The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Archiv für September 2008

Projekt 18

Verfasst von califax am Montag, 29. September 2008

Nach einem weiteren historischen Tiefstand bei den sozialdemokratischen Wählerstimmen, schwimmen die Sozialdemokraten im Optimismus. Von Steinmeier über Maget bis zu CS ist die Interpretation der Bayernwahl eindeutig: Genossen, die CSU steht am Rande des Abgrunds! Die SPD  hingegen ist einen Schritt weiter! Das muss gefeiert werden!

Die Wirklichkeit ist ja für die SPD ein wirklich entsetzlicher Anblick. Aber vielleicht wäre es sinnvoller, sie endlich einmal zur Kenntnis zu nehmen. Dann kann man sie auch irgendwann ändern. Momentan versucht man es jedoch lieber weiter mit Wunschdenken und macht sich mit Maget immer weiter lächerlich. Motto: Überholen ohne Einzuholen.

Es ist zum Verzweifeln.

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Bayern: Schlappe für CSU

Verfasst von califax am Sonntag, 28. September 2008

43% statt 47%. Das ist heftig. Ich bin jetzt wirklich gespannt darauf, wie die endgültigen Ergebnisse und Wahlanalysen aussehen werden. Die erste Wählerwanderungsumfrage zeigte im Fernsehen das, was ich schon ein wenig erwartet hatte, als die 47% ins Gespräch kamen: Die CSU verliert an FW, FDP und Nichtwähler.

Wirklich unterhaltsam waren die ersten Stellungnahmen im BR. Hubert: am Boden zerstört und sichtlich nervös. Beckstein: schwer einzuschätzen, aber sichtlich schlecht gelaunt. Maget: Schadenfroh aber höflich. Die Grünen wollen unbedingt eine Vierkoalition, die aber nie und nimmer eine stabile Regierung ergäbe, weil die vier untereinander viel zu viele Konflikte hätten. Maget sekundiert höflich. In der SPD will man das wohl während der Wahlparties auch so hören. Selbst wenn es lächerlich wirkt. Die Freien Wähler sind nach allen Seiten offen. Schließlich kann sich die CSU einen Koalitionspartner aussuchen und wird dies benutzen, um Druck auf die Gesprächspartner auszuüben. Die FDP hält sich krampfhaft bedeckt, will aber mit der CSU. Das weiß in Bayern eigentlich jeder. Und das ist ein Problem für die FDP. Sie kann nicht ernsthaft eine Vierkoalition anstreben. Schwarz-Gelb wäre aber schmerzhaft. Und eine Neuauflage des Krötenschluckens könnte den Aufwind für die FDP schnell abflauen lassen.

Koalitionsmöglichkeiten nach Wahrscheinlichkeit:

  1. CSU-FDP
  2. CSU-Freie Wähler
  3. CSU-SPD
  4. Vierkoalition.

Wobei die CSU bei einem Scheitern von Schwarz-Gelb auch mit Schwarz-Rot liebäugeln könnten, da sie am stärksten von den Freien Wählern bedroht werden, während die SPD nach wie vor kein Glück in Bayern hat. Das dürfte aber an den politischen Inhalten scheitern. Und Maget wäre schön blöd, drauf einzugehen, denn die Stärke der FW macht die CSU erst angreifbar.

Sehr interessant: Seehofers Statement, nachdem gerade gemeldet wurde, daß Huber in seinem Wahlkreis von über 60% auf 4x% gefallen ist. Demonstrativ forderte er Geschlossenheit und Besonnenheit und sagte, natürlich auf die Gesamtpartei gemünzt, es wäre natürlich eine Katastrophe für alle, die von über 60 auf knapp über 40 Prozent gefallen wären. Ich bin mir sicher, daß wir den Originallaut dieser Aussage noch öfter in den Medien hören werden…

Ebenso lustig: Das schnelle Beharren der CSU-Spitze bei jeder Aussage, daß dies eine Bestrafung für die gesamten letzten fünf Jahre sei und nicht nur für die letzte Zeit. Da wird der Schwarze Peter an Stoiber weitergereicht, um Beckstein und Huber zu stützen.

