The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Wir müssen da mal über etwas reden.

Verfasst von califax am Montag, 23. März 2009

Tee und Kekse gefällig? Kaffee und Kuchen? Vielleicht etwas Biodinkelgebäck mit fair gehandelter Wurzelextraktlimonade?

Wir müssen nämlich mal über etwas reden, daß mir zunehmend Sorgen bereitet, seit ich in der DDR eingeschlafen und plötzlich in Deutschland aufgewacht bin. Vielleicht ist der Grund eine ansteckende Geisteskrankheit namens Heiapopeia, wie das vor Jahren mal ein Betrunkener im Bus gemeint hat. Wahrscheinlicher ist eine Mischung aus Selbstbetrug bei vielen und Nachplapperei bei noch viel mehr Menschen. Die Folgen sind jedenfalls gravierend: Abschaffung der Bürgerrechte. Entmündigung der Erwachsenen. Eine zunehmende Anzahl von Toten. Letzteres bisher meistens nur im Ausland. Vorwiegend bei denen, die darauf vertrauen und oft vertrauen müssen, daß wir sie schützen. So wie die Frauen und Mädchen in Afghanistan. So wie die Opfer von „Ehrenmorden“ in Deutschland. So wie die vielen Opfer der von uns harmoniesüchtigen Europäern finanzierten und hofierten Mörderbanden namens Hamas, Fatah, Muslim Brotherhood, etc.

Und was man stattdessen tun sollte?

Tja, das ist eben die Frage.

Zunächst einmal sollten wir vielleicht wieder lernen, zu streiten. Wir sollten wieder lernen, daß eine Rauferei kein Schwerverbrechen ist. Daß Interessenskonflikte unterschiedlich schwer ausfallen. Manche kann man bei Tee und Gebäck oder traditionell bei einem Bier in der Kneipe ausräumen. Manche dagegen sind nur mit Krieg, notfalls mit einem Weltkrieg, zu entscheiden. Hatten wir gerade erst vor 70 Jahren.

Wie hätte sich ein Europa mit der verträumten Konsenspolitik des heutigen Deutschland wohl damals gegen Hitler gewehrt?
Gar nicht. Weil Gewalt ja bekanntlich nie eine Lösung ist. Und Streit ist doppelplusungut.
Wir entwaffnen uns selbst. Wir infantilisieren uns selbst. Wir machen uns wehrlos und wollen nicht verstehen, warum unsere Feinde unsere Wehrlosigkeit zu ihrem Vorteil nutzen, statt sie sich zum Vorbild zu nehmen.

Und die Linke? Diese politische Möchtegernbewegung, dieser moralisch endgültig verfaulte Rest einer Erneuerungsbewegung, zu der ich mich selbst den bisher größten Teil meines Lebens gezählt habe? Dieser wandelnde Kiffertraum eines Heldentums gegen den Faschismus? Die heutige Linke würde versuchen, Hitlers Eroberungen mit Kapitulation, Selbstentwaffnung und vorauseilender Unterwerfung, schön öffentlichkeitswirksam getarnt als „Verständnis“, „Dialog“ und „Friedenspolitik“, zu stoppen.

Und generell: zu viele unserer Politiker sehen das Vorbild für unsere Gesellschaft und Kultur im Innenleben einer Psychiatrie mit Gesprächskreisen, Kreativbastelrunden, Medikamenten, lückenloser Überwachung und präventiver Fesselung. Und sie selbst sind natürlich die Pfleger. Ausgerechnet all diese gescheiterten Kindergartenerzieher, Grundschullehrer und Anwälte meinen, sie wären diejenigen, die entscheiden könnten, wie ihnen wildfremde Erwachsene leben dürfen, während man von ihnen automatisch Narrenfreiheit bekommt, wenn man nur eine genügend große Anzahl unschuldiger Menschen ermordet.

Gummizellenpolitik.

Das ist das kurzfristige Erkaufen von Macht gegen die Zukunft des Landes.

