The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Archiv für März 2009

Irrenhaus

Geschrieben von califax am Dienstag, 31. März 2009

Es ging ja durch die Presse. Somalische Piraten haben ein Versorgungsschiff der Deutschen Marine beschossen und wollten es aufbringen. Ein bewaffneter Angriff, mit Kriegswaffen ausgeführt. Versuchter Raub, versuchte Geiselnahme, versuchte Erpressung. Ziel: Ein deutsches Kriegsschiff.

Die Piraten wurden aufgebracht und…

Tja. Ein amerikanischer Blogger bringt den kürzesten und treffendsten Kommentar:

That last sentence is troubling. Imagine a world where a boat can open fire on a German warship, and they have to actually stop and ponder whether or not there will be a legal prosecution of the incident.

(Dieser letzte Satz macht mir Sorgen. Stell Dir vor, ein Boot kann das Feuer auf ein deutsches Kriegsschiff eröffnen, und die müssen allen Ernstes innehalten und ausklamüsern, ob man das strafrechtlich verfolgen will.)

Siehe Überschrift: Irrenhaus. Derweile bereiten unsere Herren und Damen Abgeordneten in  ihrer Wahlkampfpanik mal weitere gesetzliche Regelungen zur noch gründlicheren Entwaffnung der eigenen Bevölkerung vor. Ist ja auch ungefährlicher, nicht wahr?

Nachtrag:

Falls der Vorfall in der Presse keine Wellen schlägt (schließlich ist Wahllkampf, wen interessiert da schon die Sicherheit von Seeleuten und Soldaten), kriegt man Probleme, zu erfahren, was da los war. Hier gibt’s einen Bericht von Soldatenglück. (Für diesen Blognamen gehört der erschossen ausgepeitscht mit Formularen beworfen.)

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Fernsehlektüre

Geschrieben von califax am Dienstag, 31. März 2009

Jetzt hatte ich das solange im Hintergrund, daß ich nicht mehr weiß, wo ich’s herhab. Mist. Auf jeden Fall ist es eine sehr lesenswerte Serie zum Thema Fernsehen – Qualität, Zukunft, Nutzer – , wobei ich den dritten Teil am lesenswertesten finde.

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Freizeitsoldaten

Geschrieben von califax am Samstag, 28. März 2009

Gerade macht der Jahresbericht 2008 des Wehrbeauftragten die Runde. Im Radio wurde fleißig zitiert. Es ist mal wieder eine Breitseite gegen die Wehrpolitik der Regierung. Miserable Ausstattung, kafkaeske Wehrverwaltung, idiotische Rüstungspolitik, miese Karrierechancen, Personalmangel bei den Profis, …

Geopowers hat uns allen den großen Gefallen getan, ein schönes PDF zu verlinken. Es ist der einleitende Kurzvortrag des Wehrbeauftragten bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahresberichts.

Und da bin ich nach vielem, was ich durch den Buschfunk eh schon „wußte“ auf etwas gestoßen, was die nicht sehr schmeichelhaft gemeinte Überschrift dieses Kommentars provoziert hat:

Ein letztes Beispiel aus Köln-Wahn zum Thema „Vereinbarkeit von Familie
und Dienst“. In der Kaserne befindet sich bereits seit 1969 eine Kindertagesstätte für rund 80 Kinder. Diese KITA ist für Soldaten und zivile Mitarbeiter eine wesentliche Einrichtung, die die Vereinbarkeit von Familie und Dienst überhaupt erst ermöglicht. Einst aus einer Elterninitiative heraus entstanden, ist heute das Diakonische Werk Träger der Einrichtung.
Als Eigentümerin des Gebäudes erhält die Bundeswehr jährlich 50.000 Euro Miete für die Tagesstätte. Wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage muss der Kirchenverband jetzt seine Bezuschussung nach und nach reduzieren. Deshalb wäre es naheliegend, wenn die Bundeswehr auf die Miete verzichten würde, was das Ministerium nunmehr endgültig ablehnte. Auch dies kein Ruhmesblatt für eine moderne Armee.

