The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Archiv für Dezember 2009

Gezielte Tötung

Geschrieben von califax am Mittwoch, 30. Dezember 2009

Ein kleiner Zwischenruf:

Es wäre bei all den Onlinediskussionen hilfreich, wenn man beachten könnte, daß „Gezielte Tötung“ (targeted killing bzw. targeted liquidation) ein Fachbegriff ist, der eben nicht bedeutet, daß Soldaten beim Waffeneinsatz auf den Feind zielen statt auf den Mond. Insbesondere war die Bombardierung von Kundus keine Gezielte Tötung sondern schlicht ein angeforderter Bombenangriff. Die Gezielte Tötung ist ein Vorgang, bei dem über Monate, oft über Jahre hinweg zielgerichtet ein Attentat auf eine ganz bestimmte Person vorbereitet und schließlich ausgeführt wird. Gezielte Tötungen werden beispielsweise von den Israelis und den USA als Methode zur Bekämpfung terroristischer Strukturen eingesetzt. Man kann sie durch bewaffnete Drohnen abschließen, wie es die USA praktizieren oder durch Scharfschützen, Autobomben bzw. explodierende Telefone, wie es traditionell die Israelis machen.

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Geschrieben von califax am Dienstag, 29. Dezember 2009

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Was kann man machen?

Geschrieben von califax am Dienstag, 29. Dezember 2009

Der Einsatz in Afghanistan steckt fest. Man kann ihn nicht einfach abbrechen. Man kann aber auch nicht einfach Geld, Waffen und Fallschirmjäger auf das Land werfen und hoffen, dann werde schon alles besser.

Die zur Verfügung stehenden Mittel sind arg begrenzt. Die Zeit läuft ab. Was kann man machen? Probleme, die in der Vergangenheit liegen, lassen sich nicht lösen. Unser Einfluß auf das Verhalten der lokalen Akteure ist begrenzt. Diese sind nicht, wie es im eurozentrierten Diskurs besonders der deutschen Friedensbewegten immer wieder vorausgesetzt wird, passiv reagierende Opfer des Westens. Sie sind aktive, zielstrebige und aggressiv Handelnde mit eigenen Motiven und Strategien. Insbesondere sind sie nicht durch die Blumenwiesenerziehung deutscher Friedenskinderstuben geprägt sondern durch eine frühfeudale Stammes- und Kriegerkultur. Das kann man mit  einem „Dialog“, der in Wahrheit meist nur ein Monolog deutscher Karl-May-Leser  auf der Suche nach dem Edlen Wilden ist, nicht aus der Welt schaffen. Man muß damit zurechtkommen. Und ja: Man muß Feinde töten, um in diesem Land respektiert zu werden. Diese Dinge kann man nicht ändern.

Folgende durch uns selbst verursachte Probleme tauchen seit Jahren immer wieder in der Diskussion auf. Hier kann man etwas ändern.

Dem deutschen Kontingent steht zum Selbstschutz gegen offensiv handelnde Feinde nur der Luftangriff aus Bombenflugzeugen zur Verfügung. Dieses Mittel ist zum einen von der deutschen Öffentlichkeit und Politik unerwünscht, zum zweiten von der derzeitigen amerikanischen Strategie auf äußerste Notlagen beschränkt und ohne amerikanische Bomber nicht anwendbar, zum dritten immer wieder ungenau  und dann möglicherweise kontraproduktiv gewesen.

Wir haben Tausende Soldaten im Einsatz, aber diese können ihre wichtigste Basis aus Mangel an Kampftruppe nicht gegen Feinde in Kompaniestärke verteidigen und müssen, das Mittel Bombenangriff außen vor gelassen, tatenlos zusehen, wie der Feind wenige Kilometer von der Basis entfernt Nachschubwege durchtrennt und militärische Operationen unter Einbeziehung lokaler Unterstützer durchführt. Das ist Realsatire für die Götter.

Die Ausrüstung der Soldaten ist nach wie vor mangelhaft. Insbesondere ist die  dort sehr wichtige Nachtkampffähigkeit kaum vorhanden.

Die rechtliche und moralische Absicherung der Soldaten ist schlecht. Sie müssen sich darauf verlassen können, daß sie beim Waffeneinsatz gegen Feinde nicht wie Verbrecher sanktioniert werden.

Eigene Hubschrauber zur Rettung und Unterstützung aus der Luft gibt es eigentlich gar nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn es der Feind durch geeignete Wahl von Wetter und Uhrzeit nicht explizit erlaubt.

Zum Aufbau der afghanischen Polizei ist Deutschland aufgrund seiner föderalen Struktur und isolationistischer Illusionen in der Politik nicht fähig. Die Beamten, die freiwillig nach Afghanistan gehen, lassen sich nicht herbeizaubern. Was wir nicht haben, können wir nicht schicken.