Wir müssen da mal dringend über etwas reden. Und vor allem sollten wir die rosarote Brille abnehmen und endlich Augen und Maul aufmachen. Solange wir das noch dürfen.

Warum ich das jetzt schreibe? Weil ich heute den Eindruck hatte, daß ich mir nicht alleine Sorgen mache.

Nachtrag: Zettel versucht sich in Psychologie: Marginalie: Über die Gewaltneigung der Friedfertigen. Anmerkung zu einem Text von Califax. Nebst ein wenig Psychoanalytischem für den Hausgebrauch

19 Antworten zu “Wir müssen da mal über etwas reden.”

  1. lowestfrequency sagte

    Bitte doch etwas mehr Differenzierung… Die Hamas ist radikal islamisch (auch wenn selbst die mal in Gaza lange zeit gewaltlose Versuche unternommen haben, palästinensische Interessen zu vertreten… damals hat Israel jegliche Angebote wie das Raushalten von Zivilisten aus rein militärisch geführten Konflikten abgelehnt… Nur um selbst an dem Lack der Hamas ein wenig zu kratzen), die Fatah ist auch islamisch, jedoch nur so konservativ, wie es hierzulande die CDU ist… Also völlig in Ordnung und normal in einem überwiegend muslimisch bewohnten Erdteil…

    Abgesehen davon… bitte nicht solche Übertreibungen… Auch die heutige (deutsche) Linke würde wohl nicht vor Hitler buckeln, wie du es mit „Verständnis“ und „Dialog“ und sogar „Friedenspolitik“ beschreibst… Ich bin ja auch der Meinung, dass die Linke mal einer Erneuerung bedürfte, aber so schlimm isset nu auch wieder nicht…

  2. califax sagte

    Moment, die CDU ordnete also Terroranschläge und Massenmorde in Polen und der Tschechei an? Bildet Kinder zu Massenmördern aus? Ermordet Homosexuelle und politische Gegner?
    Wann denn? Ach, hat sie gar nicht? Nein?
    Was sollen dann diese dummen Lügen? Für wie verblödet halten Sie mich, daß Sie sich nicht einmal minimale Mühe beim Lügen geben?
    Was soll eigentlich schon wieder dieser dumme und dreiste Versuch, diese Mörderbande zu verklären?
    Bleiben Ihnen solche Propagandamärchen nicht selbst im Hals stecken?
    Ekeln Sie sich nicht vor sich selbst dabei?
    Und ist Ihnen eigentlich klar, daß ich in dem Artikel genau über solche Lügner und Schönbeter wie Sie geschrieben habe?

  3. califax sagte

    Zum Heldentum der heutigen Linken noch: Wie deren Verhalten gegenüber einem Hitler aussähe, muß man nicht mutmaßen, denn sie hat es gegenüber Saddam Hussein, Stalin, Mao, etc. zur Genüge bewiesen.

  4. lowestfrequency sagte

    Also bitte… Die heutige Linke ist was anderes als bei Mao und Stalin… Mit Stalin wurde schon in der Sowjetunion gebrochen, nur wenige Jahre nach seinem Tod… Und wenn Sie was gegen Mao haben, müssten sie auch was gegen das China heute haben… Dann könnte man nach ihrer Logik auch sämtliche deutsche Parteien dafür verantwortlich machen, weil die heute noch nicht mit der chinesischen Regierung brechen… Was ein Spaß…

    Abgesehen davon spreche ich von der Politik in Sachen Fatah… rein von der politischen Einordnung… Nicht mehr und nicht weniger… Und von paramilitärischen Ausuferungen war keine Rede…
    Ich verteidige auch nicht irgendwelche Anschläge, für die aber eigentlich die Hamas die Spezialisten liefert… Aber zu irgendeiner Differenzierung sind sie ja wohl auch nicht mehr imstande… Mal ganz abgesehen davon, dass ich aus der CDU schon rassistische, rückständige und teilweise sogar antidemokratische Töne höre… Natürlich nicht in der Deutlichkeit, wie das meinethalben die NPD macht, aber das würde an dieser Stelle auch zu lang…

