Kurzes Zwischenspiel mit ein wenig Presselektüre:
Heute wäre all das verboten, was wir damals täglich taten, von Orthopäden, Psychologen, Ernährungsexperten oder broilerbraunen Spaßbremsen wie Dr. Strunz: Du läufst falsch! Du isst falsch! Du atmest falsch! Du schläfst falsch! Du machst nicht mal die Fehler richtig. Wie kommt es, dass die ganze Welt sich von selbst ernannten Gurus kommandieren lässt? Wie konnte es so weit kommen, dass eine humanoide Selbstverständlichkeit wie Bewegung mit sektenhaftem Eifer betrieben werden musste?
Es war der Tag, als meine Mutter in einem samtenen Freizeitanzug im Flur stand. Sie gehe jetzt ins Gemeindehaus, zum, zögernde Aussprache, „…A-ero-bic…“, Betonung auf der letzten Silbe. Zum Glück ist es bei dem einen Mal geblieben. Die Discomusik war nicht nach ihrem Geschmack. Die Woche darauf ging sie wieder zu ihrer Gymnastikgruppe. [...] Seit im Fernsehen diese Amerikanerin zu sehen war, die zur Außenwelle Wadenwärmer trug und mit ihrem Badeanzug über dem Baumwolltrikot eine ganz bizarre Spielart der Erotik prägte, ergaben sich Deutschlands Frauen dem Fitnesswahn.
Quelle: Ein herrlich amüsanter Artikel zur Fitnessbewegung in der Welt.
Der Kaukasus-Konflikt hat dem Westen wieder einmal gezeigt, wer in Russland das Sagen hat. Es ist nicht Präsident Medwedjew, es ist Wladimir Putin. Trotzdem stimmen viele Thesen nicht, die in den letzten Wochen verbreitet wurden. Zehn Putin-Mythen, die sich beim genauen Hinschauen auflösen.
Wenn Europa Ruhe und Einigkeit bewahrt, könnte viel von dem Schaden ungeschehen gemacht werden. Allzu gerne würde Russland die EU von Amerika abspalten und aus den EU-Mitgliedern konkurrierende Nationen machen – Putins Version klassischer Euroskepsis, wie wir sie aus England kennen. Doch wer die russische Politik im Kaukasus rechtfertigt aus Abneigung gegenüber den USA, führt sich wie ein zeitgenössisches Abbild von Lenins „nützlichen Idioten“ auf. Wir ringen um die Zukunft Europas. Es liegt in Russlands Hand, dabei einen großen und positiven Beitrag zu leisten, wenn es sich entschließen könnte, nach europäischen Normen und Werten zu leben. Das wird unter Putin nicht geschehen. Inzwischen sollten alle Angebote, die man Moskau macht, grundsätzlich von einer Bedingung ausgehen: dass Russland jede Nation in Europa als gleichberechtigt behandelt, ohne Abstriche.
Quelle: Dennis MacShane (Labour UK) räumt auf Welt Online mit 10 Mythen über Putin auf.
Die russische Regierung hat die Entsendung von Beobachtern der Europäischen Union nach Georgien abgelehnt.
Na was für eine Überraschung!. Aber spätestens wenn die umstrittenen Gebiete völkisch rein sind, wird man ja mal gucken dürfen. Sochumi lässt grüßen.
Die russische Führung hat den Westen vor der Reise des EU-Ratspräsidenten Sarkozy, des Kommissionspräsidenten Barroso und dessen außenpolitischen Repräsentanten Solana nach Moskau am Montag davor gewarnt, Druck auf Russland auszuüben.
Ministerpräsident Putin sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender „Rossija“, Europa könne ohne die Ressourcen aus Russland nicht oder nur sehr schwer auskommen. Sein Land verfüge durch seine Öl- und Gasreserven über Druckmittel.
Unterdessen haben die russischen Truppen nach georgischen Angaben ihre Präsenz in der Hafenstadt Poti verstärkt, nachdem dort am Freitag die „Mount Whitney“, das Flaggschiff der amerikanischen Marine im Mittelmeer, angelegt hatte. Die zwei russischen Kontrollpunkte in der Stadt seien mit weiteren Soldaten verstärkt worden, teilte die Regierung in Tiflis mit.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck sagte der F.A.Z. nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers in Gori, wo sie mit Vertriebenen aus Südossetien und der Pufferzone gesprochen hatte, für sie stehe nun außer Frage, dass die russischen „Friedenstruppen“ dort „Vertreibungstruppen“ seien.
Quelle: FAZ.
Auch wenn morgen eine Horde Orang-Utans das Willy- Brandt-Haus kaperte, würde sich Generalsekretär Heil schon am Mittag auf die „Herausforderung“ freuen, mit Menschenaffen Politik zu gestalten. Schon lange wusste man als Zuschauer des großen sozialdemokratischen Sozialexperiments, dass man etwas ganz anderes sieht als das, was angeblich gezeigt wird.
Sicher wird es für jede dieser kognitiven Dissonanzen gute Gründe geben, womöglich sogar heilige, so genannte inhaltliche Gründe, die, noch heiliger, im Sinne der „Menschen“ und nicht etwa der Orang-Utans verfolgt werden müssen. Aber wer hat noch Lust, der SPD zuzuhören? Die uns, der Öffentlichkeit, zugedachte ewig unangekratzte Benutzeroberfläche ist abstoßend.
Die Parteiarbeiter rufen jetzt zur Weiterarbeit auf. Doch das Land braucht kein ständiges „Weiter so“ und schon gar nicht die öden Mini-Macho- und Malochermetaphern der ewigen Pragmatiker, die immer den „Karren aus dem Dreck“ ziehen, „anpacken“, „stehen“ und, Ärmel hochkrempelnd, den Gürtel enger schnallen wollen, um mehr Tore zu schießen.
Ausprobieren, Risiken eingehen, neue Formen entwickeln, so wie es die neue Arbeitswelt längst von jedem Beschäftigten verlangt – das ist auch einer Partei zuzumuten. Das Land kann nicht ewig dem Spektakel der surrealistischen Partei zusehen, wir brauchen Zeit, um neue Ideen zu entwickeln. Bergbau, Schwerindustrie und Autos, das ist ja alles schön und gut, aber eine zweite große Softwarefirma oder eine Art deutsches iPhone, irgendein marktgängiges Produkt, das es nicht schon 1890 gegeben hat, so etwas made in Germany wäre ganz beruhigend.
Nach diesem seltsamen Sonntag muss sich die sozialdemokratische Politik, müssen sich Amts- und Mandatsträger neu erfinden: Die Rekrutierungswege für den politischen Nachwuchs gehören überprüft, die sozialen Kontakte zwischen Amtsinhabern und anderen sozialen und kulturellen Akteuren müssen intensiviert werden, und wenn ein Parteivertreter etwas sagt, dann muss sich das zeitgemäß anhören. Ach ja, es sollte auch stimmen.
Quelle: Ein furioser, herrlicher Feuilletonartikel, den man unbedingt lesen muss! Ich würde am liebsten laut Bravo! schreien. Ach was, ich schreibs einfach:
BRAVO!