Liebe Leute bei der Diakonie, liebe Soldaten, liebe Bundeswehrverwaltungsangestellte, ich möchte es kurz machen:

Hat man Euch ins Gehirn geschissen?!

Wer denkt sich solchen Blödsinn aus?

Eine Kaserne ist eine militärische Einrichtung. Sicher, Deutschland hat keine Feinde.   Nirgends. Und noch nie in Deutschland. Deutsche Soldaten sowieso nicht. Niemand ist jemals auf die Idee gekommen, eine Bundeswehrkaserne zu überfallen. Soldat? Was hat das mit Krieg zu tun?

Liebe Leute bei der Diakonie, liebe Soldaten, liebe Bundeswehrverwaltungsangestellte, was ist denn Eure nächste Idee? Eine Frühchenstation in der Luftabwehrstellung? Familienurlaub im Auslandseinsatz in Afghanistan?

Schonmal was von der Trennung von militärischen und zivilen Einrichtungen gehört? Jemals über den Sinn dieser kriegsvölkerrechtlichen Forderung nachgedacht?

Sicher ist es notwendig, Kinderbetreuung so zu organisieren, daß sie für Soldatenfamilien überhaupt nutzbar ist. Aber Kinder, und schon gar nicht Kleinkinder, gehören nicht in die Kaserne.

Weil, manche Klischeegourmets mögen ja glauben, Bundeswehr hätte mit Militär nicht so viel zu tun, Kasernen nunmal bevorzugte und legitime Angriffsziele sind.

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Wer nicht spart zur rechten Zeit…

Geschrieben von califax am Freitag, 27. März 2009

Für Papiere im Wert von 2,5 Milliarden Euro konnte die britische Finanzagentur Debt Management Office nicht genügend Abnehmer finden. Es war die erste gescheiterte Versteigerung seit sieben Jahren. Um sich das Geld doch noch am Markt zu besorgen, sahen sich die Insulaner gezwungen, die Anleihen mit einem Inflationsschutz zu versehen. Bei diesen Papieren bekommen Investoren die Teuerungsrate durch höhere Zinsen ausgeglichen.

Die gescheiterte Auktion der Briten ist ein Zeichen dafür, dass es für Staaten immer schwieriger wird, die milliardenschweren Ausgabenprogramme zu finanzieren. Da die laufenden Steuereinnahmen bei weitem nicht ausreichen, sind sie auf den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle angewiesen. Dabei konkurrieren die Länder auch untereinander, da derzeit alle Staaten einen enormen Geldhunger haben.

Das Überangebot an Regierungsanleihen bringt die gesamte Architektur der Staatsfinanzierung ins Wanken. Schwächeren Nationen droht die Überschuldung, weil sie für ihre Papiere keine Abnehmer finden oder aber horrende Risikoaufschläge zahlen müssen.

Aber nicht nur drohende Staatsbankrotte machen den Investoren das Leben schwer. Auch die Interventionen der Notenbanker am Markt für Regierungstitel vergrößern die Unsicherheit. Mit Ausnahme der Europäischen Zentralbank haben sämtliche wichtige Notenbanken der Welt angekündigt, in großem Stile Staatsanleihen zu kaufen. Allein die Fed will hierfür 300 Milliarden Dollar einsetzen. Ziel ist es, die Zinsen der Staatstitel trotz der Rekordemissionen niedrig zu halten.

Für Anleger hat das die unangenehme Begleiterscheinung, dass der Marktmechanismus aus Angebot und Nachfrage außer Kraft gesetzt wird und sie nicht mehr nachvollziehen können, wie die Preise zustande kommen. Viele Anleger sind inzwischen mehr damit beschäftigt, die zukünftigen Handlungen der Notenbanken zu antizipieren als auf Konjunktursignale zu achten. Sollte aber plötzlich die Konjunktur anspringen und die Notenbanker die Käufe einstellen, könnte es zu einem Crash am Markt für Staatsanleihen kommen.