    Und bitte nicht den Linken auch noch Saddam in die Schuhe schieben wollen… Das waren die Amis… Und das waren auch da nicht die Linken unter unseren transatlantischen Freunden…

    • califax sagte

      Es ging Ihnen zunächst einmal darum, die Fatah in ihrem Konservativismus mit der CDU gleichzustellen. Und das ist eine dumme und dreiste Lüge. Daß die Union Unappetitliches liefert, weiß ich selbst. Aber sie ermordet keine Menschen in den Ostgebieten.
      Das ist der Unterschied, den Sie aus der Welt lügen wollen: Die einen sind konservativ, die anderen sind fanatische Massenmörder.

      Was die Rolle der Linken betrifft: Sie versuchen jetzt auf außenpolitische Diplomatie abzulenken und wissen genau, daß dieses Manöverchen so durchsichtig ist wie Ihre Lügen bezüglich der Fatah.

      Ob es die Verherrlichung der Massenmörder Trotzky und Lenin, die Reinwascherei Stalins, die Verherrlichung von Mao mit T-Shirts, Fahnen und Parolen oder die Unterstützung für Saddam Hussein bei seinem Überfall auf Kuweit ist – die heutige Linke hat in ihrer großen Mehrheit keine Gelegenheit verpaßt, Massenmord, Diktatur und Imperialismus zu feiern und zu unterstützen.
      Und wenn man darauf hinweist – ja, wer ist dann schuld? Na, der Jude natürlich. Und der Ami. Aber doch nicht der Linke in seinem Lenin-T-Shirt mit dem revolutionären Stolz auf Hundert Millionen Tote und jahrzehntelanges bis heute dauerndes Elend.

  5. lowestfrequency sagte

    Es ging mir vor allem darum, auf die zunehmenden politischen Aktivitäten der Fatah hinzuweisen… Ich erwähnte auch schon mal, dass ich Parteiarmeen nicht leiden kann. Allerdings wünsche ich mir schon, dass man einen Unterschied macht zwischen der Fatah heute, die viele Kampfaktivitäten gegen die Hamas führte, was heute, aus Gründen der geographischen Trennung nicht mehr nötig ist. Seitdem hat sich die politische Arbeit schon gestärkt, was ein deutlicher Unterschied zur Hamas ist, die, so verständlich das im Einzelfall auch sein mag, sich im Wesentlichen mit Qassam-Raketen bemerkbar macht, was ich in keiner Weise gutheiße…

    Und bezüglich der Linken: Ich versuche überhaupt nicht abzulenken… Dass Lenin, Stalin und Mao sich den Kommunismus auf die Fahnen schrieben (und in dessen Namen Menschenrechtsverbrechen begingen) ist nicht wegzudiskutieren; das versuche ich auch nicht. Aber bei Saddam hört’s auf. Den haben die Amerikaner eingesetzt, was sich bei der Iran-Contra-Affäre dann irgendwie schlecht entwickelt hat. Dass es diverse Leute gibt, die sich als Links bezeichnen und dann mit Stalin-, Mao- oder Che-Shirts durch die Gegend rennen, bezweifle ich nicht, auch wenn ich der Meinung bin, dass die Hälfte davon keine Ahnung hat. Aber hören Sie doch bitte auch auf bei den Linken den Dreck auszugraben, den ich bei allen anderen Seiten auch finden könnte. Klar gab es auch wieder selbsternannte Linke, die Saddam gutfanden, weil sie die USA nicht mochten. Ganz nach dem Schema „Die Feinde unserer Feinde sind unsere Freunde.“ Aber das war bei den Amerikanern im 2. Weltkrieg nicht anders, oder meinen Sie, die Amerikaner mochten die Sowjets so besonders? Meinen Sie, die Finnen fanden es so unglaublich romantisch, dass die deutschen Waffenbrüder nette Feuer in den Krematorien machten? Das war in gewisser Weise opportunistisch, weil man sich irgendwie verteidigen wollte, und man kann sich natürlich fragen, wie weit das gehen darf. Aber lenken Sie doch nicht von wirklich wichtigen Fragen ab, und verzetteln sich dann an hirngeschädigten 15-Jährigen, die es für links halten, mit Che-Shirts rote Sterne überall hinzusprayen… Das ist nicht links, sondern dumm; und außerdem Sachbeschädigung…
    Ich bin auch nicht stolz auf Millionen Tote… Aber ich bin auch nciht dafür verantwortlich, weil ich in keiner Weise irgendeinen Massenmord rechtfertige. Aber Sie hören sich auch an, als schlügen Sie sich grad auf die Seite der Juden und Amerikaner… ich könnte mit gleicher Logik argumentieren, dass diese Seiten auch für Millionenfachen Tod verantwortlich waren. Dabei müsste ich natürlich, wie Sie, auch vernachlässigen, dass es auf allen Seiten Leute in diesen Gruppen gab, die sich gegen Verbrechen gestellt haben und trotzdem an die Grundidee geglaubt haben.

