The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Totgesagte leben länger

Verfasst von califax am Donnerstag, 12. Juni 2008

Die SPD stirbt, liest man in der Presse. Broder hat schon Abschied genommen. Der Göttinger Spin-Doctor Franz Walter, der schon zu bizarren rhetorischen Verrenkungen gezwungen war, als er mit einem Lob auf Lug und Trug versuchte, Ypsilantis und Becks Hessendebakel schönzureden, hält auch schon Trauerreden und blendet dabei aus, daß es die von ihm so hochgejubelte Mischung aus Wortbruch, Ehrlosigkeit, Wählermißachtung und naiv-dümlichen Betrugsversuchen ist, die die SPD so tief in den Keller geschickt hat.

Die SED-nahen Sozialdemokraten (der linke Flügel, aber sicher nicht nur die) reden sich scheinbar immer noch ein, man könne die Öffentlichkeit mit dümmsten und offensichtlichsten Lügen täuschen, wenn man diese nur schön sauber im Gremium abstimmt. Nein, Herr Wachtmeister, ich will das Auto nicht stehlen. Ich habe es nur aufgebrochen und kurzgeschlossen, weil man keine Transportmöglichkeit pauschal verteufeln darf!

Es ist zum Verzweifeln. Die haben nicht mal mehr den nötigen Respekt, die Täuschungsversuche an einem Wähler mit einem Minimum an Verstand auszurichten. Dieses Debakel ist kein Symptom gesellschaftlicher Veränderungen, wie es Walter gern wegschieben möchte. Es ist nicht das Ergebnis übermächtiger gesellschaftlicher Mechanismen, denen die SPD hilflos ausgeliefert wäre. Nein, das Debakel ist das Ergebnis von ganz konkreter persönlicher Dummheit, Unfähigkeit und Ehrlosigkeit des SPD-Führungspersonals, angefangen bei Ypsilanti und Nahles über Beck bis Drohsel.

Sicherlich sind es die Menschen gewohnt, von Politikern belogen zu werden, egal ob sie in einer Diktatur, einer Oligarchie oder einer Demokratie wohnen. Aber wer ein Mindestmaß an Selbstrespekt und Stolz besitzt, verlangt zu recht, daß sich die Lügner dabei wenigstens einigermaßen geschickt anstellen. Wenn man nicht nur belogen wird, sondern der Lügner sich nicht einmal bemüht, eine auch nur halbwegs glaubwürdige Täuschung aufzubauen, gleichzeitig aber mit Unschuldsmiene davon ausgeht, man werde halt schon ganz angestrengt wegschauen, dann ist das entweder Alberei oder eine handfeste Beleidigung.

Ist die Entscheidung, wer welche Gesetze durchsetzt, Alberei?

Aber genauso wie viele nicht begreifen wollten, wie verheerend diese Selbstentblößung der SPD, ihre neokommunistischen Spinnereien und die Einführung des gefährlichsten Gegners bei Hofe, sind, so kommen dieselben Leute, Spin-Doctor Walter vorneweg, jetzt im großen Trauerzug und wollen die Partei gleich beerdigen. Aber so einfach zerfällt eine große Partei nicht. Ja, es gibt Umfrageergebnisse, wonach ein Drittel der Mitglieder an Austritt denkt. Denken ist aber nicht gleich Handeln, und bei der derzeitigen Lage und genügend zeitlichem Abstand zur nächsten wichtigen Wahl kann man sich entsprechende Antworten in der Umfrage leisten. Eine schöne, anonyme und billige Methode, Protest zu äußern. Ja, die Umfragewerte sind im Keller. Angesichts des fortgesetzten Desasters mit der Dreistigkeit, mit der die Schwan jetzt öffentlich eine Koalition mit den Kommunisten ausschließt, um gleichzeitig vehement gegen eine offizielle Festlegung auf genau diesen Ausschluß zu kämpfen, sind die Umfragewerte freilich noch viel zu hoch. Es ist für die Schwan wohl überhaupt nicht mehr vorstellbar, daß sie es in der Öffentlichkeit mit Leuten zu tun hat, die nicht völlig hirnamputiert sind. Für das Amt des Bundespräsidenten ist sie mit dieser Respektlosigkeit und dieser offen zur Schau getragenen Verachtung für die Leser ihrer Ergüsse jedenfalls nicht geeignet. Sie wäre eine Schande für das Amt. Ihre Kandidatur entwickelt sich zur Schande für die SPD.

Aber so schnell sterben Parteien nicht. Dafür steht für die Mitglieder zuviel auf dem Spiel. Die Rettungsversuche werden irgendwann zunehmen und irgendwann auch Wirkung zeigen. Das wird Jahre dauern. Aber schon wenn der Bundestagswahlkampf beginnt, wenn es für die Stammwähler der SPD um etwas geht, werden die Umfragewerte wieder etwas raufgehen. Man wird mobilisieren, man wird versuchen, alles zu geben. Man wird kämpfen. Ob das ausreicht, um gegen die neue SED zu bestehen, wird sich zeigen müssen. Ob Union und FDP es schaffen, ihre Anhänger zur Urne zu bekommen und in der links ausgerichteten Mitte, den von der SPD verratenen und beleidigten SPD-Anhängern, zu ernten, wird sich zeigen müssen. Sicher scheint mir aber, daß die Ära der SPD noch längst nicht beendet ist, daß sich die Truppe wieder aufrichten kann, wenn sie sich erneuert und endlich der Realität stellt.

Totgesagte leben länger.

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