The Outside of the Asylum

Wer wird uns vor denen schützen, die wir zu unserem Schutz rufen?

Zum CRU-Spektakel eine kurze Klarstellung

Verfasst von califax am Freitag, 20. November 2009

Wenn man so liest, was teilweise in der Blogosphäre los ist, und angesichts der Zugriffe, die bei einem Nanoblögchen wie hier deswegen in so kurzer Zeit einschlagen, ist es vielleicht sinnvoll, ein paar Dinge zu klären:

1.) Daß es an der CRU sehr streng riecht, bedeutet noch lange nicht, daß die vorherrschende CO2-Theorie (AGW – anthropogene global warming) falsch wäre. Es geht bisher um

  • den Verdacht auf Steuerhinterziehung,
  • etwaige Manipulation der Peer Review von Fachzeitschriften zur Unterdrückung von kritischen Meinungen,
  • vermutliche Verfälschung bzw. Unterdrückung von Daten mit Anstiftung zur Dokumentenfälschung,
  • energischer Widerstand gegen die unabhängige Überprüfung der eigenen Daten und Methoden,
  • Verdacht auf Verstoß gegen den Freedom of Information Act im Zusammenhang mit der Vernichtung von Dokumenten und
  • eine Art politischer Leidenschaft, die doch etwas  weit über die gebotene wissenschaftliche Distanziertheit hinausschießt.

Es stinkt also schon recht gewaltig. Aber daraus folgt nun eben nicht, daß die Theorie deswegen falsch wäre.

2.) Natürlich denkt man als Deutscher sofort an einen gewissen Herrn aus Potsdam. Ja, er taucht in der abgefangenen Korrespondenz auf. Nein, es gibt keinen Hinweis darauf, daß er in irgendwelche krummen Sachen verwickelt wäre. Alles, was man von ihm sieht, ist normale wissenschaftliche Papierfrickelei.

3.) Und nochmal ganz deutlich für die Unvorsichtigen: die Vorwürfe aus 1. sind nicht vom Himmel gefallen. Es sind aber Vorwürfe, keine rundherum bewiesenen Tatsachen. Da gibt es einen Unterschied.

Außerdem gibt es bei der Verbreitung der gestohlenen Dokumente ein legales Risiko – Sie sind illegal ins Netz gelangt und möglicherweise urheberrechtlich geschützt. In jedem Fall werden Postgeheimnis und Persönlichkeitsrechte angetastet. Die Frage, ab wann das Interesse der Öffentlichkeit an einer Berichterstattung gerechtfertigt ist, kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Ich bin der Meinung, daß die Klimadebatte mit ihren gewaltigen wirtschaftlichen und politischen Kosten und dem rigorosen Vorgehen der CO2-Theoretiker gegen alle Kritiker durchaus rechtfertigt, daß man über den Hack berichtet und ebenso alles berichtet, was aus den geleakten Dokumenten zur Sache hervorgeht. Ein weitergehendes Interesse besteht meiner Meinung nach aber nicht.

Also bitte minimale Vorsicht bei Bewertungen und Einschätzungen.

Edit: Für alle, die Probleme beim verstehenden Lesen haben, habe ich nochmal ein paar ganz, ganz wichtige Worte hervorgehoben.

Nachtrag: Die Meinung der Ausgespähten dazu. (Liest sich übrigens besser als die berauschten Kommentare ihrer Gegner.)

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Wissenschaftsskandal oder Fake?

Verfasst von califax am Freitag, 20. November 2009

Wenn das kein Fake ist, bestätigen sich auf spektakuäre Weise viele Vorwürfe, die seit langem gegen die Wissenschaftler erhoben werden, die die Theorie des menschengemachten Klimawandels so erfolgreich vertreten: allen voran der Vorwurf der Datenfälschung und Datenunterdrückung, gefolgt vom Vorwurf, es handle sich dabei nicht um Wissenschaft sondern um eine radikale politische Sekte.

Wenn es allerdings ein Fake sein sollte, dann wäre es der Hoax des Jahrzehnts, nur noch vergleichbar mit Kornkreisen.

Ich bin gespannt wie die Katz vor’m Mauseloch…

PS.: Herzlichen Dank an hubersn für den Tip in Zettels kleinem Zimmer.

Und noch ein Nachtrag: Der Hack ist wohl echt. Allerdings kann es auch sein, daß sich der angekündigte Wissenschaftsskandal als heiße Luft entpuppt.  Eine Anweisung „fälsch die Daten und vernichte die Originale!“ wird man wohl kaum finden.

Oder?

“I’ve just completed Mike’s Nature trick of adding in the real temps to each series for the last 20 years (ie from 1981 onwards) amd from 1961 for Keith’s to hide the decline.”

“It is with deep sadness that the Daly Family have to announce the sudden death of John
Daly.Condolences may be sent to John’s email account (daly@john-daly.com)”
Mike,
In an odd way this is cheering news ! One other thing about the CC paper – just found
another email – is that McKittrick says it is standard practice in Econometrics journals
to give all the data and codes !! According to legal advice IPR overrides this.
Cheers
Phil

IPR – Intellectual Property Rights, also Urheberrecht. Stellt sich noch die Frage, ob die geklauten Dokumente zwischen Hack und Veröffentlichung bearbeitet wurden. Ein echter Hack ist es wohl. Es könnte immer noch ein Hoax drinstecken.