Noch lustiger: Die Journalisten vom BR waren offensichtlich richtig heiß darauf, Koalitionsaussagen und Äußerungen zu personellen Konsequenzen, also nach einem Sturz gewisser CSU-Spitzenpolitiker herauszupressen.

Ich persönlich habe eine Flasche Wein geleert. Meinen Ekel konnte ich letztlich doch nicht überwinden. Außerdem gab es mehr Übereinstimmung mit der FDP. Bisher sieht es so aus, als ob von der reinen Parteizugehörigkeit die Wiederwahl Köhlers gesichert wäre. Sollte das auch so eintreten, leiste ich mir einen Champaigner.

Noch etwas: Wir hatten herrlichstes Ausflugswetter das ganze Wochenende über. Mal abwarten, welchen Einfluß das auf die Wahl hatte.

PS.: Wahlrecht.de spekuliert, daß es durch Überhangmandate doch noch für eine absolute Mehrheit der CSU reichen könnte. Das gäbe dann freilich ein Riesenbohei.

Nachtrag: Haderthauer wird möglicherweise gefeuert. Vermutlich hat sie das gestern schon gewusst, als sie im Wahlfernsehen des BR immer wieder ein Feixen wegdrücken musste. Hysterie. Sie ist politisch für die hochnotpeinliche Wahlbriefblamage verantwortlich, die von manchen CSUlern schon vor der Wahl für mögliche Verluste verantwortlich gemacht wurde.

Nachtrag 2: PHOENIX meldet gerade, daß Haderthauers Rücktritt eine Ente sei. Das wird ein lustiger Tag, wenn die Gerüchteküche so überheizt ist. Erst meldet PHOENIX den Rücktritt, dann schalten die Onlinezeitungen Eilmeldungen über ihre Ablösung per einstimmigem Beschluss des Wahlvorstands und nu ist wieder alles weg. Ente. Ein spannender Tag.

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Wahlomat

Verfasst von califax am Dienstag, 23. September 2008

Nachdem die ÖDP in ihrem Opferrollenwahn solange herumjustiziert hat, bis der ursprüngliche Wahlomat offline war, gibt es jetzt dankenswerterweise den Merkur Wahlbarometer. Dank an ML für den Tip.

Die Auswertung Ihrer Stellungnahme ergab, dass Sie mit den folgenden Parteien in den jeweils angegebenen Prozentangaben übereinstimmen. Je höher die Prozentangabe pro Partei, desto höher ist die Übereinstimmung mit Ihrer Meinung.