    Um diese Differenzierung ging es mir auch…

    P.S.: Ich habe nie ein Che-Shirt, oder eins mit Hammer und Sichel besessen, geschweige denn getragen…

    • Natriumglutamat sagte

      Es war schon ein massiver Fehler des Westens, sich auf Arafat einzulassen. Neben dem grandiosen Sumpf aus Vetternwirtschaft und Korruption, den er praktiziert und damit die Hamas erst möglich gemacht hat, war das das falscheste Signal, das man den Palästinensern hätte senden können: „he, schaut her, der Terrorismus lohnt sich“ und „wer genug Menschen ermordet, wird nicht mehr bekämpft, sondern zu Verhandlungen eingeladen“. Wer mit Terroristen redet, stärkt ihre Position und bestärkt sie in ihrem Tun. So wie Sie, Lowestfrequency, indem Sie einfach über die blutige Vergangenheit hinweggehen und „zunehmende politische Aktivitäten“ diagnostizieren wollen — was auch immer Sie dazu treibt.

  6. lowestfrequency sagte

    Naja, mit Israel zu reden, ist für den Frieden auch nicht gerade klug. So viele Scharfmacher, wie da in Militär und Geheimdiensten sitzen, sind die in meiner Bewertung genauso abzulehnen wie Terrororganisationen. Sie sind nur in dem Fall besser durch internationale Diplomatie geschützt.

    Wie ich schon sagte, ich mag keine Form von Gewalt und bezüglich der Bewertung von Arafat kann ich auch nicht leugnen, dass Sie (Natriumglutamat) durchaus richtige Punkte genannt haben. Aber wenn Sie heute ins Westjordanland schauen, dann werden Sie nicht mehr feststellen können, dass aus dem Fatah-kontrollierten Gebiet stündlich Raketen Richtung Jerusalem fliegen.

    Außerdem, das geht jetzt an den Blog-Autor, hören Sie auf, mir Sachen zu unterstellen. Wenn Sie meinen, ich wär Milli Görüs-Anhänger, muss ich Sie leider enttäuschen. Das ist mal etwas völlig anderes.

    • califax sagte

      Ja, daß man auf Hinweise auf den Charakter einer Terrororganisation um jeden Preis irgendeinen Juden aus dem Hut zaubern muß, der angeblich genauso schlimm wäre, gehört zum Beißreflex des modernen Linken ja dazu. Was wäre die Welt, wenn man nicht unter jedem Stein bei jedem Anlaß flux einen verbrecherischen Juden plazieren könnte, gelle? ;)

      Übrigens habe ich Ihnen bzgl. MG überhaupt nichts unterstellt. Ich hab Sie noch nicht einmal im selben Zusammenhang erwähnt.
      Nur Ihr schon sehr gut trainierter Opferreflex ist angesprungen. Sie müssen halt lesen, was man schreibt, nicht, was durch Ihre Scheuklappen paßt.