Experten raten daher klassischen Sparern davon ab, langlaufende Staatstitel zu erwerben. Wer Zinstitel haben wollte, sollte lieber Laufzeiten von bis zu drei Jahren wählen. Denn deren Kurse schwanken nicht so stark.

(Quelle: Welt – Länder bleiben auf ihren Staatsanleihen sitzen)

Kein Kommentar…

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Bildungsmisere

Geschrieben von califax am Freitag, 27. März 2009

Gerade auf 3Sat: Eine liebe, nette Lehrerin, sicher früher immer eine artige Schülerin gewesen und ihrem Benehmen nach aus dem Bildungskleinbürgertum, wird von den pubertierenden Schülern ihrer Klasse erfolgreich ignoriert. Kommt auch gar nicht auf die Idee, sich durchzusetzen. Es geht darum, wer wen gehauen hat.

Nach der Stunde ist sie nah am Wasser gebaut und reichlich frustriert. Sie klagt, daß sie praktisch nichts von ihrem Unterrichtsstoff geschafft hat, daß das soziale Klima immer rauher werde (zu erkennen am rauhen Tonfall der Teenager), daß sie am Anfang einer Stunde immer Zeit für die Lösung von Konflikten verliere, die mit dem Unterricht nichts zu tun hätten.

Eine symphatische, nette, junge Frau. Intelligent, hübsch, motiviert.

Ich würde der Frau kündigen. Sie ist für den Job nicht geeignet und wird nur früher oder später eine Therapie brauchen.

  1. Stammt sie entweder aus dem falschen sozialen Milieu, nämlich einem völlig anderen als ihre Schüler oder leidet sie unter massivem Realitätsverlust, wenn sie den stetig rauheren Tonfall der sozial bunt gemischten Teenager auf das gesellschaftliche Klima zurückführt.

  2. Wer wen wann gehauen hat, spielt im Unterricht keine Rolle. Wenn ein Schüler das ausdiskutieren will, kann er das außerhalb des Unterrichts tun. Am besten allein in einem Zimmer mit der Wand. Das muß man eben durchsetzen. Auch, indem man Schüler aus der Klasse schmeißt.

  3. Ein brauchbarer Lehrer wartet nicht darauf, daß die Teenager ihm gnädigerweise erlauben, den Unterricht fortzusetzen. Wer das tut, unterwirft sich den Hormonen einer Horde junger Machtmenschen und wird vorgeführt und gedemütigt, bis es den Teenagern langweilig wird. Das kann lange dauern, wie die Beispiellehrerin in dem Fernsehbeitrag erfahren durfte. Ein Lehrer macht Unterricht und prüft das Wissen der Schüler. Punkt.

  4. Wenn der Tonfall der Schüler bei Anwesenheit des Lehrers immer rauher wird, zeigt das den schwindenden Respekt gegenüber dem Lehrer an. Teenager, sofern sie nicht zu den wenigen Benimmstrebern gehören, fluchen, schimpfen und beleidigen ständig und mit sehr viel Spaß. Sie wissen nämlich überraschenderweise, daß man das nicht tun soll. Deshalb macht es ja soviel Spaß. Und sie alle haben gelernt – ja, auch die Jungtürken aus dem Ghetto – , Erwachsenen mit Respekt zu begegnen und bestimmte Dinge in Anwesenheit Erwachsener nicht zu tun oder zu sagen. Der stetig rauher werdende Tonfall ist also kein Anzeichen gesellschaftlicher Veränderungen sondern zeigt das Versagen des Lehrers an. Diese Lehrerin im Fernsehbeitrag wurde von den Schülern nicht mehr als Erwachsene und schon gar nicht als Autoritätsperson wahrgenommen. Sie hat versagt und muß sich jetzt ihre Arbeitsschritte von den Schülern genehmigen lassen.

