The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Proteste im Iran gehen weiter

Verfasst von califax am Freitag, 10. Juli 2009

Die Informationen kommen allerdings etwas spärlicher. Die derzeitige Gerüchtelage:

Die Proteste am 9.Juli haben die Sicherheitskräfte in Teheran überfordert. Einige Gerüchte führen dies auf mangelnde Motivation und Massendesertationen bei den Basiji, sowie wachsende Unzufriedenheit innerhalb der regulären Sicherheitskräfte zurück, andere machen eine geänderte Demonstrationstaktik und Überdehnung der Sicherheitskräfte verantwortlich. Statt großer Massendemonstrationen, die von den Sicherheitskräften mit tödlicher Gewalt zerschlagen werden, finden sehr viele scheinbar spontane Demonstrationen an allen möglichen Straßenkreuzungen statt. Eine inzwischen fest etablierte Protesttaktik ist das Erzeugen von Verkehrsstaus mit Hupkonzerten. Die Autofahrer bleiben einfach massenhaft stehen und hupen. Wenn die Sicherheitskräfte auftauchen, fährt man einfach zur nächsten Kreuzung und macht diese dicht. Dazu kommen Protestmärsche und -versammlungen zu Fuß, die über die Stadt verteilt an allen möglichzen Kreuzungen entstehen. Die Zerschlagungstaktik der Sicherheitskräfte könnte so zum Bumerang werden.

Es gab wieder sehr viel Gewalt. Viele Leute wurden erschossen oder zu Tode geprügelt. Die Anzahl der Verhafteten und Vermißten wächst weiter. Der Universitätskampus in Teheran wurde erneut von Basiji überfallen.

Bei der Bekämpfung einer Großdemonstration in Teheran kam es zu einer Schießerei zwischen regulären Sicherheitskräften und Basijimilizionären. Letztere hatten das Feuer auf die fliehende Menschenmenge eröffnet. Der befehlshabende Offizier der regulären Sicherheitskräfte ließ daraufhin das Feuer auf die Basijis eröffnen. Er rechtfertigte dies mit offiziellen Aussagen des Regimes, wonach man keine Kenntnis von staatlichen zivilgekleideten Gruppen habe, die mit Gewalt gegen Demonstranten vorgingen. (Logik eines totalitären Staates: Wenn die Führung selbst ihre Mörder nicht anerkennt, müssen es ja Staatsfeinde sein.)

Das Nationalheiligtum Qom ist durch Sicherheitskräfte hermetisch abgeriegelt. Angeblich bahnt sich dort ein Aufstand der Ayatollahs gegen Khamenei an. Massenentlassungen im religiösen Staatsapparat aufgrund massiver religiöser Opposition gegen Khamenei.

Es gab Proteste in über 200 Städten im ganzen Land. Trotz der Lebensgefahr und des massiven Verfolgungsdrucks erreichen einzelne Demonstrationen Teilnehmerzahlen im vierstelligen Bereich.

Angeblich Mitarbeiter des Wahlkampfteams von Moussawi gehenkt. Systematische Folter und Vergewaltigung in völlig überfüllten Gefängnissen. Regimetreue Funktionäre fordern in der Staatspresse die „Säuberung“ des gesamten Landes von allen oppositionellen Kräften.

Die nächtlichen Protestrufe gehen weiter. Es werden bereits die nächsten Demonstrationen geplant. Das Handynetz wird nach wie vor immer wieder gestört. Besitzer von Handys und Kameras werden gezielt gejagt.

Interessante Links:

Mohammad Asghari  was killed June 14 on his way from Tehran to Karaj. His car „caught fire“ as a result of which, he was burnt to death in his car. He was killed for smuggling out the true results from Ministry of Interior.

Mohammad Mahdi Asghar was an IT specialist & instructor for security systems for Cisco. He was head of a project for the Ministry of Interior, securing their IT environment. He was also commissioned with securing election committee systems against penetration. When he heard that Daneshjou was announcing false Numbers, he copied data & communication the Saturday following the election. He then turned all of it over to opposition and testified to this in a statement.

(Quelle nicht überprüfbar, Meldung nur durch Vergleich mit anderen Quellen als glaubwürdig eingeschätzt.)

PersianKiwis Blog.

Spekulationen über die möglichen Hintergründe.

Nachtrag:

The Daily Dish hat eine gute Sammlung.

7 Antworten zu “Proteste im Iran gehen weiter”

  1. Nola sagte

    http://derstandard.at/fs/1246542321658/Chef-der-iranischen-Atombehoerde-tritt-zurueck

    Chef der iranischen Atombehörde tritt zurück
    16. Juli 2009, 13:27Keine Gründe für Rücktritt Aghazadehs genannt
    Teheran/Wien – Der Chef der iranischen Atombehörde, Gholamreza Aghazadeh, ist überraschend zurückgetreten. Präsident Mahmoud Ahmadinejad habe seinen Rücktritt angenommen, sagte Aghazadeh der iranischen Nachrichtenagentur ISNA am Donnerstag. Er nannte keine Gründe für seinen Schritt. Aghazadeh hatte die Atombehörde zwölf Jahre lang geleitet.

