt die Informationsstrategie mit der aktuellen Situation vor Ort zu tun hat erschließt sich mir nicht wirklich und ist nur politischer Dünnschi…

Was die in den Einsatz gesendeten Soldaten von der Politik mindestens erwarten können ist eine klare Definition des Auftrages, sowie die erforderlichen Mittel und Befugnisse.
Wenn die deutsche Politik nicht in der Lage ist einen Kampfeinsatz der Bundeswehr mit allen möglichen Konsequenzen zu vermitteln, dann darf sie die Soldaten auch nicht in diese Lage bringen und einen solchen Einsatz anordnen.

Also komme ich als Soldat zu der Einschätzung das der Einsatz sofort beendet werden sollte, nicht weil ich ihn für falsch halte, sondern weil ich als ZgFhr meinen Soldaten den Sinn und Zweck des Einsatzes nun definitiv nicht mehr erklären könnte.
Ich denke den aktiven Kameraden vor Ort, egal in welcher Führungsfunktion geht es genauso.

(Quelle: Soldatenglück.)

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Beobachtungen am Rande

Geschrieben von califax am Mittwoch, 2. Dezember 2009

Die deutsche Presse und die deutsche Linke regen sich furchtbar auf, weil die alteingesessene Schweizer Bevölkerungsmehrheit es ablehnt, daß eine zugewanderte oder nur zu gast weilende Minderheit orientalische Architektur in die Schweizer Berge setzt. Auf Deutsch: Eine nie in der Schweiz gewesene Minderheit der Deutschen lehnt es ab, daß die in der Schweiz einheimische schweizerische Bevölkerungsmehrheit in der Schweiz über schweizer Baurecht entscheidet. Und das auch noch nach schweizer Recht und Gesetz!

Sehr schön dabei: Wir haben jetzt angeblich ein Menschenrecht auf Türmchen auf dem Haus! Warten wir noch ein Weilchen, dann kommt auch noch das Menschenrecht auf Handymasten, Glühbirnen und Vorgärtchen. Ich hätte übrigens gerne ein Menschenrecht auf Sonnenschein und Klimaerwärmung. Ist nämlich schon wieder viel zu kalt hier.

(Ok, die Minarett-Entscheidung ist dämlich. Aber das geht uns als Ausländer erstens einen Dreck an und zweitens hatten die Schweizer ihre guten Gründe. Es handelt sich um einen eskalierten Streit zwischen Einheimischen und einer integrationsunwilligen aber hervorragend aus dem Ausland finanzierten Minderheit von Querulanten.)

Obama kreiste und kreiste und kreiste und gebahr … leeres Geschwätz vor einschlafenden Offizieren und versteinert blickenden Kadetten. Selbst seine Anhänger sind enttäuscht und fragen sich, wofür er nun soviel Bedenkzeit brauchte. Seine Gegner sind mit ihren Einschätzungen eh schon jenseits von gut und böse. Er übertrifft an Unfähigkeit ja auch wirklich alle Prophezeiungen, die man aus dem republikanischen Lager gehört hat. Sogar die deutschen Fanboys schleichen langsam von der Fahne.

Phil Jones von der CRU wird vorübergehend von seinem Amt als Direktor suspendiert. Gesichtswahrend darf er die Sache als eigene Entscheidung darstellen. Das Jubelgeheul aus dem Lager seiner Gegner wird wohl noch ein Weilchen andauern, ehe es langsam erstickt, denn Jones wurde nicht etwa gefeuert oder in seiner wissenschaftlichen Arbeit gestört. Die unabhängige Untersuchung an der CRU soll auch nicht die Vorwürfe von Datenmanipulation und unwissenschaftlicher Arbeitsweise untersuchen, sondern lediglich die Frage klären, wie die internen Dateien an die Öffentlichkeit kommen konnten. Da könnte auf manche eine dicke Enttäuschung warten. Allerdings häufen sich jetzt die Angriffe auf Jones und Mann aus dem Lager der seriösen Wissenschaft. Aus dem IPCC heraus wird mittlerweile gefordert, beide aus dem IPCC zu werfen. Schaumermal, dann sehmerscho.

Die Zeit wird eine unverkäufliche weil nervig-oberlehrerische Puritanerausgabe produzieren und sich anschließend beschweren, daß der böse Kapitalismus den mutigen Journalismus zerstöre. Von mir dafür eine Dose Mitleid im voraus.