  5. Wenn quasselnde, störende, herumtobende Schüler nach der Stunde nicht wissen, was der Lehrer vorne an der Tafel erklärt hat, bekommen sie in der Leistungskontrolle am Anfang der nächsten Stunde eben eine 5 oder eine 6. Es ist nicht die Aufgabe (und gar nicht in der Macht) des Lehrers, lernunwillige Schüler zu einer guten Note zu schleifen. Das können die Schüler von ganz alleine. Sie müssen nur merken, daß da eine Wand ist, die sie mit ihrem Kopf nicht einrennen können. Dafür sind schlechte Noten gemacht. Man muß sie auch vergeben. Der Lehrer erklärt in der Stunde, was er sich in der Stunde vorgenommen hat. Wer stört, fliegt raus und kassiert dann eben eine 6.

Der ganze Beitrag war vollgestopft von typischen Lehrerfehlern. Ein hilfloser entmutigter Lehrer: „Und dann wird man ja auch leicht genervt. Und das will ich ja auch nicht.“ Das war seine Reaktion auf rüpelhaftes Verhalten seiner Schüler. Nur nicht nerven lassen. Alles erdulden. Ein Opferlamm. Und nach Tonfall, Mimik und Aussagen in diesem Fernsehbeitrag zu urteilen, ist er für seine pubertierenden Schüler vor allem eines: eine feige, weinerliche Memme. Eine Heulsuse. Ein Fußabtreter. Ungefährlicher Blitzableiter, Dartscheibe, Schießbudenfigur, Prügelknabe, …

Diese Rolle hätte ihm erspart bleiben können, wenn er öfter mal genervt reagiert und sich durchgesetzt hätte. Aber stattdessen hat sich wohl nicht einmal zur Wehr gesetzt.

Ein anderes Beispiel: Ein paar Schüler stören und rebellieren im Unterricht. Die Lehrerin quäkt nach längerer Zeit, in der ihr niemand zuhört, mit weinerlicher Stimme: „Ich krieg langsam jetzt ein bißchen schlechte Laune.“ Ooooch! Selbstdemontage eines Erwachsenen.

Dann versucht wieder die Lehrerin vom Anfang des Beitrags im Bus auf dem Rückweg von einer Schulexkursion einem wohl herumrüpelnden das Handy wegzunehmen: „Gib mir jetzt das Handy!“ – Schüler: „aber ich (unverständlich)“ – Lehrerin: „ist egal aber nicht so. Gut.“ Schüler behält sein Handy und macht ungerührt weiter. Was war nochmal nach Auffassung dieser Lehrerin der Grund dafür, daß die Schüler keine Disziplin zeigen? Das soziale Klima.

Den ganzen Beitrag hindurch ließen sich die Erwachsenen Beleidigungen, Provokationen und durchsichtige Machtspiele demütig gefallen. Einmal nur wurde ein Junge sanktioniert, weil er seine Banknachbarin gehauen hatte. Er mußte sich an einen einzeln stehenden Tisch setzen und schickte dafür eine saftige Beleidigung in Richtung der Lehrerin, was ihm sofort unter den Schülern Respekt verschaffte. Die Lehrerin meinte wohl Überlegenheit zu demonstrieren, indem sie sich das gefallen ließ. Tatsächlich hat sie sich damit erneut in der Rolle als Zielscheibe für ungestrafte Beleidigungen bestätigt und den Jungen für seine Respektlosigkeit belohnt.

Der Kommentar im Off war teilweise unfreiwillig komisch. So beklagte man, daß die Schüler sich auf dem Heimweg von der Naturexkursion nicht über ihre Erfahrungen austauschten sondern Videogames spielten. Was hatten diese Fernsehtrottel denn erwartet? Eine Fachtagung 12jähriger Biologen? Und natürlich war das soziale Klima immer schuld. Und psychologische Hilfe für die Kinder war auch ganz wichtig.

