Todesstrafe
Verfasst von califax am Montag, 30. Juni 2008
Beer7 hat etwas veröffentlicht, daß in weiten Teilen Europas skandalös wirken muss, nämlich eine Argumentation für die Hinrichtung arabischer Terroristen. Anlaß für ein Selbstgespräch.
Bei Diskussionen um die Todesstrafe werden meist drei Dinge vermischt, die man möglichst getrennt betrachten und bewerten sollte. Natürlich beeinflussen sich diese drei Aspekte gegenseitig sehr stark. Ich glaube aber, daß man viel gewinnt, wenn man sie als unterschiedliche Blickwinkel auf das Problem behandelt und jeden dieser Blickwinkel gleichberechtigt mit den anderen Blickwinkeln nutzt, um ein besseres und umfassenderes Bild zu bekommen.
Das eine ist nun also die Todesstrafe als Instrument der Bestrafung gegen Feinde der Gruppe. Sie soll schwächend und angsterzeugend nach außen wirken. Das zweite ist der Drang zur Maximalstrafe als Mittel der Rache und der sozialen Selbstvergewisserung. Hier soll die Strafe stärkend und heilend nach innen wirken. Das dritte ist die Bekämpfung von Feinden zur Beseitigung von Gefahrenquellen oder Widerständen.
Die Wirkung nach außen dient der Abschreckung und folgt der Ausgrenzung. Der Beschuldigte und ähnlich gelagerte Fälle werden als außerhalb der Gesellschaft stehend dargestellt. Kommen sie aus den eigenen Reihen, werden sie fremdgemacht – das Bild vom Wolf, den man nichtsahnend aufgezogen habe, ist typisch. Steht der Beschuldigte erst einmal als Feind außerhalb der eigenen Gruppe, fällt es leichter, ihn zu bestrafen. Es ist daher eine typische Strategie von Verteidigern, diese Ausgrenzungsmethoden zu unterlaufen. Sie versuchen alles, um den Beschuldigten als Mitglied der urteilenden Gruppe darzustellen und appellieren dann an die sozialen Bindungskräfte: Mitleid, Großmut, Vergebung. Beschuldigte aus verfeindeten Gruppen haben von vornherein schlechte Chancen.
Die Todesstrafe soll in diesem Kontext abschrecken. Sie soll eigentlich nur drohen und damit potentielle Feinde der Gruppe (auch und gerade solche innerhalb der Gruppe) davon abhalten, aktive Feinde der Gruppe zu werden. Diese Abschreckungshoffnung ist eine Illusion. Tatsächlich gibt es eine Minimalstrafe, unterhalb der sich Verbrechen lohnt. Es gibt die Notwendigkeit, Abschreckungsmaßnahmen in ihrer Härte zu staffeln, um auch bei Bestraften und relativ Unbeteiligten an das Gerechtigkeitsgefühl zu appellieren und so für die Akzeptanz der Strafe zu werben. Und es gibt die Abschreckungswirkung einer hohen Aufklärungs- und Bestrafungsquote. Es gibt aber offenbar keine wirksame Eskalation über ein nur schwammig zu fassendes hohes Strafmaß hinaus. Irgendwann geht mit einer weiteren Strafverschärfung einfach keine Abschreckungsverstärkung mehr einher. Diese Schwelle ist weit vor der Todesstrafe bei langjähriger Gefangenschaft erreicht.
In diesem Sinne ist die Todesstrafe nicht nur zwecklos. Sie kann nicht nur dem Risiko einer irreversiblen Fehlentscheidung keine Vorteile entgegensetzen, sondern ihr moralischer Absolutheitsanspruch behindert auch noch die nachträgliche Suche nach möglichen Alternativschuldigen. Denn wer will die Verantwortung für die Hinrichtung des Falschen übernehmen? So werden Feinde noch ermutigt, indem man ihnen zeigt, daß sie durchaus entkommen können. Es werden eventuell Unschuldige umgebracht. Gefangene kann man freilassen. Tote bleiben tot. Gleichzeitig erzeugen erkannte oder gemutmaßte Fehlurteile Feindschaft. Und schließlich wird die Ermittlung von Systemfehlern erschwert, da eine kritische und strenge Überprüfung eben solche Fehlurteile zutage fördern könnte.