Nachtrag 2: Da sind einige wirklich verdammt peinliche Sachen drin:

From: Michael M*nn
 To: Phil J*nes
 Subject: Re: IPCC & FOI
 Date: Thu, 29 May 2008 08:12:02 -0400

Hi Phil,

laughable that CA would claim to have discovered the problem. They would
 have run off to the Wall Street Journal for an exclusive were that to
 have been true.

I’ll contact Gene about this ASAP. His new email is:

talk to you later,

mike

Phil Jones wrote:
 >
 >>      Mike,
 >            Can you delete any emails you may have had with Keith re AR4?
 >  Keith will do likewise. He’s not in at the moment – minor family crisis.
 >
 >      Can you also email Gene and get him to do the same?  I don’t
 >  have his new email address.
 >
 >      We will be getting Caspar to do likewise.
 >
 >  I see that CA claim they discovered the 1945 problem in the Nature
 > paper!!
 >
 >  Cheers
 >  Phil

Nachtrag 3:

Und was mir jetzt erst klargeworden ist: Das sind genau die „Wissenschaftler“, die erstaunlicherweise die wichtigste Grundlage ihrer Arbeit, nämlich ihre Rohdaten verloren haben, just als sie diese zur Peer Review ihrer Arbeit rausrücken sollten.

Even if WMO agrees, I will still not pass on the data. We have 25 or so years invested in the work. Why should I make the data available to you, when your aim is to try and find something wrong with it.

Die E-Mails betreffend FoIA, IPR und Löschung von Emails klingen in diesem Kontext noch einmal ganz anders.

Nachtrag 4:

Die bisher unterhaltsamste Bewertung hat Luboš Motl auf seinem Blog. Er spießt gleich einmal diesen E-Mail-Inhalt auf:

That is why it is important for us to get money from additional sources, in particular from the ADVANCE and INTAS ones. Also, it is important for us if you can transfer the ADVANCE money on the personal accounts which we gave you earlier and the sum for one occasion transfer (for example, during one day) will not be more than 10,000 USD. Only in this case we can avoid big taxes and use money for our work as much as possible. Please, inform us what kind of documents and financial reports we must represent you and your administration for these money

Yup. Das ist Steuerhinterziehung im großen Umfang. Da geht es um Millionen.

Seine Zusammenfassung der aus den E-Mails hervorgehenden Arbeitsmethode:

This procedure is also known as „scientific fraud“.

Persönlich halte ich mich da lieber noch etwas zurück. Aber meine Meinung entwickelt sich langsam in seine Richtung.

Dank an Gorgasal für den Tip.

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Heldengedenken

Verfasst von califax am Sonntag, 15. November 2009

Wenn sie Robert Enke im Sarg im Stadion aufbahren, wird es zu viel. Der tote Torwart wird zum Event. Das Spektakel zeigt, wie maßlos, wie distanzlos, wie gierig nach Emotionen und Abwechslungen aller Art wir sind.

(Tagesspiegel)

Kann man so sehen. Aber vor allem sind wir eine Nation ohne Helden. Unsere Soldaten wollen wir nicht ehren. Unsere Politiker schon gar nicht. Bei Künstlern scheiden sich die Geister, zumal sich da auch noch eine ziemlich breite Kluft zwischen Feuilleton und Otto Normal auftut. Und trotzdem haben wir wie alle Menschen auf der Welt Sehnsucht nach Helden und Heldengedenkritualen. Mir ist es lieber, die Menschenmassen bahren Enke auf und ehren ihn in der Öffentlichkeit.

Dank einiger weltfremder Richter dürfen gerade wieder ein paar Bewerber um den nächsten Massenmord zeigen, wie man Heldengedenken auf das Niederträchtigste mißbrauchen kann.

Bei Enke ist es  Trauer um einen gescheiterten Helden, nicht Propaganda zum Zwecke irgendwelcher Weltvisionen. Und deshalb ist es eine gute Sache.

http://www.tagesspiegel.de/sport/Fussball-Robert-Enke-Harald-Martenstein;art133,2949842

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Zitat zum Wochenende

Verfasst von califax am Samstag, 14. November 2009

Ganz am Anfang der APO stand mal ein Text von einem gewissen Lucifer Dyonisios („Genießen Sie den Untergang des Abendlandes“), in dem es hieß: „Das Recht auf die persönliche Kathedrale muss ebenso selbstverständlich werden wie das auf die massiv goldene Klobrille, ohne vom Primat der Rationalisierung des Mangels geleitet zu werden. Sozialismus ist nicht uniformiertes Elend, sondern Luxus für alle. In Anbetracht der Überschussproduktion des modernen Kapitalismus ist die einzig rationale Verteilung der Produkte Spermüllabfuhr.“

So richtig dürfte das nicht klappen, aber die Perspektive ist besser als die Realität. Und nur Langweiler flüchten sich in die Realität.

