“We will certainly endeavor to take the peacekeeping mission to the logical conclusion,” the prime minister reiterated.
Quelle: Kommersant.
Wo ist eigentlich die sogenannte Friedensbewegung? Wo sind die Boykottkampaignen? Wo sind die Demonstrationen? Wo ist „Kein Blut für Öl“ geblieben? Wo sind die hehren Apelle und „Informationsreisen“ des linken Rands? Alle gerade mit Israel beschäftigt? Naja, sobald der durchschnittliche deutsche Friedenskämpfer mitbekommt, daß es dort US-Soldaten gibt, wird er vor der russischen Botschaft applaudieren. Einstweilen sitzt er zuhause, wackelt wichtig mit dem Kopf und sieht sich darin bestätigt: Siehste. War doch gut, die Georgier nicht in die NATO zu lassen. War doch klar, daß das Krieg gibt, wenn die Amis auftauchen, diese Kriegstreiber. Habe ich doch alles genau gewusst. Und vor allem muss man das differenziert sehen, das heißt, die armen Russen können gar nicht anders, die Georgier sind selbst dran schuld und die Amis sowieso immer. Nur schade, daß keine Israelis dabei sind. Aber irgendein Jude findet sich noch. Versprochen.
Nachtrag: Die Invasion hat begonnen. Die Einnahme Senakis stellt eine Frage: Wird Poti mit seinem Schwarzmeerhafen eingekesselt oder im Sturmangriff genommen? Wenn die russischen Fallschirmjäger weiter so schnell sind, könnten sie bald in Abasha und Lanchkhuti stehen. Dann ist der Kessel um Poti fast zu.
Nachtrag No.2: Das ging alles so fix, daß unsere Presse nicht mitgekommen ist und das wahnsinnig aktuelle Fernsehen heute früh locker 12h hinterherhinkte.
Ausgangslage: Georgien hat seine besten Truppen im Irak stehen, keine nennenswerte Marine, kaum Kampfflugzeuge und keine 20.000 Mann an Soldaten. Um das zu ändern, gibt es militärische Zusammenarbeit bei Rüstung und Ausbildung mit der Ukraine, den USA und Israel. In dem Waffenstilstad in Südossetien und Abchasien hat Russland seine Friedenstruppen in den letzten Monaten und Jahren mit jedem Manschaftswechsel weiter über das vertraglich vereinbarte Maß hinaus verstärkt, und zunehmend reguläre Truppen ohne Blauhelm in die beiden Regionen verlegt. Die Führer der Separatisten sind interessanterweise russische Geheimdienstoffiziere (FSB, ex KGB). In den letzten Monaten wurde die russische 58. Armee, eine Motschützentruppe mit Schützenpanzern, Schützenpanzerwagen und einer relativ schwachen und veralteten Panzertruppe in Divisionsstärke (zirka 10.000 Mann), nach Nordossetien zu Manövern verlegt. Im Westen wurden Fallschirmjäger in Divisionsstärke (zirka 9000 Mann) Richtung Abchasien in Marsch gesetzt. Sowohl Abchasien als auch Südossetien haben eine gemischte Bevölkerung. In Abchasien sind die Abchasen eine Minderheit, die Mehrheit ist georgisch. In Südossetien leben überwiegend Osseten mit einer großen georgischen Minderheit.
Es ging eigentlich schon vor Monaten los, als ossietische Freischärler mit russischer Artillerie (Raketen und Mörser) georgische Dörfer, Polizeistationen und Militärstützpunkte in Südossetien unter Beschuß nahmen. Das Feuer wurde erwidert. Die Angriffe verstärkten sich in den letzten Monaten immer mehr. Es kam zu Attentaten auf georgische Polizisten und die Führung des georgischen Verwaltungsgebiets. Georgische Versuche, die Lage mit Aufklärungsflügen und Aufklärungsdrohnen zu überwachen, wurden von der russischen Luftwaffe vereitelt. Einige Drohnen und wohl auch einige Flugzeuge wurden abgeschossen. Durch Hinterhalte wurde die Bewegungsfreiheit der georgischen Polizeieinheiten und Friedenstruppen so sark eingeschränkt, daß Georgien in den Regionen praktisch blind wurde. Alerdings kann man davon aus ausgehen, daß man im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit amerikanische Geheimdienstergebnisse nutzen konnte.
Vor einigen Tagen hatte sich das ganze schon zu einem richtigen Kleinkrieg ausgeweitet, bei dem Freischärler in Tschinwali kämpften, und es zwischen dem russisch „befriedeten“ Teil Tschinwalis und der georgischen Nachbarstadt Gori zu massiven Artillerieduellen kam. Zwischen dem 6. und dem 8. August gab es erfolglose Versuche, die ständigen Artillerieduelle, bei denen etliche Dörfer zerstört wurden, durch Verhandlungen einzudämmen.
