Gerade auf 3Sat: Eine liebe, nette Lehrerin, sicher früher immer eine artige Schülerin gewesen und ihrem Benehmen nach aus dem Bildungskleinbürgertum, wird von den pubertierenden Schülern ihrer Klasse erfolgreich ignoriert. Kommt auch gar nicht auf die Idee, sich durchzusetzen. Es geht darum, wer wen gehauen hat.
Nach der Stunde ist sie nah am Wasser gebaut und reichlich frustriert. Sie klagt, daß sie praktisch nichts von ihrem Unterrichtsstoff geschafft hat, daß das soziale Klima immer rauher werde (zu erkennen am rauhen Tonfall der Teenager), daß sie am Anfang einer Stunde immer Zeit für die Lösung von Konflikten verliere, die mit dem Unterricht nichts zu tun hätten.
Eine symphatische, nette, junge Frau. Intelligent, hübsch, motiviert.
Ich würde der Frau kündigen. Sie ist für den Job nicht geeignet und wird nur früher oder später eine Therapie brauchen.
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Stammt sie entweder aus dem falschen sozialen Milieu, nämlich einem völlig anderen als ihre Schüler oder leidet sie unter massivem Realitätsverlust, wenn sie den stetig rauheren Tonfall der sozial bunt gemischten Teenager auf das gesellschaftliche Klima zurückführt.
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Wer wen wann gehauen hat, spielt im Unterricht keine Rolle. Wenn ein Schüler das ausdiskutieren will, kann er das außerhalb des Unterrichts tun. Am besten allein in einem Zimmer mit der Wand. Das muß man eben durchsetzen. Auch, indem man Schüler aus der Klasse schmeißt.
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Ein brauchbarer Lehrer wartet nicht darauf, daß die Teenager ihm gnädigerweise erlauben, den Unterricht fortzusetzen. Wer das tut, unterwirft sich den Hormonen einer Horde junger Machtmenschen und wird vorgeführt und gedemütigt, bis es den Teenagern langweilig wird. Das kann lange dauern, wie die Beispiellehrerin in dem Fernsehbeitrag erfahren durfte. Ein Lehrer macht Unterricht und prüft das Wissen der Schüler. Punkt.
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Wenn der Tonfall der Schüler bei Anwesenheit des Lehrers immer rauher wird, zeigt das den schwindenden Respekt gegenüber dem Lehrer an. Teenager, sofern sie nicht zu den wenigen Benimmstrebern gehören, fluchen, schimpfen und beleidigen ständig und mit sehr viel Spaß. Sie wissen nämlich überraschenderweise, daß man das nicht tun soll. Deshalb macht es ja soviel Spaß. Und sie alle haben gelernt – ja, auch die Jungtürken aus dem Ghetto – , Erwachsenen mit Respekt zu begegnen und bestimmte Dinge in Anwesenheit Erwachsener nicht zu tun oder zu sagen. Der stetig rauher werdende Tonfall ist also kein Anzeichen gesellschaftlicher Veränderungen sondern zeigt das Versagen des Lehrers an. Diese Lehrerin im Fernsehbeitrag wurde von den Schülern nicht mehr als Erwachsene und schon gar nicht als Autoritätsperson wahrgenommen. Sie hat versagt und muß sich jetzt ihre Arbeitsschritte von den Schülern genehmigen lassen.
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Wenn quasselnde, störende, herumtobende Schüler nach der Stunde nicht wissen, was der Lehrer vorne an der Tafel erklärt hat, bekommen sie in der Leistungskontrolle am Anfang der nächsten Stunde eben eine 5 oder eine 6. Es ist nicht die Aufgabe (und gar nicht in der Macht) des Lehrers, lernunwillige Schüler zu einer guten Note zu schleifen. Das können die Schüler von ganz alleine. Sie müssen nur merken, daß da eine Wand ist, die sie mit ihrem Kopf nicht einrennen können. Dafür sind schlechte Noten gemacht. Man muß sie auch vergeben. Der Lehrer erklärt in der Stunde, was er sich in der Stunde vorgenommen hat. Wer stört, fliegt raus und kassiert dann eben eine 6.
Der ganze Beitrag war vollgestopft von typischen Lehrerfehlern. Ein hilfloser entmutigter Lehrer: „Und dann wird man ja auch leicht genervt. Und das will ich ja auch nicht.“ Das war seine Reaktion auf rüpelhaftes Verhalten seiner Schüler. Nur nicht nerven lassen. Alles erdulden. Ein Opferlamm. Und nach Tonfall, Mimik und Aussagen in diesem Fernsehbeitrag zu urteilen, ist er für seine pubertierenden Schüler vor allem eines: eine feige, weinerliche Memme. Eine Heulsuse. Ein Fußabtreter. Ungefährlicher Blitzableiter, Dartscheibe, Schießbudenfigur, Prügelknabe, …
Diese Rolle hätte ihm erspart bleiben können, wenn er öfter mal genervt reagiert und sich durchgesetzt hätte. Aber stattdessen hat sich wohl nicht einmal zur Wehr gesetzt.
Ein anderes Beispiel: Ein paar Schüler stören und rebellieren im Unterricht. Die Lehrerin quäkt nach längerer Zeit, in der ihr niemand zuhört, mit weinerlicher Stimme: „Ich krieg langsam jetzt ein bißchen schlechte Laune.“ Ooooch! Selbstdemontage eines Erwachsenen.
Dann versucht wieder die Lehrerin vom Anfang des Beitrags im Bus auf dem Rückweg von einer Schulexkursion einem wohl herumrüpelnden das Handy wegzunehmen: „Gib mir jetzt das Handy!“ – Schüler: „aber ich (unverständlich)“ – Lehrerin: „ist egal aber nicht so. Gut.“ Schüler behält sein Handy und macht ungerührt weiter. Was war nochmal nach Auffassung dieser Lehrerin der Grund dafür, daß die Schüler keine Disziplin zeigen? Das soziale Klima.
Den ganzen Beitrag hindurch ließen sich die Erwachsenen Beleidigungen, Provokationen und durchsichtige Machtspiele demütig gefallen. Einmal nur wurde ein Junge sanktioniert, weil er seine Banknachbarin gehauen hatte. Er mußte sich an einen einzeln stehenden Tisch setzen und schickte dafür eine saftige Beleidigung in Richtung der Lehrerin, was ihm sofort unter den Schülern Respekt verschaffte. Die Lehrerin meinte wohl Überlegenheit zu demonstrieren, indem sie sich das gefallen ließ. Tatsächlich hat sie sich damit erneut in der Rolle als Zielscheibe für ungestrafte Beleidigungen bestätigt und den Jungen für seine Respektlosigkeit belohnt.
Der Kommentar im Off war teilweise unfreiwillig komisch. So beklagte man, daß die Schüler sich auf dem Heimweg von der Naturexkursion nicht über ihre Erfahrungen austauschten sondern Videogames spielten. Was hatten diese Fernsehtrottel denn erwartet? Eine Fachtagung 12jähriger Biologen? Und natürlich war das soziale Klima immer schuld. Und psychologische Hilfe für die Kinder war auch ganz wichtig.