Projekte wie Schulen, Kanalisationen oder Brücken werden lautstark vor Ort versprochen aber wegen schon geringer feindlicher Aktivitäten, mangelndem Einsatz an Menschen und Material, mangelndem Durchsetzungsvermögen gegenüber kriminellen Strukturen in der lokalen Regierung (Unterschlagung, Diebstahl, etc.) oder wegen zu langen und zu komplizierten bürokratischen Entscheidungswegen nicht durchgeführt. Daran scheitert letztlich alles in Afghanistan, und es ist auch eine Folge der obigen Fehler.

Es gibt sicher noch mehr Probleme. Diese hier sind jedoch offensichtlich geworden und sollten angegangen werden.

Was kann man also machen?

Zum einen könnte man Kampftruppe schicken. Aber woher nehmen? Und wie soll man verhindern, daß diese zusätzlichen Kompanien wirkungslos in der Weite des Raumes versickern? Die Truppenzahl alleine macht es nicht. Wir haben auch schon Tausende dort. Was tun die genau? Auf Patrouille und Aufbau gehen nur sehr wenige raus. 90% bleiben nach den üblichen Angaben die ganze Einsatzzeit im Lager. Was machen die dort? Man sollte untersuchen, ob sich dieses sehr ungünstige Verhältnis nicht optimieren ließe.

Man sollte die Einsatzdauer von 4 Monaten auf mindestens das Doppelte anheben. Das dürfte den Soldaten im Einsatz nicht schmecken. Man benötigt aber Erfahrung und persönliche Kontakte zu Einheimischen vor Ort statt aller vier Monate mit Neulingen bei Null anzufangen. Man muß das Verhältnis von Soldaten im Einsatz zu Soldaten in Vor- und Nachbereitung stark verbessern. Führungs- und Kontaktpersonal sollte deshalb auch länger im Einsatz bleiben als einfache Schützen. Dies reflektiert auch den unterschiedlichen Belastungsgrad zwischen Straßensperre und Kommandostellung.

Man sollte untersuchen, welche Aufbauprojekte sich warum verzögern. Dazu sollte es für jedes versprochene Projekt eine Deadline geben. Bei Überschreiten dieses Datums soll möglichst sofort eine Untersuchungsgruppe die Gründe für die Verzögerung angehen und öffentlich dem Bundestag berichten. Das Ziel aller beteiligten Behörden muß es sein, Hindernisse aus dem Weg zu schaffen statt sie zu vertuschen. Wer dazu nicht willens oder fähig ist, sollte an eine ihm angemessenere Position versetzt werden. Dies betrifft insbesondere die Bundeswehrverwaltung, die Stäbe und das Auswärtige Amt. Hindernisse für den Einsatz zugesagter Hilfsgelder sind offenzulegen und möglichst zu beseitigen.

Vom Polizeiaufbau sollten wir unbedingt die Finger lassen. Wir haben uns dabei schon so gründlich blamiert, wie es gründlicher kaum geht. Wir sind nicht in der Lage, die nötige Anzahl Ausbilder zu schicken. Vermutlich haben wir auch gar nicht die Ausbilder, die für eine Lage wie in Afghanistan qualifiziert sind. Dort sind die Straßendiebe mit Kalaschnikows, Granatwerfern und Panzerfäusten bewaffnet und haben Freunde in der Regierung. Ist so ein Szenario Teil unserer Polizeiausbilderausbildung?

Wenn die Truppe vor Ort aufgrund praktischer Erfahrungen Verbündeter und realer Probleme Ausrüstung wie die Panzerhaubitze 2000 oder den Leopard  in passender Nachrüstung anfordert, sollte das Material geliefert werden. Ohne angepaßtes Werkzeug geht es nicht.

Das Hubschrauberproblem muß schnell behoben werden. Dazu kann man taugliche Helikopter samt Besatzungen von Verbündeten anmieten. Mit AH64 lassen sich Situationen wie die mit den Tanklastern in Kundus besser und präziser lösen als mit Bombenangriffen. Mit einer Staffel AH64 in Bereitschaft lassen sich auch erkannte Sprengfallen und Hinterhalte gezielt, zeitnah (und damit unter größtmöglicher Schonung Unbeteiligter) beseitigen. Nachtflugfähige Transport- und Rettungshubschrauber erhöhen die Wirksamkeit vorhandener Truppe ohne zusätzliche Infanterie oder Panzerfahrzeuge zu schicken.

Die Ausrüstung der Infanterie vor Ort muß nachtkampftauglich gemacht werden.  Wir brauchen Scharfschützen und Jagdteams in Hubschraubern zur Bekämpfung von Heckenschützen. (Als Jagdhubschrauber dafür könnten eventuell von befreundeten oder verbündeten Nationen Mi24 bzw. dessen Abkömmlinge angemietet werden. Ohne Bedrohung durch moderne Luftabwehrwaffen sind sie für schnelle mobile Einsätze mit Luftunterstützung gut geeignet.)