(che2001)

Das kann man sich nicht ausdenken. Das ist echt. Jeder Komiker müßte sich anhören, er hätte zu dick aufgetragen. Und es ist so … authentisch.

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen eine gute lange Weile und auch sonstige Gesundheit.

Nachtrag: Damit man nicht nur Gaudi hat, auch ein etwas ernsterer Kommentar da drüben:

Die deutsche Wiedervereinigung ist ein komplexer Prozeß, den 1989 niemand vorhersehen konnte.
Die Anforderungen an die demokratischen Kräfte in der Deutschen Demokratischen Republik haben sich nach dem Mauerfall dramatisch geändert. Geld- Wirtschafts-, Finanz-, Sozial- Innen- und Außenpolitik sind eben etwas anderes als der intelektuelle Widerstand gegen eine Diktatur. Zumindest aus meinem Politikverständnis heraus. Die Leute besassen auch keine Zeit in die neuen Anforderungen hereinzuwachsen. Im Grundgesetz war von dem Ziel der Wiedervereinigung die Rede.
Die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hatten natürlich Schwierigkeiten sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Auch für den Westen änderte sich die Welt durch die vertiefte Globalisierung dramatisch.
1990 sah es kurz so aus, als wären wir eine Art gelobtes Land. Von der Währungsreform über die (je nach Geschmacksrichtung) Ostpolitik und/oder NATO Doppelbeschluß alles richtig gemacht. Und dann war dieses von seiem Wesen sehr föderale Land plötzlich „vereinigt“.
Viele Probleme der Ostdeutschen mit der Vereinigung hab ich erst in Gesprächen mit ebensolchen halbwegs verstanden. Überstülpen eines Rechtssystems überliest sich schnell. Kann aber konkret verstehen, dass Leute eine Abwehrhaltung entwickeln, wenn sie begleitet mit Sprüchen „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ in die Mühlen der Bürokratie geraten.

(quelle)

Mit einer Einschränkung (der Widerstand der Bürgerrechtler war nicht intellektuell, es war praktische Selbsthilfe und Informationsbeschaffung) trifft das ganz gut zu.

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Pöbel und Gesocks

Verfasst von califax am Freitag, 13. November 2009

Pöbel, Gesindel, Schreihälse, D-Mark-Deppen – Das sind die Bezeichnungen, die man von selbsternannten Volksemanzipierern und Sozialingenieuren bis heute hört, wenn es um den Willen des Volkes nicht nur bei der deutschen Wiedervereinigung geht. Das ist er in Reinkultur, der von linker Seite so hochgelobte Respekt der Roten vor den Geknechteten dieser Erde. Mit nichts kann man unter der Roten Fahne soviel Beifall erregen wie mit Äußerungen der tiefsten Verachtung und des bittersten Hasses gegenüber den Mitmenschen, die man befreien zu wollen heuchelt.  Die Sorge der radikalen und extremen Linken um den „Kleinen Mann“ ist in Wirklichkeit nichts als das professionelle Interesse eines Erschießungskommandos am Stillhalten der Delinquenten.

Und es ist ein Ausdruck der Panik und des Entsetzens, welches immer eintritt, wenn die Lagerinsassen und die zu versklavenden keine Lust verspüren, freiwillig in ihre verschimmelten Gefängsniszellen zurückzukehren, statt sich und ihren Familien ein richtiges Haus in der Freiheit zu bauen. Dann wird er zum Pöbel der eben noch verklärte Arbeiter. Weil er für Frau und Tochter ein richtiges Krankenhaus will statt einer Metzgerei. Da wird er zum Krakeeler. Weil er leben möchte, wie es möglich ist, statt zu vegetieren, wie es die Lagerwache gern hätte.

Es ist manchmal verblüffend, wie haßerfüllt und verbittert westdeutsche Linke immer noch auf den Fall der Mauer reagieren. Man sollte denken, 20 Jahre hätten gereicht, um langsam mal in Richtung Erdboden zu lavitieren. Aber das Zusammenwirken aus peer pressure, Feindbilddenken und Unfähigkeit zum aufrechten Gang sperrt die Sektenmitglieder dauerhaft in ihr intellektuelles Gulag. Es gibt für sie nun einmal kein Entkommen ohne Bruch mit ihrer Religion.

Seit an Seit mit verbitterten DDR-Reformern und Stalinisten wähnt man weiterhin, es hätte eine reformierte, eine bessere DDR geben sollen. Es konnte sie gar nicht geben, denn dieses Land war weder legitimiert noch lebensfähig. Es war von Anfang an nichts anderes als eine sowjetische Militärfestung mit Zwangsinsassen. Und das hätte man auch nicht ändern können.

