The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Iran und Wahlkampf

Verfasst von califax am Montag, 15. Juni 2009

Soso. „Deutschland“ bestellt also den iranischen Botschafter ein. Man sei sehr besorgt wegen der Lage im Iran. Für wen ist diese Farce eigentlich gedacht? Die iranische Regierung wird’s eher lächerlich finden. Was derzeit im Iran passiert, ist eine innere Angelegenheit des Iran. Wenn man nicht einmal bei der iranischen Atombombe, wo tatsächlich ernste deutsche Interessen bedroht sind, handlungsfähig ist und trotz aller Sanktionsdrohungen und Verhandlungsabbrüche fleißig Geschäfte mit den Mullahs und ihren Garden macht – was sollte dann wohl jetzt passieren?

Nichts natürlich. Gar nichts wird passieren. Teheran wird ungläubig über Steinmeier feixen und in aller Ruhe die Opposition zerschlagen. Was sollte sie denn hindern? Wer denn? Die Bundesregierung etwa? Lächerlich.

Unsere Regierung macht sich außenpolitisch lächerlich, um innenpolitisch als Verfechter der Freiheit dazustehen. Und derweile macht man weiter fleißig Geschäfte mit denen, gegen die man jetzt erstmal so ein eifriges Showboxen betreibt. Krokodilstränen aus Wahlkampfgründen und außenpolitisch nach wie vor die dümmst-mögliche Strategie. Klug ist es, sanft aufzutreten und einen großen Knüppel parat zu halten. Steinmeier/Schröder ist es, wenn man die Schnauze weit aufreißt und mit Schokoriegeln droht.

Nachtrag:

Merkel will jetzt auch ihre Schlagzeile:

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangte eine „transparente Überprüfung“ der Präsidentenwahl vom Freitag. „Wir verurteilen die Verhaftungswelle, die es bei den Demonstrationen gegeben hat“, sagte die Kanzlerin. Die Demonstrationsfreiheit müsse gewährleistet werden.

Sonst was? Sonst machen wir aber dermaßen geil profitable Geschäfte mit Euch, daß Euren Knüppelgarden vor Reichtum Hören und Sehen vergeht, harharar!

Tut mir leid. Ich bin ein bißchen zynisch. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was man tun könnte, wenn man keinen Knüppel hat. Dann muß man auch nicht außenpolitisch das Maul aufreißen. Die Adressaten lachen nur drüber und potentielle Herausforderer bekommen ein neues ermutigendes Beispiel dafür, daß Proteste westlicher Regierungen irrelevant sind. Das ist eine Sache, die die Demonstranten im Iran selbst ausfechten müssen. Ich habe Angst, daß es eine Chinesische Lösung gibt. Ich hoffe, daß es eine friedliche Revolution gibt, die wenigstens kleine Verbesserungen der Lage dort bringt. Möglicherweise wird es eine rumänische Revolution. Möglicherweise verebbt alles in Frust und Unterdrückung.

Pathetische Revolutionsaufrufe wird man von mir nicht hören. Ich weiß noch, welche Angst durch unsere Familie gefahren ist, als wir nach der Wende erfahren haben, daß die DDR-Führung schon die Pläne für Konzentrationslager nebst stetig wachsenden Verhaftungslisten angelegt hatte. Wir hatten im Osten ein Riesenglück. Die meisten Menschen wollen keine Helden sein, sondern einfach lieben, heiraten, Kinder großziehen, ein bißchen kleines Glück im Leben. Das unterscheidet sie von den fanatischen Verbrechern, denen sie in totalitären Systemen wie der DDR oder dem Iran ausgeliefert sind.

Heute sind im Iran Millionen Menschen auf die Straße gegangen. Scheinbar hat es alle Landesteile erwischt. Scheinbar hat die Polizei keine Lust mehr, den Büttel zu spielen. Scheinbar hat sich das Militär für neutral erklärt. Scheinbar stehen jetzt Bürger gegen fanatische Milizionäre und Terroristen (Hisbollah). Und scheinbar läuft der Riß auch durch die herrschende Elite. Scheinbar. Ich weiß es nicht genau. Ich weiß auch nicht, wie es weitergeht. Ich hoffe, daß sich die Lage für die Iraner bessert. Daß sich die Kriegsgefahr verringert. Daß es kein Massaker gibt.

Vom richtigen Umgang mit Zahlen

A Time-Line Of The Coup

Weil es so schön ist, stelle ich Sullivans Graphik doch direkt hierher:

So ein Zufall!

So ein Zufall!

Gerüchteküche aus dem Iran. (via Daily Dish)

vielsagende Bildstrecke auf Big Picture

Gerüchteticker von DF.

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