CSU: 40 %
SPD: 21 %
Die Grünen: 25 %
FDP: 52 %
Die Linke: 24 %
Freie Wähler: 17 %
Die höchste Übereinstimmung ergab es mit der Partei „FDP, 52%“.
Nachfolgend erhalten Sie einen detailierten Vergleich Ihrer Antworten mit den Aussagen der entsprechenden Partei. Unter „Mehr Infos“ können Sie die jeweilige Begründung der Partei einsehen. Möchten Sie auch die Übereinstimmung und jeweilige Begründung der anderen Parteien einsehen, klicken Sie zunächst auf das jeweilige Parteilogo.
W = Wähler
P = Partei
Nr. These dafür egal dagegen
1 Für ein generelles Tempolimit von 120 auf Autobahnen. Mehr Info W P
2 Bayern soll selbst entscheiden dürfen, wann Gentechnik auf den Äckern erlaubt ist. Mehr Info W P
3 Bayerns Äcker sollen gentechnikfrei werden. Mehr Info W P
4 Die Donau soll nicht weiter für schwere Schiffe ausgebaut werden. Mehr Info W P
5 Factory Outlet Center sollen eingedämmt werden. Mehr Info P W
6 Alle Gaststätten sollen rauchfrei werden – für ein Verbot von Raucherclubs. Mehr Info W P
7 Besitzer kleiner Kneipen sollen selbst entscheiden dürfen, ob geraucht werden darf oder nicht. Mehr Info W P
8 Legebatterien für Hennen sollen verboten werden. Mehr Info W P
9 Bayerns Atomkraftwerke sollen länger als bis zum Jahr 2020 laufen. Mehr Info W P
10 Lehrer sollen in der Schule keinen religiösen Schmuck tragen dürfen. Mehr Info W P
11 Wer seine Kinder ohne fremde Hilfe betreut, soll dafür vom Staat Geld bekommen. Mehr Info W P
12 Die Gebühren für das Erststudium sollen abgeschafft werden. Mehr Info W P
13 Kinder sollen bis zur neunten Klasse in die gleiche Schule gehen und sich erst dann für Gymnasium oder Lehre entscheiden. Mehr Info W P
14 Das letzte Kindergartenjahr soll verpflichtend werden. Mehr Info P W
15 Das Sitzenbleiben in der Schule soll abgeschafft werden. Mehr Info W P
16 Religion soll verpflichtendes Schulfach bleiben. Mehr Info P W
17 Die Einschulung von Kindern soll von einem bestandenen Deutsch-Sprachtest abhängen. Mehr Info W P
18 Die frei gewordenen Transrapid-Mittel des Freistaates sollen weiter für die Anbindung Münchens mit dem Flughafen fließen. Mehr Info W P
19 Der Flughafen München braucht eine dritte Startbahn. Mehr Info W P
20 Wenn ein geerbter Betrieb weitergeführt wird, dürfen dafür keine Erbschaftssteuern gezahlt werden. Mehr Info W P
21 Die BayernLB soll sich mit anderen Landesbanken zusammenschließen. Mehr Info W P
22 Bürger sollen wieder ab dem 1. Kilometer die volle Entfernungspauschale erhalten. Mehr Info P W
23 Wenn Tarifverträge nicht greifen, braucht es einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Mehr Info W P
24 Jeder Ladenbesitzer soll werktags selbst über seine Öffnungszeiten entscheiden. Mehr Info W P
25 Die bayerische Landesbank (BayernLB) soll verkauft werden. Mehr Info W P
26 Keine Neuverschuldung des Freistaats – auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht. Mehr Info W P
27 Polizei und Verfassungsschutz sollen Computer von Kriminellen online durchsuchen dürfen. Mehr Info W P
28 Die Strafen gegen jugendliche Gewalttäter sollen verschärft werden. Mehr Info W P
29 Mehr Videoüberwachung auf gefährlichen Straßen und Plätzen. Mehr Info W P
30 Killerspiele sollen verboten werden. Mehr Info W P
31 Bei Kommunalwahlen sollen auch 16-Jährige schon mitwählen dürfen. Mehr Info W P
32 Asylbewerber sollen die gleichen Geldleistungen wie Langzeitarbeitslose erhalten. Mehr Info W P
33 Auch Bürger ohne deutschen Pass sollen Bürgermeister und Gemeinderäte mitwählen dürfen. Mehr Info P W
34 Schwerstabhängige sollen Heroin (Diamorphin) vom Arzt erhalten. Mehr Info W P
35 Schwule und Lesben sollen sich auch vor dem Standesamt trauen dürfen. Mehr Info W P

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Qualitätsjournalismus und Bildungsauftrag

Verfasst von califax am Freitag, 19. September 2008

Dafür zahlt man doch gern GEZ. Und für die blauen Flecke auf den Schenkeln kriegt man nicht einmal Schmerzensgeld.

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Weshalb wir im Krieg sind

Verfasst von califax am Donnerstag, 11. September 2008

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Geißler fordert Fusion von SPD und Linkspartei

Verfasst von califax am Mittwoch, 10. September 2008

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Kissingers „Großmachtdiplomatie“

Verfasst von califax am Mittwoch, 10. September 2008

Das ist das Buch, das ich gerade lese. Die gebrauchte Schwarte ist mir vor ein paar Wochen in die Hände gefallen und ist jetzt fällig. Da dieses Blog mittlerweile doch ein paar Besucher hat, wollte ich mal fragen, ob unter den Lesern jemand ist, der dieses Buch schon gelesen hat.