Am frühen Morgen des 8. August dringen russische Truppen der 58. Armee über den Roki-Tunnel nach Südossetien ein und marschieren auf Tschinwali. Schaut man auf die Karte, sieht man, daß die Truppen spätestens am Vorabend aufgebrochen sein müssen. Dann wären sie den Bergpass in der Nacht hochgefahren. Vermutlich waren sie schon oben und haben vor dem Angriff nur übernachtet. Die Georgier stoppen den Vormarsch durch einen Luftangriff.
Weitere russische Einheiten folgen und müssen wegen einer zerstörten Brücke (eventuell bei Kurta) einen Umweg nach Tschinwali machen. Wahrscheinlich führt der Weg über die gut ausgebaute Bergstraße, die nördlich von Kurta beginnt und westlich von Kurta einen Bogen durch die Berge nach Tschinwali schlägt. Die Georgier setzen sich in Marsch und dringen auf Tschinwali vor. Zu diesem Zeit haben bereits russische Luftangriffe auf das gesamte georgische Territorium begonnen. Gegen 15:00 am 8.8. sind die Häuserkämpfe in Tschinwali eigentlich beendet. Die Georgier kontrollieren die Stadt. Waffenstillstand zur Evakuierung der Bevölkerung. Amnestieangebot an ossietische Freischärler, wenn diese die Waffen niederlegen.
Gegen 18:00 beginnt mit Angriffen ossietischer Guerillas, heftigem Artilleriefeuer und Luftangriffen der russische Angriff auf Tschinwali bei Dzara an der westlichen Bergstraße. Gegen 19:00 stehen starke russische Kräfte nördlich und nordwestlich von Tschinwali und beschießen die Stadt und umliegende Stellungen. 20:30 ziehen sich die Georgier aus Tschinwali zurück, russische Panzer dringen nach Tschinwali ein. Es folgt unter starkem russischen Druck ein überstürzter Rückzug nach Gori, wo man beginnt, sich einzugraben.
Nach heftigen Artillerieduellen treiben die russischen Truppen die Georgier nach Tiflis zurück. Zu dieser Zeit hatten die Abchasen, verstärkt durch die russischen Fallschirmjäger und eine russische Seeblockade an der Küste, bereits der georgischen Bevölkerung in Abchasien ein Ultimatum gestellt: Verschwindet oder wir treiben Euch mit Gewalt raus. Rußland und Abchasien nutzen diese Gelegenheit erneut, um den Georgiern Völkermord und Ethnische Säuberungen vorzuwerfen.
Was dann folgt, kann man der Presse ganz gut entnehmen, wenn man sich nicht davon verwirren lässt, daß Journalisten nur ungern auf Karten oder Landschaftsfotos schauen. Eine russische Vorhut besetzt Gori, unterbricht damit wichtige Kommunikationsverbindungen und blockiert die wichtigste Verkehrsroute zwischen West- und Ostgeorgien. Damit wird gleichzeitig Tiflis abgeschnitten und stark bedroht. Am Abend räumt man die Stadt aber wieder. Russische Fallschirmjäger dringen via Zugdidi nach Senaki vor und besetzen damit einen wichtigen Kommunikationsknotenpunkt und einen Flughafen. Die georgischen Trupen in Senaki waren bereits abgezogen. Die Fallschirmjäger ziehen am 10.8. abends in die Kasernen von Senaki ein. Damit ist das Ostende der Ost-West-Verbindung Georgiens besetzt und der wichtige und bereits mehrfach bombardierte Schwarzmeerhafen Poti für den nächsten Tag von Einkesselung bedroht.
Am 11. wird aber Poti nicht eingekesselt, sondern widerstandslos eingenommen. Senaki wird geräumt. Poti wird ebenfalls wieder geräumt. In Achasien beginnt ein Großangriff der Freischärler auf die verbliebene georgische Bevölkerung, wahrscheinlich unterstützt von russischem Militär.
Die ganze Kampaigne wurde vom 6. bis zum 12. durch einen massiven Guerillakrieg begleitet, bei dem es in ganz Abchasien und Südossetien zu Feuerüberfällen auf georgische Soldaten, Polizisten und Verwaltungsbeamte kam. Die Legende, Rußland hätte auf einen Husarenstreich von Saakaschwilli reagiert, läßt sich angesichts der Ereignisse nur besonders dummen und schlecht informierten Leuten verkaufen. Tatsächlich hat hier ein von langer Hand vorbereiteter Blitzkrieg mit perfekter propagandistischer Begleitung stattgefunden, der stark an die amerikanischen Methoden beim Einmarsch in Afghanistan und später beim Einmarsch in den Irak erinnert.
Nachtrag No.3: Nach Angaben der georgischen Regierung hat die von den Abchasiern angekündigte Vertreibung der georgischen Zivilbevölkerung aus Abchasien begonnen. Es gibt neue Kämpfe rund um und in Gori. Die Fernsehstation in Gori wurde von russischen Truppen gestürmt. Ein Mitarbeiter des Senders wurde getötet. Am frühen Abend haben russische Truppen in Poti mit der Versenkung der dort vor Anker liegenden georgischen Schiffe und Boote begonnen. So viel zum allgemeinen Aufatmen. Der Krieg geht weiter.
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