The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Opa Heinrichs Trimm-Dich-Pfad

Verfasst von califax am Montag, 9. November 2009

Papa, also Opa Heinrich macht mir Sorgen. Der ist doch jetzt total rammdösig seit letzter Woche.

- Wieso denn das? Der sieht doch ganz knusper aus.

Der hat doch immer 2 Pack Karo geraucht. Und jetzt hat der auf einmal aufgehört und demmelt dauernd durch den Wald und brabbelt: „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Ja, und? Ist doch toll! Hat doch einen Haufen Geld gekostet der Mist. Und stinken tut’s auch. Hab ihm schon immer gesagt: „Das mit dem Aufhören schaffste, wennde willst.“

Ja und die Kumpels jeden Freitag? Die ham doch immer Schnapsfasten gemacht, hinten im Kabüffchen. Der hat den ganzen Schnaps zu die Enten gekippt, alles! Freitag früh erst. Und dabei brabbelt der immer. Immer: „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Naja, das mit dem Händezittern war vielleicht doch nicht nur das Alter. Aber die wollen sich ja weitertreffen mit Turnen und so. Ist doch schön, wenn man Freunde hat.

Und vorgestern ist er in der Schule beim Impfen aufgetaucht. Mann, das war peinlich! Der hat sich echt vorgedrängelt. Der wollte unbedingt als erster geimpft werden und hat die aus der ersten Klasse weggeschubst. Und dauernd hat er gebrabbelt. „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Was? Hä? Na, ich frag ihn mal.

- Opa?! Was soll das mit dem Gesundbleiben auf einmal? Hast Dich doch sonst nie impfen lassen!

– Junge, hörst Du denn kein Radio, Mensch?! Der Genosse Honecker hat gesagt: „Die Mauer steht noch hundert Jahre!“ Das kann man schaffen! Das kann man schaffen!

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Günnie?

Verfasst von califax am Mittwoch, 4. November 2009

Wallräffchen? Bist Du das schon wieder?

Rüttgers oder Wallraff?

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Die Lebensdauer von Energiesparlampen

Verfasst von califax am Mittwoch, 4. November 2009

Die Agitation über die angeblich so hohe Energie- und Geldeinsparung beim Einsatz von Energiesparlampen beruht neben dem geringeren Verbrauch vor allem auf der sagenhaft langen Lebensdauer.

Da ich seit 2000 in meinem Haushalt Sparlampen verschiedener Art verwendet habe, und bisher keine länger als ein oder zwei Jahre gelebt hat, wollte ich sowieso einmal einen Artikel über diese ominöse Lebensdauer schreiben. Man könnte ja einmal fragen, ob diese Angaben auch außerhalb der berühmten und seit Jahren geheimgehaltenen Herstellerstudie ermittelt werden konnten*.

Aber was soll’s. Im Grunde kann man sich das Geschreibsel auch sparen und die Geschichte kurz fassen:

25 Jahre sollen die halten, aber die Hersteller geben nur 24 Monate Garantie.

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt, was man fürs erste zum Thema wissen muß.

*Die Antwort lautet vorhersehbarerweise: Nein.

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Der gallische Stabilisierungseinsatz mit robustem Mandat

Verfasst von califax am Dienstag, 3. November 2009

„In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden.“

Sagt Guttenberg im Interview. Wenn das kodifizierte Völkerrecht den Kriegsbegriff tatsächlich so einengt, haben die Völkerrechtler den Kontakt zur Realität verloren.

„Glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten?“

Vor allem muß ein Soldat kein Verständnis für eine Wortwahl haben, die kontrafaktisch und ausschließlich in einem kleinen weltfremden Zirkel beheimatet ist.

Wenn das kodifizierte Völkerrecht so ist, wenn es vor allem so sehr die Wortwahl eines Ministers beeinflussen kann, wie es Guttenberg beschreibt, muß es möglicherweise der Realität angepaßt werden.

Oder wir passen einfach zunächst einmal unsere Wortwahl an die Realität an und lassen es zu, daß im Fachchinesisch der Völkerrechtler ein Fachbegriff eine andere Bedeutung hat, als das gleichlautende Wort im Rest der Welt.

