The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Opel

Verfasst von califax am Samstag, 30. Mai 2009

Opel sei gerettet, tönt es jetzt überall. Ist das so?

Die Opelwerke in Deutschland stellen Fahrzeuge her, für die es nicht genügend Käufer gibt. Deshalb sind sie ja praktisch pleite. Weil sie überflüssig sind. Sie produzieren in Massenproduktion eine Ware, die niemand in dieser Masse haben will.

Deutschland pumpt 1,5 Milliarden Euro knappes Steuergeld in die vier Werke und bürgt für insgesamt 4,5 Milliarden. Wenn Opel also wie vorherzusehen pleitegeht, müssen aus Steuergeldern bis zu 4,5 Milliarden Euro Schulden bezahlt werden. Die zahlen nicht etwa die neuen Eigentümer. Die Eigentümer zahlen einmalig einen dreistelligen Millionenbetrag. Ein Schnäppchen. Die Werke sind nicht einmal soviel wert. Die Patente sind vermutlich ein Vielfaches davon wert.

Magnas Geld kommt vom russischen Staat. Die wahrscheinlich unfähigste und inkompetenteste Autofirma der Welt, GAS, bekommt dafür die Lizenzen, um Autos mit Opeltechnik zu bauen. GAS hat es in den zwanzig Jahren seit Gorbatschow nicht geschafft, ein neues Auto zu entwickeln. GAS baut immer noch die uralten 60er-Jahre-Schlitten. Zum Vergleich: Die ebenfalls russische Autofirma Lada verkauft erfolgreich in ganz Europa und hat bereits in den 90ern neue Fahrzeugmodelle eingeführt. Es liegt also nicht an den Rahmenbedingungen. Es liegt an GAS.

Wer braucht die Opelwerke? GAS braucht sie nicht. GAS muß in Rußland und Nachbarschaft gegen einheimische und westliche Konkurenz antreten. Produktionskapazität hat GAS genug. Was fehlte, ist das technische Know How. Das kauft man jetzt auf Kosten des deutschen Steuerzahlers ein. Magna erhält dafür in GAS einen neuen vom russischen Staat begünstigten Großkunden. Magna braucht keine Opelwerke, denn wer sollte die ganzen Opelfahrzeuge in Deutschland kaufen? Die sind ja nun nicht über Nacht viel preiswerter und besser. Sie sind immer noch unverkäuflich.

Und was bekommt der deutsche Staat nun für sein Geld? Eine unverbindliche Absichtserklärung, in welcher Magna und GM versprechen, über die noch strittigen Detailfragen zu verhandeln. Wenn sie sich nicht einigen, zahlt der deutsche Staat bis zu 4,5 Milliarden, und Opel wird dichtgemacht. Die „Rettung“ findet gar nicht erst statt.

Und wenn sie sich einigen?

Nach einer Schamfrist von einigen Monaten, vielleicht einem Jahr, wird Opel dichtgemacht, weil ja immer noch niemand Opelfahrzeuge kauft. Deutschland zahlt die Schulden. Magna hat aus deutschen Steuergeldern die erfolgreichste Großkundenaquise des neuen Jahrtausends eingefuchst, GAS hat für einen Spottpreis und finanziert aus deutschen Steuergeldern moderne Technik für den russischen Markt eingekauft.

Die große Koalition hat im Wahlkampfwahn bis zu 4,5 Milliarden Euro verschwendet, die man dann bei Sozialleistungen, Bildungsprogrammen und Investitionen rauskürzen muß. So zerschlägt man erfolgreich den Sozialstaat.

7 Antworten zu “Opel”

  1. Spruance sagte

    Und es wird immer noch versucht, diese Tragödie als Folge der Finanzkrise hinzustellen. Ich hätte nicht gedacht, daß ich irgendwann zu solchen Gefühlen der Verachtung für unsere amtierende Regierung fähig sein könnte.