  7. immervorwaerts sagte

    Zunächst einmal sollten wir vielleicht wieder lernen, zu streiten. [...] Daß [manche] Interessenskonflikte [...] nur mit Krieg, notfalls mit einem Weltkrieg, zu entscheiden [sind]. Hatten wir gerade erst vor 70 Jahren.

    allein dieser satz ist wunderbares musterbeispiel für revisionismus und relativierung. ich sag mal: rechte ecke.

    bitte gehen sie weiter…

    • califax sagte

      Ach, wo soll man bei einem so wunderschönen Beispiel an Dummheit und Bildungsversagen nur anfangen?

      Also erstmal: Was Sie da zusamenzitieren sind mindestens 3 (in Worten drei) Sätze. Wobei Sie ganz unnötigerweise 6 (in Worten sechs) Sätze zusammenschneiden, so daß aus dem scheinbaren Zitat eine Kreation Ihrerseits wird. Das üben wir nochmal. Mit sowas fällt man nämlich glatt durch.

      Weiterhin: Wie der Verweis auf die Vernichtung des Dritten Reiches ein Beispiel für Revisionismus und Relativierung sein soll, haben Sie leider nicht aufgezeigt. Könnten Sie auch gar nicht. Weder intellektuell noch anhand des Textes. Sie müßten dann versuchen, darzulegen, daß anders als von mir behauptet, das Dritte Reich nicht durch Krieg zerschlagen wurde. Und das wäre Revisionismus. Daß Ihnen das nicht selbst aufgefallen ist, macht Ihren Kommentar eigentlich erst so wunderschön.
      Aber immerhin: Der linke Diffamierungsreflex ist vorbildlich ausgeprägt. Man muß noch nicht einmal mit dem Knochen wedeln.

      Text nicht verstanden, Geschichtswissen nicht vorhanden, unfähig zur schlüssigen Argumentation, haut sich den argumentativen Totschläger dabei vor lauter Dummheit selbst in die Eier, unwiderstehlicher Drang, Andersdenkende als „Rechte“ hinzustellen, was ja wohl der Hoffnung auf einen feinen Rufmord entspringt…

      Ich werde ihren Kommentar dankbar als Beispiel in Seminaren benutzen.

      • immervorwaerts sagte

        stimmt, auf argumentation hab ich gänzlich verzichtet und nur polemisiert. was aber auch völlig zulässig ist, immerhin sind sie ja an einer inhaltlichen auseinandersetzung zu ihren schreiberischen ausfällen nicht interessiert. das haben sie – nun unmissverständlich – klar gemacht.

        ihre unterstellungen und ihr unsachliches ad-personam-geschimpfe legen darüber hinaus nahe, dass sie offensichtlich eine sehr emotional-feindselige beziehung zu linken positionen pflegen.
        ob meine position eine solche ist, ist aus meinem kleinen satz zwar nicht deutlich geworden (schließlich kann ich auch als csu-wählerin relativierende positionen verurteilen), aber warum ein ziel erkennbar ins auge fassen, wenn es sich doch so prima imaginieren kann. nicht wahr?

  8. lowestfrequency sagte

    @Califax: Könnten sie, wenn sie schon andere Leute der Diffamierung bezichtigen, auch mal selbst damit aufhören? Wenn wir gerade über den Nahost-Konflikt reden, dann ist es nur folgerichtig, dass ich auf der einen Seite die Fatah und die Hamas nenne und auf der anderen Seite Israel. Was ist daran antisemitisch? (Oder meinten sie das nicht mit „um jeden Preis irgendeinen Juden aus dem Hut zaubern muß, der angeblich genauso schlimm wäre?“) Wenn wir über den Konflikt diskutieren, dann hat das nicht mit Antisemitismus zu tun, beide Seiten zu nennen und zu kritisieren für die Fehler und Verbrechen, die beide Seiten begangen haben.

