The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Der gallische Stabilisierungseinsatz mit robustem Mandat

Verfasst von califax am Dienstag, 3. November 2009

„In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden.“

Sagt Guttenberg im Interview. Wenn das kodifizierte Völkerrecht den Kriegsbegriff tatsächlich so einengt, haben die Völkerrechtler den Kontakt zur Realität verloren.

„Glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten?“

Vor allem muß ein Soldat kein Verständnis für eine Wortwahl haben, die kontrafaktisch und ausschließlich in einem kleinen weltfremden Zirkel beheimatet ist.

Wenn das kodifizierte Völkerrecht so ist, wenn es vor allem so sehr die Wortwahl eines Ministers beeinflussen kann, wie es Guttenberg beschreibt, muß es möglicherweise der Realität angepaßt werden.

Oder wir passen einfach zunächst einmal unsere Wortwahl an die Realität an und lassen es zu, daß im Fachchinesisch der Völkerrechtler ein Fachbegriff eine andere Bedeutung hat, als das gleichlautende Wort im Rest der Welt.

Denn ansonsten waren nach Ansicht sowohl der Völkerrechtler als auch der Bundeswehrführung Antike und Mittelalter die wohl friedlichste aller Zeiten. Was wohl Caesar zur Bezeichnung „Stabilisierungseinsatz“ gesagt hätte? Und was wohl die alten Germanen, die mit ihren – ja was eigentlich? – die Römer zu immer wiederkehrenden „friedenserzwingenden Stabilisierungsmissionen“ trieben? Was war das eigentlich, dieses Heeren der Germanen und der mittelalterlichen Despoten und Städte? Was, wenn nicht das, als was sie es selbst bezeichneten, nämlich Krieg? Und die Bauernkriege? Die Kolonialkriege? Die Indianerkriege?

Könnte es vielleicht sein, daß der einfache Soldat nicht einfach kein Verständnis für juristische Feinheiten, sondern schlicht ein tiefgreifenderes Verständnis für die Art seines Einsatzes  und die Wahl der Fachbegriffe seines Berufes hat, als die juristierenden Herren im Büro?

Ich frag ja nur. Und jetzt warten wir weiter, bis die hundert Tage um sind.

3 Antworten zu “Der gallische Stabilisierungseinsatz mit robustem Mandat”

  1. che2001 sagte

    Wallenstein und Gustav Adolph hatten im Dreißigjährigen leicht gestörten Frieden eine robuste Meinungsverschiedenheit.

  2. che2001 sagte

    Verglichen mit den nächsten Systemwettstreiten – bürgerliche Revolution vs. Ancien Regime, liberale Industriegesellschaft vs Sklavenhalter, soziale Revolution vs Kapitalismus, Faschismus/NS vs übrige Menschhheit, Kasernenhofsozialismus vs Kapitalismus oder geografisch Ost vs West – war das wirklich nur eine Folklorefrage. Welches Lied in welcher Kirche gesungen wird und so Kasperkram. @gut gemeint: Mielke liebte ja auch alle….

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