Doch, die Regierung kann etwas tun!
Verfasst von califax am Mittwoch, 17. Juni 2009
Abseits vom Wahlkampf-Sympathie-Erschleimen und sinnlosen symbolischen Protesten können die westlichen Regierungen und vor allem Deutschland mit seinen guten Kontakten durchaus etwas sinnvolles tun: Man könnte Achmadinedschad und Khamenei ein für sie und ihre Familien akzeptables Exil organisieren. Es wäre eine Möglichkeit, ihnen eine mögliche Niederlage zu erleichtern.
Jüngere Gerüchte:
Rafsandschani und seine Anhänger werden vom Regime gejagt, seine Tochter wurde bei einer Protestdemo gefilmt und im iranischen Fernsehen als Beweis für Rafsandschanis Verrat präsentiert. Er soll aber in Sicherheit sein und den Sturz von Khamenei betreiben.
Mussawi stellt sich immer dreister gegen Khamenei.
Die normale Polizei ist unzuverlässig geworden und wurde entwaffnet. Polizisten tragen offen grüne Tücher (das Zeichen der Revolte).
Die reguläre Armee steht abseits und verweigert den Schießbefehl. Mehrere Offiziere wurden vom Regime verhaftet.
Die Armee der Revolutionären Garden ist gespalten. Ebenso der Wächterrat und das Parlament.
Massenverhaftungen überall durch Geheimdienst, Basij, iranische Hisbollah und Libanesen. Angeblich auch Milizionäre der HAMAS am Terror beteiligt.
Die Basij selbst ist gespalten. Mehrere Einheiten haben aus Protest gegen die Verbrechen geschlossen ihre Waffen niedergelegt und sind in ihre Dörfer zurückgekehrt. Viele Desertationen gemeldet.
Reger Grenzverkehr zum und aus dem Irak.
Mullahs versuchen aus Teheran zu fliehen.
Was davon stimmt, wird sich erst später herausstellen können.
Nachtrag:
Das Freitagsgebet wurde von Khamenei wie zu erwarten genutzt, um die Demonstranten als vom Ausland gesteuerte Feinde der Islamischen Republik zu denunzieren, AN zu stützen und mit Gewaltandrohung ein sofortiges Ende der Proteste zu fordern. Das paßt zu den Gerüchten über Truppenbewegungen und Aufruhr in Armee und IRG. Angeblich haben auch Basij-Milizionäre bereits begonnen, Straßensperren zu errichten. Eine Menschenmenge ist vom Freitagsgebet zum Haus von Rafsanjani unterwegs, um gegen ihn zu protestieren. Während des Freitagsgebetes wurden Flyer verteilt, die Rafsanjani als Hintermann der Proteste bezeichnen. Khamenei will also den großen Showdown. Entweder bleiben jetzt viele Demonstranten frustriert und verängstigt zu Hause (Moussawi könnte auch zum Ende der Proteste aufrufen) – dann bricht der Protest zusammen, und das Regime rächt sich einzeln an allen Kritikern, die es ermitteln kann. Hinrichtungen sind wahrscheinlich. Oder die Proteste gehen weiter – dann wird sich zeigen, ob die IRG wirklich aufs eigene Volk schießen wollen. Daß sich mehr und mehr rumspricht, daß dabei Iraner von Arabern verprügelt und gejagt werden, dürfte den Haß anstacheln, und das Regime weiter delegitimieren. Für morgen sind weitere Demos angekündigt. Khamenei hat bereits klargemacht, daß dies gefälligst die letzten zu sein haben. Wo stehen die Bazari? Sind Expertenrat, Armee und IRG bereit, ein Massaker am eigenen Volk mitzutragen?
Es steht Spitz auf Knopf.