    Das, was sie hier vollführen, ist Diffamierung höchsten Grades und darüber hinaus noch völlig verblendet, weil sie nur die andere Seite dessen sind, was ich in ihren Augen bin. Jemand, bei dem jede Nennung eines israelischen Fehlers gleich antisemitisch ist. Ich will eine Diskussion, in der alles auf den Tisch kommt, und wenn eine Beitrag wie dieser nur eine Seite nennt, nenne ich halt die andere. Dass dann dort für sich genommen ein Ungleichgewicht herrscht ist klar, aber insgesamt kommt dann mal ein Gleichgewicht heraus. Und dass ich keine Mörder mag, sagte ich mehrfach.

    Aber dass das neben anderen auch israelische Politiker und weitere Verantwortliche für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen einschließt, passt durch ihre Scheuklappen wohl nicht durch.

    • califax sagte

      Eben. Wenn man Massenmörder als Massenmörder bezeichnet, zaubern Sie reflexartig einen Juden aus dem Hut. Es scheint Ihnen unerträglich zu sein, die totalitäre und mörderische Natur einer auf Judenvernichtung aufgebauten Diktatur erwähnt zu sehen, ohne sofort dafür den Juden die Schuld geben zu müssen.
      Wie Sie diese Obsession bezeichnen, überlasse ich Ihnen.

      Antisemitismus habe ich Ihnen mit Absicht nicht an den Kopf geworfen. Aber daß sie eine Demokratie mit einer mörderischen auf Judenvernichtung aufgebauten Diktatur gleichsetzen wollen, Massenmord, Kriegstreiberei, Volksverhetzung und brutalste viehischste Unterdrückung durch reflexhaftes Israelbashing zu relativieren suchen, das werfe ich Ihnen ja nicht einmal eigenständig vor – Denn das liest man in dem, was sie schreiben. Es kommt aus Ihrer eigenen Feder.

      Wenn Sie aber mit Ihren eigenen Ansichten nicht klarkommen, wenn Ihnen selbst schon auffällt, daß das, was sie da schreiben, kein gutes Licht auf Sie wirft, ja das es gar in Ihren Augen eine „Diffamierung“ ist, zu erwähnen, was Sie da schreiben – Warum tun Sie es dann?

      Gehört das Ihrer Meinung nach unbedingt zum Linkssein dazu? Dieses ständige Beschönigen von Mord und Unterdrückung? Dieses ständige Gleichsetzen von moderner Demokratie und mittelalterlicher Sklaverei, von passionierten Judenschlächtern und jüdischer Terrorbekämpfung?

      Kurz: diese ganze moralische Verkommenheit, die eben das Problem der heutigen Linken ist?

      Nachtrag: Wie wäre es mal mit einer Neubesinnung in der Linken? Dazu müßte man erstmal auf den Boden der Wirklichkeit zurückfinden und diverse Lebenslügen wegwerfen.
      Man müßte erstmal anerkennen,

      – daß Tyrannei, egal ob rot, braun oder grün, das Leben eben nicht verbessert, sondern üblicherweise stark verkürzt.
      – daß Sklaverei, Frauenunterdrückung, Kinderhinrichtungen und die gezielte Ermordung von Unschuldigen mit Terroranschlägen keine unterstützenswerte Folklore symphatischer Exoten ist sondern grausame und jedem menschlichen Ideal widersprechende Verbrechen.
      – daß es keine Frage von Rasse oder Religion ist, ob man in Frieden und Freiheit leben kann. Ob man „schon soweit entwickelt“ ist.
      - daß es einen deutlichen moralischen Unterschied gibt zwischen einem demokratischen Rechtsstaat, der seine Bürger beschützt und seine Kriegsverbrecher verfolgt, und einem totalitären System, daß die Ermordung von Kindern mit Jubelparaden feiert und die eigene Bevölkerung in Dreck und Krieg verrecken läßt.
      – daß es keine passende Verteidigung für Verbrecher ist, zu jedem Verbrechen irgendeinen Juden aus dem Hut zu zaubern, der mal irgendwo, irgendwann ein Verbrechen begangen haben könnte.
      – daß Terroranschläge kein legitimes Mittel der Auseinandersetzung sind. Auch nicht, wenn sie politischen Gegnern gelten.
      – daß die Errichtung einer Diktatur keine Heldentat sondern ein Verbrechen ist. Und zwar auch dann, wenn der Diktator eine rote Fahne hißt und stundenlang von Revolution schwafelt.
      – daß nicht nur Massenmörder und Sklavenhalter ein Recht auf militärische Verteidigung und Rüstung haben, sondern auch demokratische Rechtsstaaten.