Übrigens sieht man am internationalen Umgang mit der Schweiz (und vor wenigen Jahren mit Österreich) sehr schön, was aus Deutschland geworden wäre, wenn es die feuchten Träume des linken Rands – bündnisfreie Neutralität – erfüllt hätte. Seit ein paar Tagen fühle ich mich in NATO und EU gleich nochmal viel wohler.

Auf EU-Ebene fand irgendwas statt. Und irgendwer hat eine Rede über einen historischen Tag gehalten. Und irgendwie haben irgendwelche Bonzen dann irgendeine klassische Musik in irgendeinem festlichen Saal gehört. Und keine Sau hat’s gemerkt. Irgendwie ist das auch eine Diagnose.

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Metakram

Geschrieben von califax am Mittwoch, 2. Dezember 2009

Man kann jetzt Kommentare und Artikel abonnieren und bekommt sie dann via Email zugeschickt. Außerdem hab ich spaßeshalber die Bewertungsfunktion für Seiten, Kommentare und Artikel freigeschaltet. Wenn sie nicht sonderlich genutzt wird, schalte ich sie wieder ab. Sonst bescheinigen sich damit am Ende nur je zwei Streithähne, was sie sich im Text schon sagen. :)

Die Schleife oben rechts ist von Wikipedia verlinkt, die Lizenzbedingungen zur Nutzung des Bildes finden sich dort. Die URL mit den Lizenzbedingungen ist im Imagetag angegeben und sollte bei Mausschubsern als Ballontext erscheinen. Das Bild habe ich als Symbol der Solidarität mit unseren Soldaten im Auslandseinsatz, speziell in Afghanistan, eingebunden. Diese Solidarität gilt explizit auch für Herrn Klein.

Bisher habe ich weiter keinen Bedarf gehabt, Kommentare zu löschen. Bei Fällen von krassem Geschichtsrevisionismus und der Verhöhnung von Mordopfern (Holocaustleugnung, Gleichsetzung der Mauermorde mit Hart IV, Gleichsetzung Israels mit dem 3.Reich oder dem Burenregime Südafrikas, etc.) werde ich das in Zukunft tun. Ich habe weder Zeit noch Lust, mich mit jedem Irren über seine Wahnideen zu unterhalten, werde solche Agitation aber auch nicht unwidersprochen auf meinem Blog dulden.

Viel Spaß noch.

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Obama fordert 2000 Mann Kampftruppe von Deutschland

Geschrieben von califax am Mittwoch, 2. Dezember 2009

Soldatenglück meldet unter Berufung auf die LVZ, daß Obama Deutschland um die Entsendung einer zusätzlichen Truppe von 2000 Mann gebeten habe. Dabei soll es sich explizit um kämpfende Truppe handeln, die auch bei Bedarf im Süden Afghanistans eingesetzt werden soll.

Der Fall Klein zeigt, daß es bei der derzeitigen Rechtslage eine grobe Verletzung der Fürsorgepflicht wäre, dieses Kontingent zu bewilligen. Man kann keine Soldaten in ein Kampfgebiet schicken und sie dann für das Töten von bewaffneten Feinden im Felde verfolgen. Interessant wäre auch die Frage nach der Ausrüstung dieser Truppe. Dürfte sie mit Waffen in den Kampf ziehen, die für Feinde – ähm – schmerzhaft, gar tödlich sein könnten?  Nach Ansicht der SPD auf keinen Fall. Gut, die regieren ja nun nicht mehr. Aber wie sehen das die Friedensbewegten in Union und FDP? Genaugenommen müßte man bei der derzeitigen Rechtslage alle Truppen abziehen. Da dann die Taliban wieder die Macht übernähmen, könnte man auch gleich die zivile Aufbauhilfe wieder einstellen. Und die derzeitige Praxis, Taktik und Bewaffnung der Truppe nicht nach militärischen Gesichtspunkten zu gestalten sondern an politischer Imagepflege und sonnigen Träumen auszurichten, mag für Manöver im friedlichen Deutschland passen. In Afghanistan wirkt sie tödlich und verheerend. Wie soll eine Kampftruppe mit 2000 Mann in diese Praxis reinpassen?

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Man wird sich auf Sanitäter und Logistik herausreden wollen. Da die SPD rausgeflogen ist, wird man nicht auf bizarre Bedingungen wie bei den RECCE-Tornados achten müssen. Aber kämpfen? Etwa gar Feinde töten? Bevor man selber tot ist? Das sollen Soldaten dürfen? Es wird spannend, inwieweit Obama auf die Infantilität der deutschen Bundestagsabgeordneten einzugehen bereit ist.