Die Wirkung nach innen dient der Selbstvergewisserung. Indem man von der ersten Gefangennahme über den Gerichtsprozeß mit möglichen Akten von Milde bis hin zur unerbittlichen Bestrafung oder Begnadigung Macht ausübt, überwindet man das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, das die bestrafte Aktion ausgelöst hat. Man kommt aus der Defensive, aus der Handlungsweise des bedrohten Beutetiers und wird wieder zum aktiv Handelnden. So holt man sich psychologisch die Entscheidungsgewalt und das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zurück. Die Strafe dient also nach innen auch als Medikament. Zu diesem Gebiet gehört auch der Rachedurst. Indem man selbst zum Täter wird, soll die Demütigung durch das Erleiden der vorhergehenden Tat ausgeglichen werden. Es gilt, eine Scharte auszuwetzen und einen oft als besonders heimtückisch und gefährlich empfundenen Feind loszuwerden.
In diesem Konflikt „Wir Anständige gegen die Verbrecher“ wird der Zusammenhalt der Gruppe gefestigt. Jeder erhält die Möglichkeit, seine Loyalität zum Gruppenkonsens zu bekennen. Durch Ausgrenzung und Bestrafung wird der Gruppenkonsens über das Individuum gestellt und so gestärkt. Niemand steht über dem
Gesetz. Diese Wirkung nach innen darf nicht unterschätzt werden. Sie ist für den Erhalt des Friedens in einer Gruppe außerordentlich wichtig, denn sie ersetzt das Notrecht des Einzelnen, aus welchem die Gerichtsbarkeit ja auch erst entstanden ist. Erst haben die Starken begonnen, Schwächere zu beschützen, dann begann man auch die Starken unter den Gruppenkonsens zwingen. Das war die Entstehung des modernen Rechtstaates.
Wird nun das Sicherheitsgefühl der Gruppe immer und immer wieder besonders stark geschädigt, werden fast automatisch Rufe nach immer höheren Strafen laut. Man möchte instinktiv das Problem durch Eskalation der Gegenmaßnahmen bekämpfen. Gleichzeitig muss ein wachsendes Gefühl der Demütigung und Ohnmacht mit immer stärkeren Dosen von Machtdemonstration bekämpft werden. Das Medikament kann hier wie eine Droge zu Gewöhnungseffekten führen. Die Dosis muss kontinuierlich gesteigert werden und liegt bald weit über dem Maß, welches bei Betrachtung der Wirkung auf den äußeren Anlaß der Medikation noch vernünftig wäre.
Entsprechend lassen sich Umfragen zur Akzeptanz der Todesstrafe auch sehr leicht durch Fragestellung und Befragungszeitraum manipulieren. Findet die Befragung in kognitiver Nähe zu einem Verbrechen statt, dessen Ausmaß und Häufigkeit besonders starke Ohnmachtsgefühle erzeugt, findet die Todesstrafe besonders viele Befürworter. Typisch ist auch der häufig geäußerte Vorschlag zur Bestrafung von Sexualtätern: Kastrieren oder Hinrichten. Wir töten unsere Feinde, um uns selbst von unseren Ängsten zu erlösen.
Man bemerkt diese Wirkung unter anderem auch an den Unterschieden zwischen der amerikanischen und der deutschen Strafjustiz. Die Todesstrafe wurde in den USA aufgrund des Willen der Bevölkerung eingeführt, nach dem die politische Elite ihre Abschaffung beschlossen hatte. In Westdeutschland wurde die Todesstrafe von der politischen Elite gegen die Bevölkerungsmehrheit abgeschafft, um Nazis vor dem Galgen zu retten. Die USA haben ein sehr basisdemokratisches System – Staatsanwälte, Polizeiposten, viele wichtige Justizposten werden in offenen Wahlkämpfen besetzt. Viele Urteile werden nicht von professionellen Richtern sondern von Laienjuries aus der lokalen Bevölkerung gefällt. Deutschland hat dagegen ein Elitesystem, in dem die Bevölkerung eigentlich nur als Zuschauer beteiligt wird. Schöffen dürfen den Finger heben und etwas anmerken – als Stimme des einfachen Mannes. Entscheiden dürfen sie wenig. Alle wichtigen Posten werden von oben besetzt. Personalentscheidungen sind eigentlich nie ein wirklich wichtiger Bestandteil kommunaler und regionaler Wahlkämpfe. Dieser Unterschied wirkt unter anderem über den Einfluß, den der innere gruppenstärkende Aspekt auf die verhängten Strafen hat.