      Das wäre ein Anfang. Eine Neubesinnung auf Freiheit, auf Verbesserung der Lebensbedingungen, auf universale und weltweit gültige Menschenrechte unabhängig von Nation, Geschlecht, Glauben und Abstammung.
      Auf all das, was die Linke bei ihrer Enstehung in der Aufklärung mal anstrebte und seit der Französischen Revolution mit sovielen Verbrechen als „bürgerlich“ bekämpft.
      Wie wäre es damit?

  9. lowestfrequency sagte

    @Califax: Was sie da als Ziele nennen, hätte auch von mir kommen können. Über die Frage, was links ist, und was Linke erreicht haben, ist ihr Bild offensichtlich absolut verzerrt, wenn man bedenkt, dass mir alleine die Sozialdemokratie einfällt, die GEGEN das bürgerliche Lager ein (der Zeit entsprechend) menschenwürdiges Leben für Arbeiter Anfang des 20. Jahrhunderts erkämpfte… Oder Teile des heutigen bürgerlichen Lagers, die heute wieder offen die Einführung der Folter für bestimmte Situationen fordern. Aber das ist ja anscheinend nicht so schlimm, das fördert bestimmt die Freiheit… Zu nüchternen Diskussionen sind Sie offensichtlich nicht in der Lage.

    Im Übrigen haben Sie mir vorgeworfen, ich würde „um jeden Preis einen Juden aus dem Hut zaubern“, der irgendwelche Verbrechen anderer relativiert. Mit anderen Worten: Antisemitismus. Sie waren nur zu feige, das Wort selbst zu benutzen. Aber ich mag mich auch eigentlich nicht vor ihnen rechtfertigen, dafür dass ich nicht nur wie ein aufgehetzter Köter die Hamas zerfleische, sondern auch mal anschaue, was Israel auch zu verantworten hat.

    Allgemein werde ich mich wohl etwas aus fruchtlosen Diskussionen zurückziehen… Mit der Borniertheit in Person oder sonstigen Idioten zu diskutieren, erfüllt nicht ganz meine Ansprüche…

    • califax sagte

      Lowestfrequency: Lesen Sie halt selbst noch einmal nach, was Sie geschrieben haben. Was ist Ihnen dazu eingefallen, daß man islamistische Massenmörder nicht unterstützen sollte?
      Eben.
      Wenn Sie selbst diese Haltung, die Sie annehmen, und die ich Ihnen vorhalte, als antisemitisch betrachten, wäre es für Sie vielleicht mal an der Zeit, mal ganz ruhig darüber nachzudenken.
      Sind Sie noch in der Lage, irgendein Thema wie beispielsweise den religiösen Terror der Hamas zu diskutieren, ohne die Diskussion sofort auf echte oder vermeintliche Juden und deren Taten zu lenken?
      Können Sie das noch?

      Was die SPD betrifft: Deren Leistungen in der Kaiserzeit und während der Weimarer Republik weiß ich durchaus zu würdigen. Aber es war die heutige SPD, die sich ziemlich endgültig davon verabschiedet hat und jetzt unbedingt mit den Leninisten koalieren will. Abgesehen davon, daß auch die sozialdemokratischen Marxisten eben Marxisten, und damit Sklavenhalter, sind und immer waren.