Wovon hätte eine DDR leben sollen? Von Luft und Feindbild natürlich wie alle totalitären Paradiese. Es gab keine wirtschaftliche Grundlage für eine DDR. Ohne die Ostkredite wäre das Land bereits Anfang der 80er zusammengebrochen. Staaten können durchaus Bankrott gehen. Und sie tun es auch regelmäßig. Die Lebenslüge der Sozialisten hält kein Wasser. Die DDR hatte keine Landwirtschaft, die ihre Bevölkerung dauerhaft ernähren konnte. Sie hatte keine Medizin, die über den Stand der Weimarer Republik hinausgewachsen wäre und hätte sich das auch nie leisten können. Sie hatte zu Beginn des Informationszeitalters keine brauchbare Kommunikationsinfrastruktur. Sie hatte keine Verkehrswege, die eine effiziente Industrie erlaubt hätten und keine Ressourcen, welche zu bauen. Sie hatte als Energiequellen nur Kernenergie und großflächige Landschaftsvernichtung durch Braunkohle zur Verfügung – beides bekanntlich linke Lieblingsenergieformen. Es gab keinen exportfähigen Maschinenbau. Keine lebensfähige Textilindustrie. Keine lebensfähige Luftfahrtindustrie. Keine Mittel für Forschung  und Wissenschaft. Es gab nichts, absolut gar nichts, wovon ein Staat – noch dazu ein linkes Schlaraffenland – hätte existieren können.

Es gab nicht einmal ein Staatsvolk, denn das Land wurde gegen den Willen der dort lebenden Menschen gegründet. Man hat den Menschen von Anfang an eine Regierung aufgezwungen, die sie nicht wollten, hat sie von Anfang an mit brutaler Unterdrückung gezwungen, unter einer Fahne zu leben, die sie nicht wollten. Es gab nie eine legitime DDR, es war von Anfang an Festungshaft für Millionen. Dieser Staat wurde als Gefängnis und Arbeitslager gegründet und wäre es auch geblieben.

Der Haß der westdeutschen Linken auf den „verführten“ ostdeutschen „Pöbel“ ist Ausdruck ihrer selbstgewählten Verblendung. Es ist das Symptom einer Geisteskrankheit, die nur durch Abkehr vom totalitären Größenwahn und durch Übung im freien kritischen Denken kuriert werden kann. Oh, und das tut weh. Das tut denen, die es versuchen, höllisch weh. Ganz zu schweigen vom Gekeife ihrer Genossen.

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Das Verschwinden der DDR-Bürgerrechtler

Verfasst von califax am Dienstag, 10. November 2009

Ein beliebtes Klischee, das bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit in die Diskussion geworfen werden muß, lautet: „Die Revolution frißt ihre Kinder“. Und wie die meisten dieser Sprüche dient auch dieser nicht dazu, eine Sache zu erhellen, sondern simuliert lediglich eine nicht vorhandene „tiefe“ Einsicht. Es ist ein leerer Spruch, der  auch hilft, das Denken zu vermeiden.

Wo sind die Bürgerrechtler der späten DDR hin? Was ist aus dem Neuen Forum und den mit dieser Bezeichnung im Osten normalerweise mitgemeinten anderen Bürgerrechtsgruppen geworden? Warum konnten diese Pioniere, denen wir soviel zu verdanken haben, keine ernsthafte politische Karriere machen?

Nein, die Revolution hat sie nicht gefressen. Niemand wurde hingerichtet. Das Neue Forum wurde nach der Wende eben nicht verboten. Wie gesagt, das Klischee von der Revolution und ihren Kindern ist Unfug. Die Bewegung der Bürgerrechtler wurde einfach irrelevant. Warum?

Zum einen gab es eine Verschiebung der politischen Landschaft, den einzigen tatsächlichen Rechtsruck, den die neuere Geschichte Deutschlands jemals erlebt hat. Zweitens waren die Bürgerrechtler unfähig zur konkreten Politik. Und drittens schwurbelten sie mit einer Sprache durch das Land, die von den Durchschnittsmenschen als unnötig verkopft, oft auch als bizarr oder geistig verwirrt wahrgenommen wurde.

Es gab tatsächlich einmal im Nachkriegdeutschland einen Rechtsruck. Das war kein harmloser Regierungswechsel, wie sie sonst von Linken gern zum Menetekel eines Neofaschismus aufgeplustert werden. Hier ist die Bezeichnung wirklich angebracht.

So lange das Regime scheinbar fest im Sattel saß, war es schon staatsfeindlich, war  es konterrevolutionär, auch nur das winzigste Reförmchen zu wünschen. Die politische Landschaft der DDR beschränkte sich auf verschiedene Spielarten des Stalinismus. Als die Bürgererrechtler ‘88 und ‘89 Aufwind bekamen, waren ihre Forderungen radikal bis zum Bersten. Sie waren geradezu skandalös: Kritik sollte erlaubt sein! Viel mehr wurde eigentlich noch gar nicht gefordert. Es ging um die Reform des Stalinismus, um kleine zaghafte Schritte zu einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wie in Prag ‘68. Und, ein Skandal!, es ging mehr und mehr darum, die Verfassung der DDR zu respektieren.