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Irrenhaus – ein Rundblick beim Freigang

Geschrieben von califax am Donnerstag, 26. März 2009

Was erzwungener Umweltschutz (mal wieder) mit absurdester Dummheit zu tun hat: Harz-und-Boden-Apartheid bei Bäumen.

Vom Umweltschutz zum religiösen Wahn, Folge Drölfhundertfuffzehn: Schwermetallverseuchung voll bio. Von den Bioweinen war mir das bekannt. Daß der Irrsinn auch bei anderen Obstsorten betrieben wird, wußte ich nicht.

PC und Irrsinn: Berlin erprobt den Burkini.

Rot Front! – SED und SPD mal wieder… (Nein, nicht Müntes Revisionismus, und auch nicht dieser, äh, dieser Mitläufer – wie hieß der nochmal? – also, der Wessi da im Nordosten, dieser Sellerie oder wie der hieß. Na, der Mitläufer mit dem SPD-Buch aus Karrieregründen. Der, der sich an die Ex-Bonzen und Stasischnüffler ranschleimen will, weil er bei der SPD schon alles abgegrast hat. Bruder im Geiste vermutlich. Wer war das mit den Fingerabdrücken bei Neugeborenen? War das nicht auch dieser Sellerie? Egal, um den geht’s jetzt auch nicht. Einfach mal lesen.)

Und hier gibt’s noch das Law of Unintended Consequences in einer weiteren Anwendung demonstriert.

Nachtrag: Jens Jesse in der Zeit – DEUTSCHLAND: Unter Heuchlern. Da hat er nun auch wieder recht.

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Zeit für die Zerschlagung der EU

Geschrieben von califax am Donnerstag, 26. März 2009

ist es nach Meinung von Ulrich Weisser, Vizeadmiral a.D., von 1992 bis 1998 Leiter des Planungsstabs im Verteidigungsministerium. Er nennt es nicht so, stellt aber Forderungen auf, die genau darauf hinauslaufen und klingen, als stammten sie direkt aus der russischen Generalität:

Die schlecht verdeckte Forderung nach Rücküberstellung der baltischen und slawischen Staaten in die alle politischen und militärischen Bereiche durchdringende Vormundschaft des neuen russischen Imperialismus, wie vom Kreml ganz offiziell angestrebt und gefordert. Dies ist mithin die Aufforderung zum schleichenden Bündnisverrat, und damit zur Aushöhlung der NATO-Abschreckung, und zur Zerschlagung der EU. Oder wie soll man sich das „Reparieren der Beziehungen zu Rußland“ und eine gleichberechtigte Position Rußlands in Baltikum und Mitteleuropa vorstellen, da diese doch nach russischer Anschauung ein ziemlich fester und unverhandelbarer Bestandteil des russischen Imperiums sind? Das Schicksal Georgiens mit der mittlerweile fast abgeschlossenen Eroberung Abchasiens und Südossetiens durch Rußland zeigt deutlich, was den Staaten droht, die dem Kreml gegenüber keine ernstzunehmende Verteidigung aufbieten können.

Die fast unverhohlene Forderung, auf eine eigenständige Öl- bzw. Gasversorgung aus Mittelasien zu verzichten, ist die Forderung, Deutschland und andere EU-Staaten, allen voran unsere direkten Nachbarländer, durch Rußland erpreßbar zu machen. Dies ist mithin die Forderung zur Übergabe unserer Außen- und Sicherheitspolitik in die Hände des Kremls.