Nachtrag:

Zettel war dumm genug, sich für Obamas Westpointrede die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Sipol stellt der Rede wegen ihres zentralen Punktes, nämlich dem Zeitplan, ein vernichtendes Zeugnis aus:

Diese Aussage neutralisiert die Anstrengungen der vergangenen Monate und auch der kommenden Verstärkung amerikanischer Kräfte, die den Afghanen und den Aufständischen hätte signalisieren können, dass das Ziel des Westens in Afghanistan ein Sieg ist, und dass man alles dafür Erforderliche zu tun bereit ist.  Diese Wahrnehmung wäre entscheidend dafür gewesen, die afghanische Regierung zu größeren Anstrengungen, die afghanische Bevölkerung zu stärkerer Unterstützung der Regierung und die Aufständischen zu Konzessionen zu motivieren.

Alles, was die Aufständischen jetzt tun müssen, ist die Vermeidung einer sichtbaren Niederlage in den kommenden 18 Monaten. Dies wird ihnen wahrscheinlich gelingen. Auch wenn den zusätzlichen Kräften das Halten von Räumen vermutlich gelingen wird, werden die positiven Auswirkungen begrenzt sein, da die Afghanen in diesen Räumen davon ausgehen müssen, dass mittelfristig die Aufständischen zurückkehren werden.

Obamas Rede stellt zudem einen zusätzlichen Anreiz für Korruption dar. Viele korrupte Regierungsmitarbeiter werden wie wachsende Teile der Bevölkerung stärker an der Zukunft des afghanischen Staates zweifeln und versuchen, in den verbleibenden Monaten ihre Investitionen (z.B. in Form des Kaufs von Ämtern) zu amortisieren und die Gelder außer Landes schaffen.

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Heute

Geschrieben von califax am Dienstag, 1. Dezember 2009

Heute sei ein historischer Tag für alle, die an Europa glauben, sagen sie.

Hoffentlich nicht. Gerade weil ich an Europa glaube, ist heute ein ganz normaler verregneter Tag für mich. Europa hat eine Chance verpaßt. Lissabon ist ein Fehler. Lissabon betoniert alles fest, was an der EU schlecht und verrottet ist. Wir haben jetzt ein „Oberhaupt“ und eine „Außenministerin“, doch beide sind nicht legitimiert. Wir haben eine „Verfassung“, doch diese ist nicht legitimiert. Sie wurde sogar gezielt in einem Prozeß duchgeboxt, der jeden Legitimationsversuch durch die Völker Europas ausschloß und verhinderte. Wir haben immer noch eine EU, doch früher war diese ein Anliegen der Völker Europas. Heute ist sie das Frankensteinsche Monster einer volksfernen Kaste von Funktionären. Lissabon ist das Werk, mit dem man die EU endgültig ihren Bürgern entfremdet und zum Joch gemacht hat. Weil ich an Europa glaube und auf die Zukunft der EU hoffe, kann ich nur weiter hoffen, daß heute kein historischer Tag war, daß diese „Verfassung“ weggewischt wird.

Vielleicht ist heute doch ein historischer Tag, nämlich der Tag, den Historiker später als den Beginn des Scheiterns der EU wählen werden. Das Wetter war passend. Das Interesse des Wahlviehs auch. Legitimierte Herren ziehen mehr Interesse auf sich. Diese hier jedoch wecken nicht einmal mehr Opposition, geschweige denn Begeisterung im Volk. Sie sind für ihre Untertanen so relevant, wie ein Laternenpfahl, an den die Besoffenen pinkeln. Sie feiern sich selbst. Aber sie haben kein Volk mehr.  Sie herrschen nicht. Sie träumen nur davon. Heute ist die Zukunft der EU in die Parallelwelt der Träume und Illusionen verabschiedet wurden. Und ihre Bürger wissen nicht einmal, wo dieser Staatsakt stattfand, ja meist nicht einmal, daß er stattfand. Das ist das Ende jedes Staatswesens. Wer an Europa glaubt, kann sich nur noch an die Legende vom Phoenix klammern  und sich vor den der Wiedergeburt vorhergehenden Flammen fürchten. Vielleicht wirds ja nur ein kleiner Schwelbrand. Hoffe ich. Wie ich hoffe, daß heute kein historischer Tag war.

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Qualitätsjournalismus mal wieder

Geschrieben von califax am Dienstag, 1. Dezember 2009

Natürlich Welt online.

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