Ich habe nämlich den starken Eindruck, daß es Kissinger bei diesem Buch gar nicht so sehr um die Darstellung und Interpretation der Geschichte ging, sondern mehr darum, eine Allegorie auf den Beginn des Kalten Krieges zu schaffen, in die er fast unverhohlene Kommentare zur Realpolitik seiner Zeit einfügen konnte: Abschreckungsdoktrin, Appeasement, völkerrechtliche Umarmungsmethoden, skrupellose Realpolitik als bessere Alternative zu idealistischen Träumen, Gleichgewicht des Schreckens, Eindämmung „erwerbslüsterner“ Mächte, …

Also, hat es jemand gelesen? Wie war der Eindruck?

PS.: Wer die Kommentarfunktion zu unbequem findet, kann auch an dieser Stelle in Zettels kleinem Zimmer kommentieren.

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Panorama

Verfasst von califax am Montag, 8. September 2008

Kurzes Zwischenspiel mit ein wenig Presselektüre:

Heute wäre all das verboten, was wir damals täglich taten, von Orthopäden, Psychologen, Ernährungsexperten oder broilerbraunen Spaßbremsen wie Dr. Strunz: Du läufst falsch! Du isst falsch! Du atmest falsch! Du schläfst falsch! Du machst nicht mal die Fehler richtig. Wie kommt es, dass die ganze Welt sich von selbst ernannten Gurus kommandieren lässt? Wie konnte es so weit kommen, dass eine humanoide Selbstverständlichkeit wie Bewegung mit sektenhaftem Eifer betrieben werden musste?

Es war der Tag, als meine Mutter in einem samtenen Freizeitanzug im Flur stand. Sie gehe jetzt ins Gemeindehaus, zum, zögernde Aussprache, „…A-ero-bic…“, Betonung auf der letzten Silbe. Zum Glück ist es bei dem einen Mal geblieben. Die Discomusik war nicht nach ihrem Geschmack. Die Woche darauf ging sie wieder zu ihrer Gymnastikgruppe. [...] Seit im Fernsehen diese Amerikanerin zu sehen war, die zur Außenwelle Wadenwärmer trug und mit ihrem Badeanzug über dem Baumwolltrikot eine ganz bizarre Spielart der Erotik prägte, ergaben sich Deutschlands Frauen dem Fitnesswahn.

Quelle: Ein herrlich amüsanter Artikel zur Fitnessbewegung in der Welt.

Der Kaukasus-Konflikt hat dem Westen wieder einmal gezeigt, wer in Russland das Sagen hat. Es ist nicht Präsident Medwedjew, es ist Wladimir Putin. Trotzdem stimmen viele Thesen nicht, die in den letzten Wochen verbreitet wurden. Zehn Putin-Mythen, die sich beim genauen Hinschauen auflösen.

Wenn Europa Ruhe und Einigkeit bewahrt, könnte viel von dem Schaden ungeschehen gemacht werden. Allzu gerne würde Russland die EU von Amerika abspalten und aus den EU-Mitgliedern konkurrierende Nationen machen – Putins Version klassischer Euroskepsis, wie wir sie aus England kennen. Doch wer die russische Politik im Kaukasus rechtfertigt aus Abneigung gegenüber den USA, führt sich wie ein zeitgenössisches Abbild von Lenins „nützlichen Idioten“ auf. Wir ringen um die Zukunft Europas. Es liegt in Russlands Hand, dabei einen großen und positiven Beitrag zu leisten, wenn es sich entschließen könnte, nach europäischen Normen und Werten zu leben. Das wird unter Putin nicht geschehen. Inzwischen sollten alle Angebote, die man Moskau macht, grundsätzlich von einer Bedingung ausgehen: dass Russland jede Nation in Europa als gleichberechtigt behandelt, ohne Abstriche.

Quelle: Dennis MacShane (Labour UK) räumt auf Welt Online mit 10 Mythen über Putin auf.

Die russische Regierung hat die Entsendung von Beobachtern der Europäischen Union nach Georgien abgelehnt.