Die Forderung, amerikanische nationale Verteidigungseinrichtungen auf tschechischem und polnischen Boden bis zur Erstellung einer gesamteuropäischen Strategie zu verzögern, ist (neben der pikanten deutschen Einmischung in innere Angelegenheiten souveräner Staaten, sonst ein Tabu) gar zu leicht durchschaubar. Denn diese Strategie wäre, bei Erfüllung der obigen beiden Forderungen, eben keine EU-Strategie, sondern eine großrussische. Die Aufschiebung der Stationierung wäre dann kein Aufschub sondern eine dauerhafte Blockade. Diese würde deutlich und nachhaltig den Schutzanspruch der beiden Nachbarstaaten in der NATO untergraben und somit die Zielrichtung der ersten beiden Forderungen – Zerschlagung der EU und Zerschlagung der Abschreckungskraft der NATO – weiter forcieren. Nebenbei: hat der Vizeadmiral a.D. bedacht, welche Signalwirkung von seinen – oder besser gesagt, den russischen – Forderungen auf den Iran und dessen nahöstliche Kontrahenten ausgeht? So kann man auch Krieg und Wettrüsten forcieren.

Die Forderung nach einer stärkeren Fokussierung des NATO-Engagements auf militärische Kernaufgaben und die möglichst starke Berücksichtigung nichtmilitärischer Parameter und Werkzeuge in die zukünftige Strategie sind so naheliegend und grundlegend, daß man sie eigentlich gar nicht erst explizit aufstellen müßte. Muß man leider aber doch. Aber warum fehlt, besonders angesichts der Bedrohungslage der baltischen und slawischen Verbündeten, in Weissers Zukunftsvision die eigentliche Landesverteidigung?

Fragt sich aber: Was hat den Vizeadmiral geritten, so offen einen Keil in die NATO zu treiben? Unsere mitteleuropäischen und baltischen Verbündeten werden jetzt noch stärker mit russischer Bedrohung rechnen müssen . Sie werden sich noch stärker von der EU und speziell von Deutschland abwenden. Sie werden ihren Schutz noch stärker bei den USA und GB suchen. Und sollten diese mit Brown und Obama diesen Schutz versagen, wird es interessant. Denn diese Staaten sind für die Zukunft der EU strategisch wichtig und werden jedes Mittel nutzen, um zu überleben. Und sie werden sich diese Lektion für lange Zeit merken. So kann man gleich NATO, EU und Deutschland auf einen Streich beschädigen.

Zur Nachahmung nicht empfohlen: Ulrich Weisser in der Zeit – „Zeit für einen Tabubruch – Das strategische Konzept der Nato ist überholt“

(Ein paar Nachträge gelöscht. Haben sich erledigt.)

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Hundert Tage

Geschrieben von califax am Dienstag, 24. März 2009

Hundert Tage Zeit soll man neuen Regierungen geben bis sie sich eingearbeitet haben. Die Mannschaft, die für grundsätzliche Fragen der Diplomatie zuständig sind – Protokoll und grundlegende Gestensprache wird aber weit vor dem Regierungswechsel ausgewählt. Und schon ein erster Blick auf die Amtsräume, eine erste Besichtigung, zeigen selbst politisch ahnungslosen Trampeln, daß Gegenstände in der Hand des Präsidenten manchmal einen hohen politischen Wert, immer aber eine Symbolwirkung haben. Besonders beim formellen Austausch von Geschenken beim Staatsbesuch.

Das war also kein Unfall. Es war ein absichtlicher Affront.

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Wir müssen da mal über etwas reden.

Geschrieben von califax am Montag, 23. März 2009

Tee und Kekse gefällig? Kaffee und Kuchen? Vielleicht etwas Biodinkelgebäck mit fair gehandelter Wurzelextraktlimonade?

Wir müssen nämlich mal über etwas reden, daß mir zunehmend Sorgen bereitet, seit ich in der DDR eingeschlafen und plötzlich in Deutschland aufgewacht bin. Vielleicht ist der Grund eine ansteckende Geisteskrankheit namens Heiapopeia, wie das vor Jahren mal ein Betrunkener im Bus gemeint hat. Wahrscheinlicher ist eine Mischung aus Selbstbetrug bei vielen und Nachplapperei bei noch viel mehr Menschen. Die Folgen sind jedenfalls gravierend: Abschaffung der Bürgerrechte. Entmündigung der Erwachsenen. Eine zunehmende Anzahl von Toten. Letzteres bisher meistens nur im Ausland. Vorwiegend bei denen, die darauf vertrauen und oft vertrauen müssen, daß wir sie schützen. So wie die Frauen und Mädchen in Afghanistan. So wie die Opfer von „Ehrenmorden“ in Deutschland. So wie die vielen Opfer der von uns harmoniesüchtigen Europäern finanzierten und hofierten Mörderbanden namens Hamas, Fatah, Muslim Brotherhood, etc.