Die Bürgerrechtler handelten auf der organisatorischen Basis einer auf dünnem Seil tänzelnden Kirche und im Sinne eines starken und ehrlichen DDR-Patriotismus. „Bleibe im Land und wehre Dich täglich!“ war typisch. Später wurde das auf den Massendemos zur Drohung: „Wir bleiben hier!“ Noch wärend das System zusammenbrach, lag die Stoßrichtung der Bürgerrechtsbewegung in einer „aktiven Partizipation“ des „Individuums“ am Sozialismus. Es ging ihnen nie um Revolution, es ging ihnen um Reform und Weiterentwicklung. Das war unter Honecker bereits eine beispiellose Radikalität. Es war ein so großer Skandal, daß die Bürgerrechtler ziemlich isoliert waren. Viele drückten ihnen heimlich die Daumen, die meisten hielten sie für naiv. Allen war das viel zu radikal.

Aber als die Massendemos nicht mehr unter Kontrolle waren, als Krenz an die Macht kam und sofort abgelehnt wurde, hatte sich das Klima im Land bereits geändert. Mehr und mehr Menschen nahmen sich jetzt einfach die Freiheit, eine eigene Meinung zu haben. Mit der Freiheit des Denkens und Sprechens bröckelte die ideologische Umklammerung des Honeckerregimes weg. Die Arbeiter und Bauern, nicht mehr nur ein paar Akademiker und Theologen, beteiligten sich am Diskurs.  Und mit dieser Beteiligung der hauptsächlichen Nutznießer des Sozialismus kam die Ökonomie in die Debatte. Der Sozialismus ist vor allem ein Wirtschaftssystem. Der Ekel, den viele Sozialisten für wirtschaftliches Grundwissen und wirtschaftliche Argumente empfinden, war deshalb schon immer ein Ausweis besonderer Dummheit. Beim Zustand der DDR war diese auch in der Bürgerrechtsbewegung anzutreffende Ablehnung wirtschaftlicher Überlegungen, Ängste und Wünsche nicht nur dumm, sie war geradezu närrisch und selbstmörderisch, da sie eben das Fundament der Probleme des Landes zu ignorieren suchte.

Die Arbeiter und Bauern habe ich als die hauptsächlichen Nutznießer des Systems bezeichnet. Und das waren sie nicht nur in der Propaganda. Niemand sonst war so brutal von den Errungenschaften des Sozialismus betroffen. Sie hatten täglich mit den unbrauchbaren Traktoren des sozialistischen Aufbaus zu kämpfen, sie mußten Kleider schneidern, die niemand freiwillig tragen wollte. Sie durften keine neuen Autos bauen und mußten am längsten auf völlig veraltete Technik warten. Sie starben bei Notfällen ohne Hilfe, weil es in einem Industrieland der 80er Jahre immer noch kaum Telefone und ein Telefonnetz aus der Vorkriegszeit gab, weil Krankenwagen Mangelware und meist veraltet waren und auf den kriegsähnlich zerlöcherten Straßen nicht zügig fahren konnten. Sie erfroren im Winter, weil man pfuschende Hausmeister und Bauleute nicht feuern durfte. Sie beackerten Böden, die wegen der Verdichtung durch die viel zu schweren aber als Fortschritt vorgeschriebenen Landmaschinen immer unfruchtbarer wurden. Sie mußten alle paar Monate entsetzt mitansehen, wie die betrieblichen Erfolgsmeldungen und Vorgaben in einer teuflischen Wechselwirkung von Lügen und Wahnideen vom Erdboden abhoben, während die Produktivität immer noch tiefer sank. Sie litten unter besoffenen aber unkündbaren Kranarbeitern. Sie wurden mit Schnaps und Kantinenessen abgespeist, wenn sie von Urlaubsreisen und Dachziegeln träumten. Sie duften ganz ungeschminkt all das genießen, was die Wirtschaftsform Sozialismus den Bürgern zu bieten hat: Eine staatliche Bedarfswirtschaft auf der Basis von politischen Entscheidungen.

Und diese Leute wußten aus eigener Anschauung die ganz ungeschminkte und schonungslose Wahrheit über die Möglichkeiten und Potentiale sowohl des Sozialismus als auch des Regimes. Und als sie endlich auch außerhalb ihrer abendlichen Trinkerrunden denken durften, waren sie es, die die notwendige Schlußfolgerung zogen: Weg mit dem Regime. Weg mit dem Sozialismus. Weg mit diesem Land, das weder legitimiert noch überlebensfähig ist. Die Arbeiter und die Bauern waren es, die am Ende die Herrschaft über die DDR übernahmen und ihre Ziele durchsetzten: Freie Wahlen, Marktwirtschaft, ein geeintes Deutschland.