Wir sollten Predators in der bewaffneten Variante anmieten, bis andere  und bessere Möglichkeiten zu gezielten und minimalinvasiven Angriffen zur Verfügung stehen (AH64).

Es müssen Wege gefunden werden, Karsai und seine Bagage zur Raison zu bringen.

Weitere Ideen?

Vorläufer in dieser Reihe unausgegorener Ideen:

Kriegsziele

Eine nicht gehaltene Rede

Fragen zu Afghanistan

Bildschärfe militärischer Luftaufnahmen

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Aus aktuellem Anlaß

Geschrieben von califax am Donnerstag, 24. Dezember 2009

Frohes Fest allesamt. ;)

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Soldatenglück

Geschrieben von califax am Dienstag, 22. Dezember 2009

Weiß jemand, was mit Soldatenglück los ist?

Nachtrag:

Da die in den Kommentaren aufgebrachten Vermutungen letztlich nur Unsinn sind, die Frage vom Betreiber schon vor langer Zeit via Email beantwortet wurde und Soldatenglück sowieso wieder online ist, schalte ich hier die Kommentarmöglichkeit ab.

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Ohne Worte

Geschrieben von califax am Sonntag, 20. Dezember 2009

GeoPower verstummt:

Leider muß ich der Community mitteilen, daß Michael Forster nach kurzer,

schwerer Krankheit heute in Berlin verstorben ist.


Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und all´ denjenigen,

die sich mit ihm verbunden fühlten.

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Warum ich FDP gewählt habe

Geschrieben von califax am Sonntag, 20. Dezember 2009

Es gab so einiges an Gründen, warum ich gewählt habe, wie ich gewählt habe.

Und es gibt Stinner. Auch ein Grund, warum ich jetzt FDP-Wähler bin. Und es gibt Arnold. Noch ein Grund, warum ich die SPD nicht mehr wählen werde.

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Wenn DAUs in der Rüstung arbeiten…

Geschrieben von califax am Freitag, 18. Dezember 2009

Meldung eins: Mit einer handelsüblichen Satellitenanlage kann man sich die Videoaufzeichnungen von NATO-Aufklärungsdronen anschauen. Sie werden auf einem öffentlichen und unverschlüsselten Fernsehkanal übertagen. Es handelt sich um das Signal für das Rover-System. Und was Soldaten jetzt schon wissen…

Meldung zwei: Natürlich verwenden auch Bomber, eigentlich alle Bomber, in Afghanistan und im Irak dieses System. (Oberst Klein hat über dieses System den Luftschlag geleitet.) Ja, unverschüsselt.

The problem is in the process of being addressed.

Ich liebe Englisch.

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Massenmord finanziert durch „Klimaschutz“

Geschrieben von califax am Dienstag, 15. Dezember 2009

Da schreibt etwa der Sozialpsychologe Harald Welzer ein Buch über Klimakriege. Seither gilt der Bürgerkrieg in Darfur, weil er ihn immer wieder anführt, als Paradebeispiel des Klimakrieges, in Zeitungen, auf Podien, im TV.

Und so kam, was kommen musste: Lumumba Di-Aping, Delegierter des Sudan und Sprecher der Entwicklungsländer beim Klimagipfel in Kopenhagen, unterbricht die Verhandlungen dort, weil der Norden viel zu wenig Geld als Entschädigung für die Klimafolgen bereitstelle. Das Geld reiche nicht einmal, „um genug Särge für die Menschen in den Entwicklungsländern zu kaufen“, sagt der Vertreter der Regierung in Karthum, die für den Genozid in Darfur verantwortlich ist und noch nie einen Sarg für ihre Opfer gekauft hat oder dies tun wird. Und er kann sich dabei auf die Diskussion berufen, die hierzulande aus allen Kanälen klingt. Kritik an ihm war nirgendwo zu vernehmen.

Dabei hätte ihn ausgerechnet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ein Hort von Meldungen über Klimakatastrophen, korrigieren können. Dort entstand vor einigen Jahren die „Sahara-Studie“, die heute nicht mehr so populär ist. Darin steht: die Erderwärmung trüge eher zur Ergrünung im Sahel bei (auch wenn die Übernutzung des Bodens vor Ort in die andere Richtung wirken kann). Aktuelle Satellitenmessungen bestätigen dies bereits, und auch die Klimageschichte zeigt für diese Region: Je wärmer, desto grüner.

(Welt Online)

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Vorwärts in eine goldene Zukunft!

Geschrieben von califax am Dienstag, 15. Dezember 2009

(via Erich sieht.)

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