The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Peter Scholl-Latour: Deutschland muss atomar aufrüsten

Verfasst von califax am Donnerstag, 20. März 2008

Peter Scholl-Latour wird gerne zitiert. Am liebsten mit einer Praxis, die man im USENET Quotemardern nennt. Am liebsten wird er zitiert, um zu “beweisen”, man müsse nur einfach auf jede Form von Gewalt verzichten, ganz feste gegen die USA und Israel sein, und ansonsten beide Augen fest vor allen Problemen verschließen, und schon werde alles gut. Damit verbiegt man gern seine Ansichten und Forderungen bis zum kompletten Gegenteil dessen, was er sagt und schreibt. Der Wikipedia-Artikel über ihn ist geradezu wohltuend informativ im Vergleich zu dem, was man ihm so alles zuschreibt, wenn es um den “War on Terror” und globale Sicherheit geht. Ich hab jetzt mal seinen Cicero-Artikel nachgegoogelt, weil mir normalerweise niemand glaubt, wofür Scholl-Latour wirklich eintritt:

Entgegen einer gezielten Desinformationskampagne würde die Welt nicht untergehen, wenn die Nato-Koalition Afghanistan räumen und die dortigen Stämme ihrem Schicksal überließe, wie das übrigens dem Wunsch der Bevölkerung entspricht.

Sowas wird gern zitiert, nicht wahr? Das passt in die üblichen Fronten. Was man dabei gerne ignoriert, ist der Rest von Scholl-Latours Sicht der Dinge:

Die Tragödie des Abendlandes besteht darin, dass der Schwund amerikanischer Glaubwürdigkeit in Verteidigungsfragen einhergeht mit einer selbst verschuldeten militärischen Kastration der Europäer.

Die reale Autorität und das Durchsetzungsvermögen der Vereinten Nationen werden in Berlin ohnehin maßlos überschätzt. Die militärischen Einsätze der Blauhelme – soweit diese auf sich selbst gestellt waren – endeten stets mit einem erbärmlichen Fiasko.

Bis dahin sollte die Bundeswehr sich von den überalterten Nato-Schablonen gelöst haben und über die Mittel verfügen, notfalls auch im nationalen Alleingang, am besten aber im engen Verbund mit den französischen Schicksalsgefährten, diesen Gefahren mit vernichtenden Gegenmaßnahmen, notfalls auch mit gezielten „preemptive strikes“ zu begegnen. Dabei kommt es nicht auf die Massen an, sondern auf die kriegerische Eignung einer hochtrainierten Truppe und ihrer speziellen Eingreifkommandos.

Die Deutschen sollten endlich begreifen, dass im Extremfall nicht die perfektionistischen Abwehrsysteme glaubwürdigen Schutz gegen die nukleare Bedrohung durch blindwütige Feindstaaten bieten, sondern – in Ermangelung eines kontinentalen Konsens – die nationale Verfügung über eine eigene atomare Abschreckung.

Ich halte seine Einschätzung für ein Worst-Case-Szenario, das wir noch nicht haben und verhindern sollten. Aber wie genau eigentlich?

Ein bisschen Musik zur schlechten Nachricht gefällig?

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