Der dritte Aspekt, also die sachlich begründete Vernichtung eines Feindes, spielt natürlich bei der inneren Wirkung der Todesstrafe eine schlimme Rolle. Die Versuchung, Maximalstrafen durch Hinweis auf ihre Endgültigkeit zu rechtfertigen, ist groß und teuflisch. Dennoch gibt es, wenn man sich von den innergesellschaftlichen Mechanismen auch nur leicht lösen kann, gute Gründe für manche Hinrichtungen. Es sind die selben Gründe, die für das Töten im Krieg sprechen.
Als Saddam Hussein hingerichtet wurde, geschah das gegen den Willen der US-Regierung. Es geschah auch
gegen den Willen vieler Opfer seiner Terrorherrschaft, denn man hatte das ganze Ausmaß seiner Verbrechen vor Gericht noch nicht einmal angekratzt. Viele Iraker protestierten, weil sie verlangten, auch die an ihnen verübten Verbrechen müssten vor der Vollstreckung verhandelt werden. Die Wirkung nach innen war also unbefriedigend. Das Bedürfnis nach Rache und Machtdemonstration wurde durch die frühe Hinrichtung verletzt. Die Wirkung nach außen war sowieso nicht vorhanden. Selbstmordattentätern kann man mit Todesstrafen nicht drohen. Für viele von Saddams Anhängern war die Herrschaft ihres Anführers gefährlicher als es die Zeit nach seinem Sturz je sein konnte. Es ist der dritte Aspekt, der hier wirkt. Es gab zunehmende Gerüchte über eine geplante Befreiung Husseins. Es gab Gerüchte über Pläne, ihn durch Geiseln freizupressen. Es gab in den europäischen Medien immer mehr Berichte und Kommentare, wonach es nicht nur besser sondern auch unausweichlich sei, Saddam wieder an die Macht zu bringen. Und es gab westliche Politiker, die genau dies forderten. Unter diesen Umständen führte an der schnellen Hinrichtung Saddam Husseins kein Weg mehr vorbei. Es wurde einfach zu gefährlich, ihn noch länger am Leben zu lassen.
Man kann diese drei Aspekte auf Spickzettelformat bringen:
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Wir töten, um zu drohen.
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Wir töten, um uns selbst zu heilen.
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Wir töten, um Konflikte zu beenden.
Beer7 argumentiert vor allem mit dem dritten Aspekt für die Todesstrafe, so wie man überlegt, ob man einen feindlichen Bunker angreift oder umgeht. Das ermöglicht eine sachliche Betrachtung der Situation. Eine mögliche kontroverse Debatte müsste mit sachlichen Analysen und Prognosen des Schaden-Nutzen-Verhältnisses geführt werden, wenn sie nicht zu hektischem Schattenboxen ausarten soll.
Nachtrag: Zettel nimmt den langen Weg, um darauf hinzuweisen, daß man mit der Betrachtung von Gruppenmechanismen bestimmte Dinge in der Psyche des Individuums nicht erfasst bzw. wegabstrahiert. Er erwähnt die Faszination, die am Tod hängt und das Grauen, daß wir dabei empfinden. Davon lebt ja ein beachtlicher Teil unserer Kultur. Kinder erzählen Gruselgeschichten von Toten Gruselfilme verkaufen sich prächtig. Manche Menschen empfinden bei der Ausübung von Macht und Gewalt sexuelle Lust. Das Thema lässt sich beliebig erweitern. Aus jedem Blickwinkel sieht man andere Facetten und neue Details. Ich denke schon länger darüber nach, mir mal etwas Literatur über Kriminalpsychologie zu besorgen. Hat jemand Tips?

califax sagte
Zunächst einmal, habe ich – wenn ich nochmal darauf hinweisen darf – in dem Artikel nicht beschrieben, was ich gerne hätte, sondern was nun einmal ständig auf der Welt passiert, seitdem es Menschen gibt. Wo ich mir die Straßenlaterne hinwünsche, ändert ja nichts an der Beule, wenn ich auf dem Heimweg beim Wünschen die Augen zumache. ;-)
Ob sie nun Gruppen akzeptieren, die sich zum Richter aufschwingen, ist völlig irrelevant. Denn alle Gruppen tun das. Da können sie höchstens als Eremit in die Wüste ziehen. Schon mit jeder Entscheidung über den Einsatz begrenzter Ressourcen wird indirekt, oft auch direkt eine Entscheidung über Leben und Tod getroffen, egal ob das im Gesundheitssystem, bei der Landwirtschaft oder im Rohstoffhandel ist.