Und so rutschte den Bürgerrechtlern die politische Geometrie unter den Füßen weg. Was eben noch radikal fortschrittlich, ja skandalös, war, stand jetzt verdammt weit links von der Mitte des Diskurses und ungewollt auf Seiten der Reaktionäre. Neues Forum und Co. waren jetzt plötzlich eine Ansammlung von Spinnern, die immer noch vom Sozialismus redeten, die einen Staat reformieren und mitgestalten wollten, den die Mehrheitsmeinung so schnell wie möglich loswerden wollte. Mit „Wir sind das Volk“ hatten sich Menschenmassen zu Wort gemeldet, denen auch die Bürgerrechtler zutiefst mißtrauten. Denen sie völlig zurecht wirtschaftliche und einheitsdeutsche Motive unterstellten, dies aber oft in einer arrogant-ablehnenden Haltung. Als wäre es unmoralisch und eitel, wenn Frauen in einem hygienischen OP-Saal von sorgfältig und gewissenhaft arbeitenden Fachleuten operiert werden wollten, statt wie so viele andere kurz nach der OP an einer ungeklärten und vertuschten Blutvergiftung im Unterleib zu verrecken. Diese Künstler, Akademiker und Theologen waren in ihren verkopften philosophischen Debattierkreisen und Analyseversuchen gefangen, als das Volk die Führung übernahm. Wenig später hieß es: „Wir sind ein Volk!“ Da waren die Bürgerrechtler schon abgehängt und konnten nur noch staunen. Das politische Spektrum der DDR war unter ihnen einfach nach rechts „geruckt“, besser gesagt: Es hatte sich weit nach rechts erweitert. Und es hatte nicht „die Bevölkerung mitgenommen“, wie es Politiker gerne verschwurbeln. Ganz im Gegenteil: Das Volk hatte das Spektrum seinen Ansichten, Ängsten und Wünschen angepaßt. Und die waren eben überwiegend rechts vom Linksextremismus angesiedelt.

Der zweite wichtige Punkt ist die Unfähigkeit zur konkreten Politik. Die Bürgerrechtler waren geübt darin, heimlich Umweltsünden und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Sie schmuggelten wichtige Informationen aus dem Land an die Westpresse, von wo aus diese Informationen ein großes ostdeutsches Publikum erreichten. Sie fütterten den Buschfunk. Sie halfen dabei, Bausoldat zu werden. Sie unterstützten Ausreisewillige und boten eine Schulter zum ausweinen, wenn man verzweifelt war. Aber sie waren politisch inkompetent.

Sie träumten von demokratischen Verhältnissen, von Rechtsstaat und Meinungsfreiheit und fürchteten doch die Meinung der Volksmehrheit, die Abschaffung der DDR. Beides mußte aber zwangsläufig Hand in Hand gehen. Man kann keinen demokratischen Staat betreiben, wenn die Mehrheit seiner Wähler ihn abschaffen will. Man wollte einen ostdeutschen sozialistischen Sonderweg, als könne man sich von der Weltpolitik isolieren. Als könne man ein Land ohne wirtschaftliche Basis und ohne patriotische Bevölkerungsmehrheit regieren und gleichzeitig auf brutale Unterdrückung verzichten. Man glaubte ernsthaft, man müsse nur christliche Harmonierhetorik und philosophische Wortwahl einsetzen, und schon könne man einen Systemprogrammierer überzeugen, weiterhin für ein schlechtes Gehalt in einem maroden Gebäude an ständig wegen Kurzschluß abstürzenden 8-Bittern zu frickeln, statt sich einen Arbeitgeber zu suchen, bei dem man mit modernster Technik in schönen hellen Räumen Geld und Anerkennung scheffeln konnte. Aber vor allem war man unfähig, konkrete politische Maßnahmen zu entwickeln.

Außenpolitik – wie sollte das Verhältnis zu den afrikanischen Diktaturen und Cuba gestaltet werden? Sollte die Militärhilfe weiterfließen? Wenn nein, was sollte man bieten, um die dann eintretende diplomatische Verstimmung zu besänftigen? Und womit hätte man dann die Importwaren aus diesen Ländern ersetzt? Was sollte mit den vietnamesischen Gastarbeitern und Studenten geschehen? Wer sollte in Zukunft zahlen? Da sind wir bei der Entwicklungs- und Militärhilfe in Asien. Die war teuer und ein steter Quell für Konflikte mit China und den USA. Sollte man die einfach einstellen? Welchen Preis wäre man bereit, dafür zu zahlen? Wie wollte man sich überhaupt aus der geheimdienstlichen und paramilitärischen Beteiligung an all den Guerrillakriegen der Welt herauswinden? Wie sollte das Verhältnis zu den Russen weitergeführt werden? Was sollte mit den Besatzungstruppen, speziell mit ihren Kernwaffen geschehen? Gab es eine Möglichkeit, wieder ausreichend Öl und Gas aus der SU zu beziehen? Zu welchem Preis wollte man die Forderungen durchsetzen? Wie sollten die bilateralen Beziehungen zur BRD weiterentwickelt werden?