Und was man stattdessen tun sollte?

Tja, das ist eben die Frage.

Zunächst einmal sollten wir vielleicht wieder lernen, zu streiten. Wir sollten wieder lernen, daß eine Rauferei kein Schwerverbrechen ist. Daß Interessenskonflikte unterschiedlich schwer ausfallen. Manche kann man bei Tee und Gebäck oder traditionell bei einem Bier in der Kneipe ausräumen. Manche dagegen sind nur mit Krieg, notfalls mit einem Weltkrieg, zu entscheiden. Hatten wir gerade erst vor 70 Jahren.

Wie hätte sich ein Europa mit der verträumten Konsenspolitik des heutigen Deutschland wohl damals gegen Hitler gewehrt?
Gar nicht. Weil Gewalt ja bekanntlich nie eine Lösung ist. Und Streit ist doppelplusungut.
Wir entwaffnen uns selbst. Wir infantilisieren uns selbst. Wir machen uns wehrlos und wollen nicht verstehen, warum unsere Feinde unsere Wehrlosigkeit zu ihrem Vorteil nutzen, statt sie sich zum Vorbild zu nehmen.

Und die Linke? Diese politische Möchtegernbewegung, dieser moralisch endgültig verfaulte Rest einer Erneuerungsbewegung, zu der ich mich selbst den bisher größten Teil meines Lebens gezählt habe? Dieser wandelnde Kiffertraum eines Heldentums gegen den Faschismus? Die heutige Linke würde versuchen, Hitlers Eroberungen mit Kapitulation, Selbstentwaffnung und vorauseilender Unterwerfung, schön öffentlichkeitswirksam getarnt als „Verständnis“, „Dialog“ und „Friedenspolitik“, zu stoppen.

Und generell: zu viele unserer Politiker sehen das Vorbild für unsere Gesellschaft und Kultur im Innenleben einer Psychiatrie mit Gesprächskreisen, Kreativbastelrunden, Medikamenten, lückenloser Überwachung und präventiver Fesselung. Und sie selbst sind natürlich die Pfleger. Ausgerechnet all diese gescheiterten Kindergartenerzieher, Grundschullehrer und Anwälte meinen, sie wären diejenigen, die entscheiden könnten, wie ihnen wildfremde Erwachsene leben dürfen, während man von ihnen automatisch Narrenfreiheit bekommt, wenn man nur eine genügend große Anzahl unschuldiger Menschen ermordet.

Gummizellenpolitik.

Das ist das kurzfristige Erkaufen von Macht gegen die Zukunft des Landes.

Wir müssen da mal dringend über etwas reden. Und vor allem sollten wir die rosarote Brille abnehmen und endlich Augen und Maul aufmachen. Solange wir das noch dürfen.

Warum ich das jetzt schreibe? Weil ich heute den Eindruck hatte, daß ich mir nicht alleine Sorgen mache.

Nachtrag: Zettel versucht sich in Psychologie: Marginalie: Über die Gewaltneigung der Friedfertigen. Anmerkung zu einem Text von Califax. Nebst ein wenig Psychoanalytischem für den Hausgebrauch

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Lektüretip

Geschrieben von califax am Donnerstag, 12. März 2009

Odyssee. So um den 20. Gesang: ab dem 14.Gesang Vorspiel bis zum 21.Gesang, ab dem 22.: Rock’n'Roll.

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