    —————-

    Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

  2. Nola sagte

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,636608,00.html

    Anwälte berichten über 300 Tote
    Die Regierung spricht von sieben Opfern – doch nach Angaben des Internationalen Juristenkomitees wurden bei den Wahlprotesten in Iran 300 Menschen getötet.
    Paris/Teheran – Bei der blutigen Niederschlagung der Proteste in Iran nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad sind nach Angaben eines internationalen Juristenkomitees 300 Menschen getötet, Tausende verletzt und 10.000 Oppositionelle verhaftet worden

    —————

    Und hier ein Bericht über Taraneh, die so grausam ums Leben kam und die die ganze Brutalität zu spüren bekommen hat, zu der Menschen fähig sind.
    Nein, der Iran wird nie wieder mit diesem System leben können. Diese Greueltaten werden die Menschen nie verzeihen.

    http://www.huffingtonpost.com/shirin-sadeghi/the-rape-of-taraneh-priso_b_233063.html

  3. kat sagte

    Liste von 56 Getöteten bei Protesten nach den 10. Präsidentschaftswahlen im Iran:
    http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8076&lg=de
    farsi:
    http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8076&lg=fa

  4. Nola sagte

    Am 30. Tir 1388 (21. Juli 2009) um 21:00 soll im Iran das Licht ausgehen. In Gedenken an die Opfer der Unterdrückung vom 30. Tir (Sa, 20. Juni 2009), zu denen auch die junge Iranerin Neda Agha-Soltan(i) gehört, sollen mindestens drei Millionen iranische Familien am Dienstag, den 21. Juli, Punkt 9:00 zum Ertönen des letzten Zeitzeichens vor den staatlichen iranischen Nachrichten ein stromfressendes Gerät (Bügeleisen, Staubsauger, Fön, Warmwasserboiler) in die Steckdose stecken und für 3 Minuten in Betrieb nehmen. Bei einer Leistung des iranischen Stromnetzes von 3000 Megawatt und einem zusätzlichen Verbrauch von 1000 Watt pro Familie (1000 Watt mal 3.000.000 Geräte macht 3000 Megawatt) dürfte dies ausreichen, das iranische Stromnetz zum Zusammenbruch zu bringen, selbst wenn das Regime, das ja von der Aktion weiß, sich startklar macht, um zusätzliche Anlagen in Betrieb zu nehmen. Falls die Regierung die Nachrichten von 21:00 ausfallen lässt, sind als Alternativtermin die von 22:00 bzw. 22:30 Uhr vorgesehen. Sollte die Regierung die Nachrichten je nach Stadt um eine Minute verzögern, dürfte dies trotzdem nicht ausreichen, den Stromausfall zu verhindern. Die Initiatoren empfehlen, nach dem totalen Stromausfall alle elektrischen Geräte (Kühlschrank u.a.) aus dem Stecker zu ziehen, damit sie beim späteren Wiedereinschalten keinen Schaden erleiden.

    Die Urheber weisen darauf hin, dass diese Aktion gleich mehrere Vorteile hat:

    1. Sie zeigt den Machthabern, dass die Bevölkerung gegen sie geeint ist.
    2. Sollte die Aktion gelingen, wird sich die Nachricht rasch in der ganzen Welt verbreiten. Dem Regime ist es dann auch nicht mehr möglich, die Aktion „ausländischen Kräften“ anzulasten.
    3. Der Strom wird auch bei den Handlangern des Regimes ausgehen und sie werden es sich überlegen, ob sie weiter auf dessen Seite stehen.
    4. Die Aktion lässt sich weder mit Bassidschi-Schlägern noch Revolutionswächtern niederknüppeln und niederschießen.
    5. Die Machthaber werden es mit der Angst zu tun bekommen (AdÜ: Ob das nicht Wunschdenken ist?).
    6. Die Bevölkerung wird Vertrauen in ihre Fähigkeiten schöpfen und überwindet damit eine wichtige Schwelle für weitere Aktionen.
    7. Ohne einen Tropfen Blut zu vergießen und ohne dass jemand verhaftet wird, kann die Bevölkerung auf diesem Weg eine Demonstration von Millionen abhalten.
    8. Nach dem völligen Stromausfall wird es dunkel sein. Um diese Zeit wird über dem Iran auch der Mond nicht scheinen, eine günstige Gelegenheit also, im Schutz der Dunkelheit Parolen für die Freiheit zu rufen.
    9. Der totale Stromausfall eines Landes ist ein historisches Ereignis. So haben alle Teilnehmenden die Chance, Geschichte zu schreiben.
    Es sollten (auch im Ausland) möglichst viele Iranerinnen und Iraner von dieser Aktion informiert werden, damit sie ihre Angehörigen (im Iran) informieren und zur Teilnahme ermutigen können.

    http://alischirasi.blogsport.de/

    ————

    mr fatah, der energieminister der islamischen republik, verhöhnt die „randalierer“. er meint dass so etwas nicht möglich wäre, da iran über zusätzliche energiereserven verfüge.

    http://www.fardanews.com/fa/pages/?cid=86787

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