Wirtschaft – wie sollte die Wirtschaft saniert werden? Wie sollte man das Arbeitsrecht anpassen, um Faulenzer, Trinker und Inkompetente aus den Betrieben herauszukriegen? Und wovon sollten die dann leben? Wer zahlt? Womit sollte man auf welcher gesetzlichen Grundlage die Innenstädte sanieren? Wenn man die Kraftwerke und die chemische Industrie stillegte, wie oft gefordert: Womit ersetzen? Und wovon? Auf welcher gesetzlichen Grundlage? Wie sollte man auf den weltweiten Boom bei der Baumwolle reagieren, der der ostdeutschen Polyfaserproduktion die Existenzgrundlage nahm? Sollten die alten Ländergrenzen, die immer noch in der Volksseele verankert waren, wieder eingeführt werden oder wollte man bei den Bezirken bleiben, deren Grenzen sich niemand merken konnte? Wie genau sollte so eine Gebietsreform aussehen? Sollten die Enteignungen rückgängig gemacht werden oder nicht? Egal, wie man diese Frage entscheiden wollte, stellte sich die Frage nach der rechtlichen Grundlage, nach Entschädigungen und Rehabilitierung. Sollte in Zukunft mehr Privateigentum in der Wirtschaft erlaubt werden? Wenn ja: Unter welchen konkreten Bedingungen? Sollten sich LPGs auflösen dürfen? Auf welcher gesetzlichen Grundlage? Wie sollte überhaupt die Export- und Importpolitik weitergehen? Was wollte man mit dem defizitären und veralteten Schiffbau anfangen? Das RO-RO-Konzept war nur für afrikanische Entwicklungsländer und als militärstrategische Reserve für Invasionsflotten geeignet. Der zivile Welthandel setzte längst auf Container. Die Globalisierung kam gerade kräftig in Schwung.

Justiz und Sicherheitspolitk: Wer sollte nach welchem Maßstab all das Unrecht aufarbeiten? Was sollte mit den Unterlagen und Mitarbeitern des MfS passieren? Die außenpolitischen und militärischen Auswirkungen eines Regimewechsels schienen vielen ja gar nicht bewußt zu sein. Der gesperrte Brockengipfel schien einfach nur Unrecht zu sein. Die diplomatischen und geheimdienstlichen Verwicklungen, die sich aus einer Schließung dieser strategisch wichtigen Aufklärungseinrichtung ergeben mußten, werden bis heute ignoriert.

Was sollte mit der FDJ passieren? Was mit dem Vermögen des FDGB? Wie sollte die betriebliche Mitbestimmung der Arbeiter und Bauern aussehen? Wovon sollten die Renten bezahlt werden? Wie wollte man das Steuerrecht reformieren? Und wie wollte man überhaupt einen ehrlichen Überblick über Staatsfinanzen und Wirtschaftslage erhalten? Wie sollten Reiserecht und Zollbestimmungen in Zukunft aussehen? Was war mit dem Ausländerrecht? Spionageabwehr? Wie sollte die ohne Stasi funktionieren? Was war mit den Betriebskampfgruppen und deren Waffen? Was mit der Kasernierten Volkspolizei? Wer sollte mit welchen Resourcen das Telefonnetz modernisieren? Wie sollte die Energieversorgung im Winter stabilisiert und ausgebaut werden?

Es gab sehr viele Fragen in der Wendezeit. Aber die Bürgerrechtsbewegung diskutierte lieber philosophische Seichtigkeiten statt Gesetzentwürfe und außenpolitische Strategien zu erarbeiten. Das Land wurde denn auch bald von denen gestaltet und regiert, die vor diesem „schmutzigen“ Geschäft keine Angst hatten und die sich heute in den etablierten Parteien finden.

Als wären diese beiden Punkte – die erdrutschartige Verschiebung der legitimen politischen Landschaft und die Unfähigkeit zur Politik – nicht schon tödlich, gab es noch ein drittes Eigentor: Es war die bizarre, pseudowissenschaftliche Sprache, die Dorfpfarrern das Gefühl hoher Intellektualität verleihen sollte, in Wahrheit aber nur die Belanglosigkeit vieler Beiträge verschleierte und verseierte. Nach innen wirkte diese Sprache wie eine Droge -  sie half, Hilflosigkeit und Ratlosigkeit zu kaschieren, verbreitete ein wohliges Gefühl und blendete den Blick. Nach außen wirkte sie wie die verschwurbelte Sprache vieler Wahnsinniger: lächerlich, bizarr, wirr.

Wer stundenlang über die anzustrebende Subjektwerdung des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft als dialogisches Fundament einer dialektischen Diskursanalyse der bestehenden Zustände schwafelt, während die NVA Gefechtsalarm hat und die Fallschirmjäger in offener Rebellion ihre Kaserne zertrümmern, hat so offensichtlich einen Sprung in der Schüssel, ist so weit von den Problemen auf dem Planeten Erde und seiner nach Orientierung und Rat suchenden Bevölkerung entfernt, daß man das Thema an dieser Stelle besser abschließt.

Die Revolution hat ihre Kinder nicht gefressen. Die Pioniere der Revolution haben den Sprung von der unterdrückten, raunenden Opposition zur selbstbewußten aktiven Politik nicht geschafft.

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Opa Heinrichs Trimm-Dich-Pfad

Verfasst von califax am Montag, 9. November 2009

Papa, also Opa Heinrich macht mir Sorgen. Der ist doch jetzt total rammdösig seit letzter Woche.

- Wieso denn das? Der sieht doch ganz knusper aus.