Denn ansonsten waren nach Ansicht sowohl der Völkerrechtler als auch der Bundeswehrführung Antike und Mittelalter die wohl friedlichste aller Zeiten. Was wohl Caesar zur Bezeichnung „Stabilisierungseinsatz“ gesagt hätte? Und was wohl die alten Germanen, die mit ihren – ja was eigentlich? – die Römer zu immer wiederkehrenden „friedenserzwingenden Stabilisierungsmissionen“ trieben? Was war das eigentlich, dieses Heeren der Germanen und der mittelalterlichen Despoten und Städte? Was, wenn nicht das, als was sie es selbst bezeichneten, nämlich Krieg? Und die Bauernkriege? Die Kolonialkriege? Die Indianerkriege?

Könnte es vielleicht sein, daß der einfache Soldat nicht einfach kein Verständnis für juristische Feinheiten, sondern schlicht ein tiefgreifenderes Verständnis für die Art seines Einsatzes  und die Wahl der Fachbegriffe seines Berufes hat, als die juristierenden Herren im Büro?

Ich frag ja nur. Und jetzt warten wir weiter, bis die hundert Tage um sind.

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Gericht des Tages

Verfasst von califax am Dienstag, 3. November 2009

Das Gericht des Tages stammt aus einer Zeitung und ist die Mediterrane Eismeerlachsforelle. Das Rezept diente leider als Feueranzünder im Kamin, sollte sich aber durch googlen rekonstruieren lassen. Ich empfehle dazu einen iranischen Wodka und deutsche Apfelsinen.

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Makulaturarbeiten

Verfasst von califax am Montag, 2. November 2009

Es gibt manchmal solche Tage, an denen man plant. Man plant, was man alles tun möchte, damit man es nicht schafft, das zu erledigen, das man nicht tun möchte.

Und deshalb sitze ich gerade hier und schaue mir alles mögliche an und denke daran, was ich noch alles lesen und analysieren muß, damit ich nicht zu den Bücherregalen hinüberschauen muß. Der erste Teil der Kondenswasserschimmelkatastrophe ist ja auch überstanden. Hygrometer und Thermometer und nach mordsmäßig robuster Chemie aussehende polnische Luftentfeuchter sind im ganzen Haus verteilt. Die Wand hinter dem Sofa ist ok. Die Wand hinter dem Küchenschrank auch. Anti-Schimmelgrundierung und flüssige Raufaser stehen bereit. Stellt sich noch die Frage: Wie sieht die Tapete hinter der Bücherecke aus?

Ich will das nicht wissen. Ich will einfach nicht. Ich will hier sitzen und gewichtige oder wenigstens klug aussehende Texte lesen, Offenbacher üben, endlich hebräische Druckschrift lernen, vielleicht anfangen, mich mal näher mit Datenbankformaten für Rechtschreibkorrektursysteme zu beschäftigen. Ich will die Regale nicht ausräumen, die Schränke nicht wegschieben und schon gar nicht will ich die Tapete sehen. Ich will mir einfach noch bis zum Wochenende einreden, es wäre alles in Ordnung.

Und ich bin damit ja nicht allein. Wer in den letzten zwei Wochen im deutschsprachigen Web unterwegs war, wird auf viele gestoßen sein, die genauso angestrengt versuchen, eine andere Makulatur zu übersehen oder in ein schönes Licht zurücken. Ich kann das sehr gut verstehen. Nicht nur wegen der Tapete. Wer als kleines Licht für eine Partei Wahlkampf macht und von der Ideologie dieser Partei tatsächlich begeistert ist, steht nach der Wahl mehr unter Druck als vorher.

Und wer sich richtig reinhängt und – wie es die Parteizentralen fordern – Freunde und Bekannte mit Argumenten und Losungen überzieht, braucht wahrscheinlich jedesmal eine volle Legislaturperiode, um all die Freundschaften zu ersetzen, die bei der verzweifelten Jagd auf Wählerstimmen verlorengegangen sind.

Und dann sitzt man da und äugt auf die Zeitungsschlagzeilen und schließlich auf den Link zum Koalitionsvertrag, und man steht unter Rechtfertigungsdruck. War es das wert? Hat irgendwer irgendetwas erreicht? Da gab es lange, ellenlange Wunschzettel wie zur Vorweihnachtszeit – nur viel länger und sehr viel teurer. Das muß jetzt alles rein in diesen Vertrag. Und wenn es um die steuerliche Absetzbarkeit von Pferdebürsteninvestitionen in internationalen Reitwettbewerben innerhalb der EU geht – das muß man wiederfinden.