    • califax sagte

      Die SPD nutzt den populistischen Faktor, um die Union vor sich her zu treiben. Wenn die Merkel nicht einknickt, steht die Union vor den Wahlen als kaltherzige Arbeitsplatzvernichter da. Das ist das Kalkül von SPD-Spitze und DGB. Gleichzeitig möchte man die SPD als warmherzige Partei darstellen, die für die Arbeitnehmer gegen eine Krise kämpft, die von der oppositionellen FDP verursacht sei. Und man treibt einen Keil zwischen Guttenberg, der als Symphatieträger demontiert wird und die Merkel. Deshalb jetzt auch gleich das Nachfeuern mit Arcandor.
      Die 4,5 Milliarden sind reine Wahlkampfkosten. Daß man weder Opel noch Arcandor retten kann, und schon gar nicht so, weiß die SPD-Spitze auch selbst.
      Das ist die dreisteste Veruntreuung von Steuergeldern, von der ich je gehört habe. Wieviel werden Steinmeier und Münte wohl nach ihrer Amtszeit kriegen? Und von wem? GAZPROM oder GAS?

  2. [...] seien zum Thema Opel (was mit dem Absatz oben nix zu tun hat ;-)) Gedanken aus Zettels Raum und der Anstalt [...]

  3. Eloman sagte

    Na ja, unverkäuflich ist wohl was anderes. Imho ist Opel (genau wie Arcandor alias KarstadtQuelle) ein weiteres Beispiel dafür wie ein völlig inkompetentes Management
    in relativ kurzer Zeit ein Unternehmen ruinieren kann. Leider werden diese Krampen
    wohl nicht zur Verantwortung gezogen werden sondern vermutlich mit „Goldenem Handschlag“
    in den Ruhestand gehen oder weitere Firmen vor die Wand fahren.

    • califax sagte

      Stimmt. Die Patente, die Immobilien und die Arbeitsmittel sind noch was wert. Konkursmasse ist durchaus vorhanden.
      Aber kein Schwein braucht die Fabriken.
      Wenn man potentiellen Investoren praktisch die gesamte Kaufsumme samt unternehmerischem Risiko per Staatsbürgschaft geben und sogar den vereinbarten Eigenanteil des Investors gleich aus der Staatskasse zahlt, im Gegenzug aber gar nichts zugesagt bekommt, dann ist das ein Fall von unverkäuflich.
      Denn es kauft ja niemand, wie Sie sehen. Man erklärt sich nur durch große staatliche Zuwendungen bereit, ein Geschenk anzunehmen.

      Und das Management… Am goldenen Handschlag wird sich erst etwas ändern,

      wenn es erstens größere Arbeitnehmerkonkurrenz dort gibt, wenn also auch im Bereich der Konzernführung mehr fähige Bewerber als Arbeitsplätze gibt,
      wenn Konzerne durch Mißmanagement schlicht pleitegehen und dabei die Investitionen der Eigentümer vernichten, statt vom Staat gerettet zu werden
      und wenn Manager und Aufsichtsräte von den Anlegern erfolgversprechend auf Schadensersatz verklagt werden können.

      • Eloman sagte

        Vielleicht ist Opel auch nur zur falschen Zeit in die Krise gerutscht. Ich kann mich erinnern daß BMW in den 60ern und VW Anfang der 70er auch mal kurz vorm Ende waren und sich mit der nötigen finanziellen Hilfe (BMW-Quandt) und zugekauften Ideen (VW-NSU) wieder berappelt haben.

        Zum Thema (Nieten in Nadelstreifen) inkompetente Manager wollte ich noch anmerken daß es sicher großen Spaß macht Unternehmer zu spielen ohne das unternehmerische Risiko tragen zu müssen. Aber irgendwann mnuß halt mal Schluß sein mit Kinderpost. Ist halt nur bedauerlich wenn dann in erster Linie die einfachen Mitarbeiter die Folgen tragen müssen.

        • califax sagte

          Opel war schon seit Jahren in der Krise. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist bei allen Herstellern eine Riesenüberproduktion aufgebaut worden. Diese Blase steht schon lange vor dem Platzen. Opel ist in Deutschland der schwächste Kandidat mit dem miesesten Absatz. Und zwar schon lange.
          Ein Zukauf von Technik und eine Sanierung war dank GM nie möglich. GM würde es auch nie zulassen, daß ihnen durch Abtrennung von Opel eine gefährliche Konkurrenz entsteht. Die sind doch eh schon fast pleite. Und die Sanierung hätte Opel mal eben einen massiven Vorsprung vor Audi und VW geben müssen, um bei der allgemeinen Überproduktion einen Versuch wert zu sein.
          Und ohne die schnelle Schließung überflüssiger Werke geht eh nichts.

          Das war’s. Nicht geht mehr. Früher oder später mußte die Überproduktion mal abgebaut werden. Und das geht eben nur mit Werksschließungen.

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