Der hat doch immer 2 Pack Karo geraucht. Und jetzt hat der auf einmal aufgehört und demmelt dauernd durch den Wald und brabbelt: „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Ja, und? Ist doch toll! Hat doch einen Haufen Geld gekostet der Mist. Und stinken tut’s auch. Hab ihm schon immer gesagt: „Das mit dem Aufhören schaffste, wennde willst.“

Ja und die Kumpels jeden Freitag? Die ham doch immer Schnapsfasten gemacht, hinten im Kabüffchen. Der hat den ganzen Schnaps zu die Enten gekippt, alles! Freitag früh erst. Und dabei brabbelt der immer. Immer: „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Naja, das mit dem Händezittern war vielleicht doch nicht nur das Alter. Aber die wollen sich ja weitertreffen mit Turnen und so. Ist doch schön, wenn man Freunde hat.

Und vorgestern ist er in der Schule beim Impfen aufgetaucht. Mann, das war peinlich! Der hat sich echt vorgedrängelt. Der wollte unbedingt als erster geimpft werden und hat die aus der ersten Klasse weggeschubst. Und dauernd hat er gebrabbelt. „Das kann man schaffen, das kann man schaffen!“

- Was? Hä? Na, ich frag ihn mal.

- Opa?! Was soll das mit dem Gesundbleiben auf einmal? Hast Dich doch sonst nie impfen lassen!

– Junge, hörst Du denn kein Radio, Mensch?! Der Genosse Honecker hat gesagt: „Die Mauer steht noch hundert Jahre!“ Das kann man schaffen! Das kann man schaffen!

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Günnie?

Verfasst von califax am Mittwoch, 4. November 2009

Wallräffchen? Bist Du das schon wieder?

Rüttgers oder Wallraff?

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Die Lebensdauer von Energiesparlampen

Verfasst von califax am Mittwoch, 4. November 2009

Die Agitation über die angeblich so hohe Energie- und Geldeinsparung beim Einsatz von Energiesparlampen beruht neben dem geringeren Verbrauch vor allem auf der sagenhaft langen Lebensdauer.

Da ich seit 2000 in meinem Haushalt Sparlampen verschiedener Art verwendet habe, und bisher keine länger als ein oder zwei Jahre gelebt hat, wollte ich sowieso einmal einen Artikel über diese ominöse Lebensdauer schreiben. Man könnte ja einmal fragen, ob diese Angaben auch außerhalb der berühmten und seit Jahren geheimgehaltenen Herstellerstudie ermittelt werden konnten*.

Aber was soll’s. Im Grunde kann man sich das Geschreibsel auch sparen und die Geschichte kurz fassen:

25 Jahre sollen die halten, aber die Hersteller geben nur 24 Monate Garantie.

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt, was man fürs erste zum Thema wissen muß.

*Die Antwort lautet vorhersehbarerweise: Nein.

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Der gallische Stabilisierungseinsatz mit robustem Mandat

Verfasst von califax am Dienstag, 3. November 2009

„In Teilen Afghanistans gibt es fraglos kriegsähnliche Zustände. Zwar ist das Völkerrecht eindeutig und sagt: Nein, ein Krieg kann nur zwischen Staaten stattfinden.“

Sagt Guttenberg im Interview. Wenn das kodifizierte Völkerrecht den Kriegsbegriff tatsächlich so einengt, haben die Völkerrechtler den Kontakt zur Realität verloren.

„Glauben Sie, auch nur ein Soldat hat Verständnis für notwendige juristische, akademische oder semantische Feinsinnigkeiten?“

Vor allem muß ein Soldat kein Verständnis für eine Wortwahl haben, die kontrafaktisch und ausschließlich in einem kleinen weltfremden Zirkel beheimatet ist.

Wenn das kodifizierte Völkerrecht so ist, wenn es vor allem so sehr die Wortwahl eines Ministers beeinflussen kann, wie es Guttenberg beschreibt, muß es möglicherweise der Realität angepaßt werden.

Oder wir passen einfach zunächst einmal unsere Wortwahl an die Realität an und lassen es zu, daß im Fachchinesisch der Völkerrechtler ein Fachbegriff eine andere Bedeutung hat, als das gleichlautende Wort im Rest der Welt.

Denn ansonsten waren nach Ansicht sowohl der Völkerrechtler als auch der Bundeswehrführung Antike und Mittelalter die wohl friedlichste aller Zeiten. Was wohl Caesar zur Bezeichnung „Stabilisierungseinsatz“ gesagt hätte? Und was wohl die alten Germanen, die mit ihren – ja was eigentlich? – die Römer zu immer wiederkehrenden „friedenserzwingenden Stabilisierungsmissionen“ trieben? Was war das eigentlich, dieses Heeren der Germanen und der mittelalterlichen Despoten und Städte? Was, wenn nicht das, als was sie es selbst bezeichneten, nämlich Krieg? Und die Bauernkriege? Die Kolonialkriege? Die Indianerkriege?

Könnte es vielleicht sein, daß der einfache Soldat nicht einfach kein Verständnis für juristische Feinheiten, sondern schlicht ein tiefgreifenderes Verständnis für die Art seines Einsatzes  und die Wahl der Fachbegriffe seines Berufes hat, als die juristierenden Herren im Büro?

Ich frag ja nur. Und jetzt warten wir weiter, bis die hundert Tage um sind.

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