Ein jeder muß sich wiederfinden, und so arbeiten die Ausschüsse Tag und Nacht und stellen Sprachformeln am Fließband her. Dann hat die Basis was in der Hand. Dann hat sie ihr Jodeldiplom.

Bei der einen Makulatur habe ich Angst davor zu wissen, was sie enthält. Deshalb will ich sie nicht sehen. Ich muß aber, weil sich darauf die Entscheidung findet, wie es weitergeht. Die andere Makulatur wollen manche endlich sehen, weil sie Angst vor dem haben, was nicht draufsteht. Dabei ist ihr Inhalt für die Zukunft eher unwichtig.

Politik entsteht in Machtkämpfen, in der Reaktion auf äußere Umstände und in einer ständigen Wechselwirkung mit dem Rest der Welt. Ob etwas aus einem Parteiprogramm umgesetzt wird, entscheidet kein Koalitionsvertrag sondern die Fülle aller Umstände, Ereignisse und Machtkämpfe während der Legislaturperiode.

Einen ersten Eindruck von der neuen Windrichtung werden wir in hundert Tagen haben. Bis dahin sitzen wir alle nur vor unserem Computer und versuchen krampfhaft, nicht an dieses störende Stück Makulatur zu denken. Und die einen lesen Koalitionsverträge. Ich ignoriere die Bücherecke. Deutschland im Herbst.

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Lektüre

Verfasst von califax am Sonntag, 1. November 2009

Ähm, äh, also, hust, naja, nun!, äh, ähem, tja nun, hmmm, hmm, hmm, ähem!, also, nuja, also wirklich, ähm, nu, herrje, ähem, ähmmm, ähm, äh, haben will!


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Man nehme…

Verfasst von califax am Mittwoch, 28. Oktober 2009

…Milch, Sahne, Mehl, Eier, Zucker, eingefrorene Pflaumen, nicht zu süßes rotes Johannisbeergelee, Vanilleeis, Räucherspeck, Nelken, Piment, Wacholder, Pfeffer, Salz, einen kleinen Topf und eine gute Pfanne.

Die Pflaumen mit Nelken, Piment, Wacholder, Pfeffer, Salz und etwas Zucker im Topf zu einer fruchtig-sauren Pampe köcheln und mit etwas Mehl andicken.

Derweile Sahne steifschlagen und dabei etwas zuckern.

Die Pfanne gut erhitzen und Speck auslassen.

In die Milch gerade soviel Mehl einrühren, daß die Flüssigkeit schleimig wird. Eier , eine Prise Salz und etwas Zucker unterrühren.

Diesen Flüssigteig in die gut erhitzte Speckpfanne geben und eine goldbraune Plinse ausbacken.

Die fertige Plinse auf einen Teller geben und etwas zuckern. Entlang des Durchmessers ordentlich Johannisbeergelee plazieren.  Dann die Plinse in der Hälfte umklappen und zum Hörnchen rollen. Obendrauf kommt die Plaumensauce. Daneben werden Schlagsahne und Vanilleeis abgeladen.

Dazu schmeckt am besten ein starker roter Johannisbeerwein oder heißer dicker bittersüßer Kakao.

Der Unterschied zu Gourmetköchen: Bei denen sieht das gut aus.

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Hat jemand den Kometen gesehen?

Verfasst von califax am Dienstag, 27. Oktober 2009

Da muß einer sein. Entweder das oder die Bäume bluten. Und die Hirsche machen Jagd auf friedlich äsende Wölfe. Die Äpfel fallen vom Boden an den Ast. Der Himmel strahlt in rosarot. Der Weltfrieden bricht aus. Die CSU beschwert sich über „die diffamierende Weise, mit der über Hartz-IV-Familien und Migranten geredet wird“.

Ach, wo bleiben jetzt eigentlich die Rassismusvorwürfe? Kommen die noch?

(Übrigens haben die Berliner recht – die Herdprämie ist  schädlich und dumm. Aber das sind populistische Amokläufe meistens. Und die von der CSU eigentlich immer.)

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Was Erich so alles sieht…

Verfasst von califax am Dienstag, 27. Oktober 2009

As we like to say when giving packing advice, when in doubt, leave it out. And it can’t hurt to do a last minute double check of your bag to make sure there are no grenades, guns or other prohibited items in it.

Safe travels,

(Quelle: TSA.gov. Gefunden beim geschützten Erich.)

Übrigens ein schönes Beispiel, wie gute Öffentlichkeitsarbeit einer Behörde funktionieren kann. Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen.

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