Preisentwicklung und Monopole
Verfasst von califax am Mittwoch, 9. April 2008
Das Monopol der Apotheken bröckelt weg. Nhenz sorgt sich deshalb um die Auswirkungen auf Preise und Angebot:
Heut gelesen, die Weltgrößte Versandapotheke Medco aus den USA steigt in den europäischen Markt ein und hat vor allem Deutschland als Wachstumsmarkt für sich entdeckt.
Die Marktfreigabe an sich ist sicher gut, aber nur wenn der Markt dann nicht durch wenige Große beherrscht wird. Was das für die Preise bedeutet sehen wir ja am besten Beispiel – dem Strommarkt. Dort kennt der Preis nur eine Richtung, aufwärts.
Nunja, der Telefonmarkt wird leider auch von wenigen Großen beherrscht, aber die Preise kennen eigentlich nur noch den Weg nach unten. Wegen dieser Aussichten hat die Telekom in den 90ern so brutale Preiserhöhungen durchgesetzt. Man wollte noch schnell möglichst viel reibach machen, ehe das Monopol bröckelt. Und man war verpflichtet, massiv in Modernisierung und Ausbau zu investieren. Der Strommarkt sieht aber ein wenig anders aus und unterscheidet sich von Medikamentenversand und Telefonnetz ganz erheblich.
Am Strommarkt hat man mehrere Faktoren, die die Preise hochtreiben:
Zum einen sind das ständig steigende Steuern und Rohstoffpreise.
Bisher gab es außerdem regionale Monopole. Die “Durchleitung” des Stromes ist eine schlichte Illusion von Idealisten, die im Physikunterricht zuviel mit ihrer Pubertät beschäftigt waren. Tatsächlich werden nur die Abrechnungen weitergereicht, denn ein Stromnetz ist nunmal kein Schienennetz. Eine echte Konkurrenz müsste bald zur Schließung teurer und zum Ausbau oder Neubau billigerer Kraftwerke führen. Da man aber keine echte Durchleitung hinbekommt, bleiben die teuren alten am Netz. Es werden sogar im privaten und kommunalen Bereich noch mehr teure Kraftwerke gebaut, die angeschlossen und bezahlt werden müssen. Gleichzeitig ist es fast unmöglich, neue billige Kraftwerke zu bauen, denn die laufen mit Kohle oder Kernenergie.
Dazu kommt die Förderung der alternativen Energien. Die müssen von den Großen weit über Marktpreis bezahlt werden und sollen die Großen früher oder später ersetzen.
Die Reaktion darauf war vorhersagbar: Man versucht, den eigenen Strom auf das Preisniveau der alternativen Stromeinspeiser zu bringen, um nicht mehr draufzuzahlen. Und man möchte noch schnell möglichst viel abkassieren, solange man noch die nötige Marktmacht hat. Denn mit der massiven Förderung kleiner Blockheizkraftwerke, von Windanlagen, Solaranlagen, Biogasanlagen, etc. und ersten Fortschritten bei der praxistauglichen Vernetzung der alternativen Energielieferanten zur Grundlastversorgung von Städten flutscht den Großen ein wichtiger Marktanteil weg. Also: Schnell noch abkassieren, solange es geht.
Dazu kommen noch Zukunftsrisiken: Das Stromnetz muss gründlich renoviert und erheblich erweitert werden. Wer wird das bezahlen? Naheliegend wäre, daß es die Großen machen sollen. Da niemand eine Hochspannungstrasse in seiner Nachbarschaft will, kann man sich vorstellen, was das kosten dürfte. Allein die Festlegung und Durchsetzung der Strecken… Und dabei wäre es auch noch ein weiterer Schritt, die Marktmacht der Großen zu brechen. Denn es ist die Voraussetzung dafür, daß die alternativen Stromanbieter tatsächlich in die Lage versetzt werden, klassische Grundlastkraftwerke zu ersetzen. Also will man das nicht machen, muss aber sicherheitshalber schon Geld dafür zurücklegen, denn ob es der Staat bezahlen wird? Die Windanlagenbetreiber wohl kaum.
Der Strommarkt ist also schon ein Sonderfall und nicht mit der Situation am Medikamentenmarkt vergleichbar. Es gibt bei den Medikamenten aber andere Faktoren, die die Preise hochtreiben: Zum einen natürlich die Patente, zum anderen der felsenfeste Glaube von Patienten und Ärzten, teurer sei besser, drittens der Filz zwischen Medizinern und Industrie und viertens die Krankenkassen. Müssten die Patienten ihre Medikamente selbst bezahlen, hätten es billige Konkurrenzpräparate erheblich leichter. Die Medikamentenpreise würden sinken, die Patienten wären aber trotzdem gelackmeiert.
Foto Hochspannungsmast: Knipsermann, „Strommast“, Some rights reserved.
Foto Kraftwerk: glühwürmchen, „Kraftwerk“, Some rights reserved.
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