      Drittens: Was haben Sie jetzt plötzlich mit den Idioten aus dem bürgerlichen Lager? Ist das dieser antrainierte Reflex? Wenn man die antisemitischen Massenmörder kritisiert, sind die Juden schuld. Und wenn man die antibürgerlichen Scheuklappen der Linken kritisiert, sucht man sich die dümmsten Exemplare heraus, um auf die Kritik nicht eingehen zu müssen?
      Wer hat wohl mehr gefoltert? Die USA unter Bush oder die linken Idole von Che Guevara über Ho Chi Minh bis Mao?
      Tja, auf einmal ist das doch plötzlich eher eine Frage der Konflikte und der Verbrecheranzahl, ne?
      Folter ist leider keine Frage der Weltanschauung. Alle haben diese Sorte von Sadisten, die ihre Ohnmacht durch Brutalität kompensieren wollen.

      Übrigens gibt es ja für das, was eine moralisch auferstandene linke Szene sein könnte, durchaus ein Beispiel: Jungle World.
      Aber für soetwas muß man wenigstens zeitweise aufhören, geerbte Sündenböcke zu jagen und stattdessen mal jenseits von rassischen, ethnischen und ständischen Vorurteilen denken.

  10. lowestfrequency sagte

    Das Einzige, bei dem ich verstehen kann, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe, war der Vergleich der Fatah mit der CDU. Dass ich damit aber nur den politischen Teil meinte, habe ich schon ausgedrückt, also NUR die Einordnung im politischen Spektrum. Dass die Fatah auch paramilitärische Ausfälle hatte (im Unterschied zur CDU), weiß ich. Nur ist es um die Fatah mittlerweile recht ruhig geworden, seitdem sie keinen Krieg mehr mit der Hamas führt – das unterscheidet sie von der Hamas, Israel immer noch gerne beschießt. Und daher war diese Unterscheidung auch nicht so abwegig – die Fatah hat mittlerweile definitiv größeres politisches Engagement (auch wenn das, das möchte ich ausdrücklich feststellen, nicht immer so war – die Al-Aqsa-Brigaden waren eine Parteiarmee; aber dass ich die im Allgemeinen strikt ablehne, sagte ich auch schon).

    Ansonsten haben sie anscheinend nicht genug im Hirn, um den Unterschied zwischen „Sie werfen mir Antisemitismus vor“ und „Ich nehme selbst meine Position als Antisemitismus an“ zu erkennen. Darüberhinaus argumentieren sie im dümmster Art und Weise, nämlich der „die heutige Linke würde…“ mit beliebigem Anhängsel von Massenmord. Dass man das wunderbar umdrehen kann, und einfach nichts davon bewiesen ist, fällt ihnen gar nicht auf. Müssen Sie irgendwie persönliche Beleidigungen vorschieben, weil sie sonst argumentativ nichts können?
    Dass ich nach mit vom Thema Arafat (das nicht von mir kam), auf das Thema Nahost-Konflikt allgemein kam, war wohl nicht unlogisch und auch wenn es ihnen nicht passt, es gibt Fanatiker auf beiden Seiten. Das habe ich gesagt. Dass es da halt Israel auf der anderen Seite ist, ist völlig unerheblich für mich, aber Sie lasen daraus, dass ich ja unbedingt einen Juden aus dem Hut ziehen müsste, mit dessen Taten ich irgendetwas relativieren kann (was ich im übrigen gar nicht getan habe, das bilden sie sich in ihrem reaktionären, rechten Bild ja nun gerne ein). Auch eine Form der Fixierung, die Sie mir danach ja auch vorgeworfen haben.

    Aber da von ihnen außer Beleidigungen und absolut unbegründeten Thesen nichts kommt, bin ich hier fertig. Begründung siehe meinen letzten Kommentar.

    Kriegsgeilheit…

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