Na was für eine Überraschung!. Aber spätestens wenn die umstrittenen Gebiete völkisch rein sind, wird man ja mal gucken dürfen. Sochumi lässt grüßen.

Die russische Führung hat den Westen vor der Reise des EU-Ratspräsidenten Sarkozy, des Kommissionspräsidenten Barroso und dessen außenpolitischen Repräsentanten Solana nach Moskau am Montag davor gewarnt, Druck auf Russland auszuüben.

Ministerpräsident Putin sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender „Rossija“, Europa könne ohne die Ressourcen aus Russland nicht oder nur sehr schwer auskommen. Sein Land verfüge durch seine Öl- und Gasreserven über Druckmittel.

Unterdessen haben die russischen Truppen nach georgischen Angaben ihre Präsenz in der Hafenstadt Poti verstärkt, nachdem dort am Freitag die „Mount Whitney“, das Flaggschiff der amerikanischen Marine im Mittelmeer, angelegt hatte. Die zwei russischen Kontrollpunkte in der Stadt seien mit weiteren Soldaten verstärkt worden, teilte die Regierung in Tiflis mit.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck sagte der F.A.Z. nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers in Gori, wo sie mit Vertriebenen aus Südossetien und der Pufferzone gesprochen hatte, für sie stehe nun außer Frage, dass die russischen „Friedenstruppen“ dort „Vertreibungstruppen“ seien.

Quelle: FAZ.

Auch wenn morgen eine Horde Orang-Utans das Willy- Brandt-Haus kaperte, würde sich Generalsekretär Heil schon am Mittag auf die „Herausforderung“ freuen, mit Menschenaffen Politik zu gestalten. Schon lange wusste man als Zuschauer des großen sozialdemokratischen Sozialexperiments, dass man etwas ganz anderes sieht als das, was angeblich gezeigt wird.

Sicher wird es für jede dieser kognitiven Dissonanzen gute Gründe geben, womöglich sogar heilige, so genannte inhaltliche Gründe, die, noch heiliger, im Sinne der „Menschen“ und nicht etwa der Orang-Utans verfolgt werden müssen. Aber wer hat noch Lust, der SPD zuzuhören? Die uns, der Öffentlichkeit, zugedachte ewig unangekratzte Benutzeroberfläche ist abstoßend.

Die Parteiarbeiter rufen jetzt zur Weiterarbeit auf. Doch das Land braucht kein ständiges „Weiter so“ und schon gar nicht die öden Mini-Macho- und Malochermetaphern der ewigen Pragmatiker, die immer den „Karren aus dem Dreck“ ziehen, „anpacken“, „stehen“ und, Ärmel hochkrempelnd, den Gürtel enger schnallen wollen, um mehr Tore zu schießen.

Ausprobieren, Risiken eingehen, neue Formen entwickeln, so wie es die neue Arbeitswelt längst von jedem Beschäftigten verlangt – das ist auch einer Partei zuzumuten. Das Land kann nicht ewig dem Spektakel der surrealistischen Partei zusehen, wir brauchen Zeit, um neue Ideen zu entwickeln. Bergbau, Schwerindustrie und Autos, das ist ja alles schön und gut, aber eine zweite große Softwarefirma oder eine Art deutsches iPhone, irgendein marktgängiges Produkt, das es nicht schon 1890 gegeben hat, so etwas made in Germany wäre ganz beruhigend.

Nach diesem seltsamen Sonntag muss sich die sozialdemokratische Politik, müssen sich Amts- und Mandatsträger neu erfinden: Die Rekrutierungswege für den politischen Nachwuchs gehören überprüft, die sozialen Kontakte zwischen Amtsinhabern und anderen sozialen und kulturellen Akteuren müssen intensiviert werden, und wenn ein Parteivertreter etwas sagt, dann muss sich das zeitgemäß anhören. Ach ja, es sollte auch stimmen.

Quelle: Ein furioser, herrlicher Feuilletonartikel, den man unbedingt lesen muss! Ich würde am liebsten laut Bravo! schreien. Ach was, ich schreibs einfach:

BRAVO!

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