Und wenn Sie beispielsweise (wie ich) militärische Interventionen auf das allernötigste beschränken wollen, so schicken Sie damit diejenigen Menschen in den Tod, die durch militärisches Eingreifen gerettet werden könnten. Ein aktuelles Beispiel für dieses Dilemma ist Burma. Man hätte den Katastrophenopfern helfen und viele retten können. Doch dazu hätte man einen sehr langen und blutigen Krieg gegen das burmesische Militärregime anzetteln müssen. Man hat sich dafür entschieden, die Zivilisten sterben zu lassen, weil die Erhaltung des Friedens über das Leben der Katastrophenopfer gestellt wurde. Und Sie haben diese Entscheidung wahrscheinlich mitgetragen, oder? ;-)
Ob Sie nun wollen oder nicht: Es werden ständig Menschenleben gegeneinander abgewogen. Auch von Ihnen selbst: Ihnen sind das Leben des Gefangenen und Ihr moralischer Anspruch wichtiger als das Leben von zukünftigen unschuldigen Opfern. Und daß Ihr Staat weitgehend auf Gewalt verzichtet, ist Ihnen wichtiger als das Leben derer, die durch staatlichen Gewalteinsatz gerettet werden könnten. Das Dilemma ist kein theoretisches Konstrukt für den Elfenbeinturm sondern ein ständiger Begleiter unseres Lebens.
Die Aufgabe des Staates ist nunmal der Schutz seiner Bürger. Sowohl bei arabischen Terroristen als auch im Falle eines Tyrannen wie Saddam ist der Staat nicht in der Lage, unter Laborbedingungen zu agieren. Wird ein Terrorist in Israel eingesperrt, animiert man damit zu Entführungen, da es in der Vergangenheit immer wieder einen Gefangenenaustausch gegeben hat. Man kann diesen Austausch auch nicht verweigern, wenn er möglich ist – dazu sind der internationale und nationale Druck zu stark. Die freigelassenen Terroristen nehmen dann i.d.R. den Kampf wieder auf und begehen neue Morde. In dieser Situation führt jede Entscheidung – auch die Entscheidung, sich nicht zu entscheiden, ist in Wahrheit eine – zur Ermordung von Menschen.
Ebenso sah es bei Saddam aus. Der Irak war in seiner Zukunft vollständig von den Alliierten und damit von der Stimmung in der westlichen Bevölkerung abhängig. Als westliche Politiker anfingen, ernsthaft die Wiedereinsetzung oder Freilassung Saddams zu fordern bzw. zu prognistizieren, wurde die Situation untragbar. Gleichzeitig wurden durch seine Hinrichtung blutige Freipressungsversuche verhindert.
Es bleibt letztlich dabei: Pilatus taugt in der Praxis nicht als Vorbild.
Die Situationen, in denen die Hinrichtung eines Menschen sinnvoll erscheint, sind m.E. tatsächlich Ausnahmesituationen. Eine kluge Politik sollte darauf abzielen, daß solche Ausnahmen möglichst selten auftreten. Aber sie treten auf und werden auch in Zukunft auftreten. Also muss man sie im Blick behalten. Fromme Wünsche ändern daran nichts.
B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Tageslektüre und Diskussionen am 2. Juli 2008 sagte
[...] Das Prinzip “Zielkonflikt” – hervorragend und lesenswert erläutert (Link) [...]
stefanolix sagte
Wenn ich noch ein paar kurze Bemerkungen machen darf?
Um die Opfer in Burma zu retten, hätte vermutlich eine einfache (und angekündigte) Luftraumverletzung genügt. Burmas Junta hätte wohl kaum auf Flugzeuge geschossen (oder schießen können?), die aus großer Höhe an Fallschirmen Hilfsgüter abwerfen.
In den meisten Fällen gibt es aber keine Freipressungsmöglichkeit (vor allem in den Fällen, die in den USA zur Entscheidung anstehen). Es müsste nur eine Strafe geben, die wirklich und garantiert bis zum Tode dauert (vulgo: Einmauern). Damit wäre die Todesstrafe obsolet und die Täter könnten keine weiteren Morde begehen. Diese Strafe dürfte dann aber auch nicht verhandelbar sein — außer bei einem später erbrachten Unschuldsbeweis.
califax sagte
Natürlich dürfen Sie. Immer her damit!
Burmas Junta wird von China gut aufgerüstet, weil Peking Ruhe in der Region will. Die Burma hat auf die amerikanischen Schiffe schon sehr gereizt reagiert und lebt in einem ständigen Verfolgungswahn. Sie lehnen jede Einmischung von außen ab, weil sie sie als möglichen Beginn einer Invasion sehen. Transportflugzeuge können zum Abwurf von Hilfsgütern auch nicht allzu hoch fliegen. Sie sind dabei auf jeden Fall in Flareichweite.
Informationen über die Luftabwehr findet sich zum Beispiel in der Wikipedia. Die ist also nicht unüberwindbar, müsste aber eben erst in einem Luftkrieg zerschlagen werden.
Wie würden Burmas Bodentruppen auf die abgeworfenen Güter reagieren?
Sie würden sie einkassieren, so wie sie auch die offiziell gelieferten Güter kassiert haben – insbesondere in einem Luftkrieg.
Man müsste also schon Bodentruppen reinschicken, die die Verteilung der Hilfsgüter sichern -> Dschungelkrieg.
Zu den USA – dort ist die Todesstrafe schon lange obsolet, aber nicht gegen die Bevölkerung abschaffbar.
E Pluribus Unum #1 « Freunde der offenen Gesellschaft sagte
[...] ihre gesellschaftliche Funktion zu untersuchen, wie es Califax im Blog The Outside of the Asylum getan hat. Wenn man dennoch nicht von der Sinnhaftigkeit der Todesstrafe überzeugt ist, fällt allemal das [...]
David Harnasch sagte
Ein Stichwort fehlt: Der Rechtsfrieden, den es nach einer Straftat wieder herzustellen gilt. Einen Massenmörder am Leben zu lassen – unter welch erbärmlichen Bedingungen auch immer (Supermax Prison) ist in der Ultraschurkenliga (Eichmann / Hussein) einfach gegenüber den zehntausenden Opfern nicht zu rechtfertigen. Deshalb hat die Todesstrafe nichts in einem Strafgesetzbuch zu suchen. Aber einen Ceauşescu an die Wand zu stellen, finde ich einwandfrei.
schweizerkrieger sagte
Ja, Studien habe bewiesen dass die Todesstrafe nicht abschreckend genug ist. Jedoch beim Kinds missbrauch oder Kindestötung verstehe ich keinen Spaß mehr. Politiker und Gegner der Todesstrafe argumentieren nur so, weil bei ihnen im privaten noch nie ein Solcher Vorfall stattgefunden hat. Wonach sie die Todesstraffe vorderen. Stelle Dir vor es wir Dein Kind missbraucht und getötet. Jemand der sich am schwächsten der Gesellschaft vergreift hat keine zweite Chance verdient.
markusoliver sagte
Die Todesstrafe nützt den Opfern nichts. Im Gegenteil: Wer ein Kind missbraucht hat auf Grund der allgemeinen Dämonisierung schon Strafe genug zu befürchten. Im Gefängnis ergeht es ihm schlecht.
Verhängt man die Todesstrafe auf den sexuellen Missbrauch von Kindern – was die Volksseele befriedigen würde -, dann gefährdet man das Opfer. Der Täter hat dann keinen Grund mehr das Opfer zu verschonen. Er wird es töten, um einen Zeugen loszuwerden.
Das gesellschaftliche Ziel muss lauten so wenig Kindesmissbräuche wie möglich zu erreichen. Aus wenn es absurd klingt: Dazu sind niedrige Strafen erforderlich. Der sexuelle Missbrauch muss – insbesondere aus Tätersicht – geständnis- und diskussionsfähig werden. Dämonisierungen nützen nichts, sondern schaden nur. Erst wenn die Täter darüber reden können, kann man eine ehrliche Auseinandersetzung erwarten.
Niedrige Strafen führen bekanntlich zur Bereitschaft den Fehler einzugestehen und zur Akzeptanz der Strafe. Hohe Strafen bewirken nicht, dass der Täter die Tat begeht. Sie bewirken nur, dass er sich umso eher bemüht nicht erwischt zu werden.
Ich bin ein Gegner der Todesstrafe, aber ein Befürworter präventiver Tötungen. Es gibt Täter die so gefährlich sind, dass man ihrer nicht habhaft werden kann. In diesem Fall ist die Tötung das angemessene Mittel. Man könnte auch sagen ich bin für die Festnahme um den Preis der Tötung.